Dez 2011 hastuPAUSE Nr. 39 0

Inspirierendes Bratislava

In seinem Auslandssemester in der Slowakei entdeckte Karl die Leidenschaft zur Fotografie. Heute ist er der »beste Fotograf Deutschlands«.

»Ich weiß zwar nicht, ob ich fotografieren kann, aber ich weiß, dass ich einfach nicht aufhören kann.« Das ist nicht unbedingt die Aussage, die man sich von »Deutschlands bestem Fotografen« erwarten würde. Karl Wagner, Student im Masterstudiengang Internationales Finanzmanagement an der MLU, versichert, er habe auch gar nicht damit gerechnet, bei dem Fotowettbewerb der Computerbild zu gewinnen.

Als er vor einem Jahr damit begonnen hatte, regelmäßig Aufnahmen zu machen, hätte er sich nicht träumen lassen, dass das Fotografieren für ihn mal mehr als ein Hobby sein könnte. »Als ich aufgrund meines binationalen Studienganges die Chance hatte, im Oktober 2010 nach Bratislava zu gehen, haben mich die dort vorherrschenden urbanen Kontraste zwischen der alten und jungen sowie der reichen und verarmten Bevölkerung sehr interessiert.« Jeden Tag, so der 25-jährige Student, sei er losgegangen und habe nach neuen Motiven gesucht.

Der Kontrast von Jugend und Vergänglichkeit lässt sich auch in seinem Preisbild »Der alte Mann und Modigliani« wiederentdecken. »Es war an einem Frühlingsabend in Bratislava. Direkt neben meinem Wohnheim befand sich eine kleine Vinothek. Dort entdeckte ich einen älteren Herrn, der in aller Ruhe seine Antipasti und sein Glas Wein genoss, und über ihm hingen die Aktbilder von Amedeo Modigliani. Neben ihm stand seine Gehhilfe«, erinnert sich Karl noch ganz genau. Er habe ihn gleich mit seinen paar Brocken Slowakisch angesprochen, denn er habe ihn einfach fotografieren müssen, so der Student. Wieder war für ihn der Kontrast entscheidend: zwischen dem alten Mann und den Gemälden. Er selbst bezeichnet sich als semiprofessionellen Fotografen und weiß aus Erfahrung, wie schwierig es ist, Aufnahmen im Vorfeld zu planen. Ein gutes Foto zu schießen, hieße eben auch spontan sein zu können. »Das Arbeiten als Fotograf, egal ob als Hobby oder im Beruf, ist mehr als ein Fulltime-Job, denn man ist ständig Beobachter und muss ein Gespür für seine Umwelt haben, um im richtigen Moment aussagekräftige Motive einzufangen.«

Bei dem Fotowettbewerb wollte er vor allem wissen, ob er sich mit erfahrenen Fotografen messen kann. Über 40 000 Bilder wurden in sechs verschiedenen Kategorien hochgeladen. »Der alte Mann und Modigliani« war sein einziges Bild, mit dem er sich in der Preiskategorie »Menschen« beworben hatte. Mit seinem Foto hatte er am Ende nicht nur in seiner Gruppe gewonnen, sondern ging auch als Gesamtsieger aus dem Wettbewerb hervor. Bei der Preisverleihung in Frankfurt wurde jedem der sechs Kategoriegewinner eine Fotoreise nach Finnland geschenkt. Karl bekam zusätzlich die Statue mit dem Titel »Deutschlands bester Fotograf« überreicht. Dennoch, so versichert er, sei es ihm nicht nur um den Preis gegangen. Für ihn stelle der Gewinn vielmehr eine Motivation dar, noch mehr Zeit in das Fotografieren zu investieren. Bescheiden fügt er hinzu: »Ich weiß, dass es sich bei der Siegerauswahl immer um eine subjektive Entscheidung handelt, und würde mir nie anmaßen, mich als besten Fotografen Deutschlands zu betiteln. Schließlich sehe ich jeden Tag Fotos, die ich besser finde als meine.« Trotzdem werde er sich bemühen, diesem Titel so gut wie möglich gerecht zu werden. Immer auf der Jagd nach neuen Motiven will er nächstes Jahr für sechs Monate nach Südkorea fahren, in der Hoffnung, ähnlich wie in Bratislava, auch dort seine Inspiration zu finden.

Über Anastasia Pyschny

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Erstellt: 26.12. 2011 | Bearbeitet: 17.04. 2012 21:13