Nov 2011 hastuUNI Nr. 38 0

Es war einmal … Teil II

Halle birgt eine der ältesten Hochschulen Deutschlands. hastuzeit unternimmt einen kleinen Ausflug in die Geschichte der Universität und schaut, wie alles begann. Teil 2

Die Universität und die Stadt Halle sind eng miteinander verbunden. Erkennbar ist das an den grünen Universitätsschildern, die viele Gebäude weit über den Campus hinaus als Einrichtung der Hochschule kennzeichnen. Und spätestens, wenn man zwischen zwei Seminaren von einem Institut zum anderen durch die halbe Stadt eilen muss, merkt man, wie weit sich die MLU über Halle erstreckt.

Schreibt man den Namen, also »Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg« aus, fällt auf, dass die MLU nicht auf Halle beschränkt ist. Zum Seminar nach Wittenberg musste bisher wohl kaum ein Student radeln.

Erfolgsjahre für die Hochschule

Als einer der Ausgangspunkte der deutschen Aufklärung unter den Rechtsgelehrten Christian Thomasius und dem Philosophen Christian Wolff gehörte die damalige Friedrichs-Universität im 17. Jahrhundert zu den bedeutendsten Hochschulen im deutschen Sprachraum.

Die Universitäts- und Landesbibliothek wurde 1696 gegründet. Heute ist sie mit über fünfeinhalb Millionen Bestandseinheiten die größte wissenschaftliche Allgemeinbibliothek Sachsen-Anhalts. Halles medizinische Fakultät gewann 1717 mit der Eröffnung des ersten deutschen Universitätsklinikums an Bedeutung. Der klinische Unterricht fand zunächst in den Franckeschen Stiftungen statt. Die Gebäude in der heutigen Magdeburger Straße und das Klinikum in Kröllwitz entstanden erst 1876 und 1971. Vor bedeutenden Medizinern wie Johann Christian Reil, Vater der deutschen Psychiatrie, promovierte 1754 die erste Frau Deutschlands. Dorothea Erxleben musste um ihre Zulassung an der medizinischen Fakultät kämpfen, doch sie konnte ihren Beruf als Ärztin dann offiziell ausüben.

Die Universität war zum Ende des 18. Jahrhunderts eine der erfolgreichsten und wichtigsten Hochschulen des Landes. Im Jahr 1806 allerdings eroberte das napoleonische Heer die Stadt und nahm sie ein.

Das Doppelsiegel der Universität

© MLU Halle-Wittenberg

Das Hauptgebäude der Universität wurde von der Besatzungsmacht zum Lazarett umfunktioniert. Die Universität in Halle wurde 1807 geschlossen und die Stadt Teil des neu gebildeten Königreichs Westphalen. 1815 wird sie wieder dem Königreich Preußen zugesprochen. Wittenbergs Hochschule wird durch Napoleon 1814 geschlossen, die Stadt fiel 1815 nach dem Wiener Kongress an das Königreich Preußen. Zwei Jahre später entstand nach der territorialen Neuordnung aus den geschlossenen Hochschulen die Vereinigte Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg in Halle wieder. In Wittenberg wurde dafür das Evangelische Predigerseminar gegründet.

Die Besonderheit der Vereinigung der Universitäten findet sich auch im Doppelsiegel wieder, das die MLU bis heute verwendet: Die linke Hälfte des Siegels entspricht dem Abbild des Rektors der Universität Halle aus dem Gründungsjahr 1694. Es zeigt den damaligen Stifter, Kurfürst Friedrich III unter einem prunkvoll geschmückten Thronbaldachin. Das kurfürstlich-brandenburgische Majestätssiegel diente diesem als Muster. Auf den Schmuckbändern findet man die lateinische Inschrift: SIG: ACADEMIAE FRIDERICIANAE HALLENS: (Siegel der Friedrichsuniversität Halle). Die rechte Hälfte zeigt den Rektor und Stifter der Wittenberger Universität aus dem Gründungsjahr 1502, Friedrich den Weisen. Um die Wappenschilde herum findet man die Innschrift: ME AVSPICE. CEPIT. WITTENBERG. DOCERE. (Wittenberg hat unter meiner Herrschaft begonnen zu lehren).

Die vereinigte Universität zog 1834 auf den Campus und in das Hauptgebäude auf dem Uniplatz. Das heutige Löwengebäude wurde nach den Plänen der Architekten Ernst Friedrich Zwirner und Wilhelm Heinrich Matthias errichtet. 1868 erhielt es links und rechts neben der Freitreppe die namensgebenden Löwen.

Über Julia Kloschkewitz

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Erstellt: 17.11. 2011 | Bearbeitet: 24.11. 2011 13:32