Jul 2011 hastuUNI Nr. 37 0

Es war einmal…

Halle birgt eine der ältesten Hochschulen Deutschlands. hastuzeit unternimmt einen kleinen Ausflug in die Geschichte der Universität und schaut, wie alles begann. Teil 1

Fährt man mit dem Fahrrad durch Halle, kann man sie rund um die Innenstadt sehen, bis in weit entfernte Stadtgebiete hinaus: die kleinen, dunkelgrünen Schilder mit der gelben Schrift. Sie weisen daraufhin, dass das Gebäude, vor dem man steht, von der Universität genutzt wird.

An der Häufigkeit, mit der man auf diese Schilder trifft, merkt man, wie sehr die Hochschule und die Stadt räumlich eng verwoben sind. Und nicht nur das. Auch geschichtlich ist die MLU ein wichtiger Bestandteil der Stadt. 1994 feierte man das 300jährige Gründungsjubiläum des hallischen Zweiges. Doch schaut man auf die eigentliche Universitätsgründung, muss man über 500 Jahre zurück und über die Stadtgrenzen hinaus reisen: nach Wittenberg.

Grundsteinlegung im Kurfürstentum Sachsen

Zu Zeiten der Universitätsgründung gehörte Wittenberg im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zu den wettinischen Gebieten. Diese waren ökonomisch und politisch sehr bedeutende Gebiete des Reiches. Nach der Besitzteilung 1485 wurde Wittenberg den Ernestinern zugesprochen. Damit erwarben sie die Kurwürde, die 1486 auf Friedrich III. fiel. Der Kurfürst erstrebte die Gründung einer Universität, die von ihren Bewunderern Leucorea genannt wurde. Auf Bitten Friedrichs stellte Kaiser Maximilian am 6. Juli 1502 in Ulm die Gründungsurkunde aus. Die feierliche Eröffnung erfolgte dann am 18. Oktober des Jahres. Der erste Rektor war Martin Polich, der von der Regierung für dieses Amt designiert wurde.

Zu Beginn gliederte sich die Wittenberger Universität in die vier traditionellen Fakultäten Rechtswissenschaft, Theologie, Medizin und die freien Künste (Artes); als Unterrichtssprache diente Latein. In den verschiedenen Fächern sollten Bedienstete für die Sächsisch-Ernestinische Landesverwaltung ausgebildet werden.

Im Laufe des 16. Jahrhunderts erhielt die Universität dann vier große Kollegien. Das Juristenkolleg, das Augusteum sowie das alte und das neue (Fridericianum) Kollegium konnten allerdings der Vielzahl an Studenten kaum Raum bieten. Daher wurde auch die kurfürstliche Schlossbibliothek als Räumlichkeit genutzt.

Der spätere Namensgeber der MLU, Martin Luther, kam 1511 an die Leucorea, um zum Doktor der Theologie zu promovierenund eine theologische Professur zu übernehmen.
Durch ihn wurde die Universität in Wittenberg zu einem Zentrum der frühbürgerlichen Revolution und zum geistigen Mittelpunkt des gemäßigten Protestantismus.

Illustration: Susanne Wohlfahrt

Sie war eines der wichtigsten theologischen Zentren Europas.

Im Laufe der Zeit wurde Wittenberg zum Prototyp der neuen Universität. Nirgendwo verwirklichte sich so früh und effektiv wie hier das Bündnis zwischen gemäßigter Reformation und Humanismus. Ein weiterer wichtiger Vertreter in diesem Zuge war Philipp Melanchthon. Er war der Organisator der humanistisch-protestantischen Bewegung und brachte als Hochschullehrer humanistische Umgestaltung der Gesamtuniversität zum Abschluss. In seinem Konzept der Hochschulreform distanzierte er sich radikal von den Lehren der Scholastik, die für ihn die ursprüngliche christliche Lehre verdunkelt haben. Wissenschaftlichkeit war ihm sehr wichtig, und so forderte er die Notwendigkeit, die Sprachen zu studieren, um zu den Erkenntnisquellen vorzudringen.

Die nach diesen Grundsätzen erfolgte Umgestaltung der Universität war 1521 abgeschlossen.

 

Aufrüstung im preußischen Gebiet

Als ein Instrument, um den preußischen Gesamtstaat politisch und wirtschaftlich zu festigen und in seiner geistigen und konfessionellen Ausprägung zu stärken, wurde die zu gründende Universität in Halle verstanden. Die wesentliche historische Bedingung dafür war die Herausbildung Brandenburg-Preußens zu einer absolutistisch regierten Monarchie.

Das Gebiet stand in Rivalität zu den Kursachsen und somit auch zu den dort ansässigen Universitäten in Wittenberg und Leipzig.

Die neue Academia Fridericiana in Halle sollte in dieser Konkurrenz brauchbare Juristen, Kameralisten, Mediziner, Prediger und Schulbediente ausbilden, die dem Staat noch von Nutzen sein sollten.

Die Akademie wurde am 19. Oktober 1693 in der »Stadt Halle zu Sachsen auf dem Gebiet des Herzogtums Magdeburg« errichtet und wurden mit den gleichen Rechten wie alle anderen Universitäten in Deutschland, Frankreich und Italien ausgestattet. Die Statuten der Friedrichs-Universität zu Halle besagten, dass sie die Monarchie stärken müsse. Der Hochschulalltag war daher stark an die kurfürstliche beziehungsweise königliche Gewalt gebunden. War die Bindung an den Staatsapparat perfekt, so besaß die Universität weitestgehend die Möglichkeit zur Selbstverwaltung.

Die Gründung der Universität Halle fiel in die Blütezeit der Frühaufklärung. Sie wurde geradezu zu einem Vorort dieser Zeit und entwickelte sich bereits in den ersten vier Jahrzehnten ihres Bestehens zur führenden deutschen Universität. Thomasius, der 1690 nach Halle berufen wurde, galt dabei in seiner Rolle als Senior der Akademie und ersternannter Professor als geistiger Begründer der Universität. Ihm kam es darauf an, die Rechtswissenschaften von der theologischen Bevormundung zu befreien und das Naturrecht zu säkularisieren. Dabei entfaltete er sich zugleich in juristischen als auch philosophischen Aktivitäten. Viele Studenten folgten ihm in seinen Vorlesungen, die er deutsch las und in denen er das Interesse für seine fortschrittlichen Ideen weckte. Der Geist der frühen Aufklärung und ein wissenschaftlich geprägtes Leben hielten Einzug in die Universität.

Eine weitere prägende Persönlichkeit in der Geschichte der hallischen Universität ist August Hermann Francke.

Er prägte den deutschen Pietismus, und die von ihm 1698 gegründeten Franckeschen Stiftungen wurden zum Zentrum dafür. Seit demselben Jahr gehörte er auch der Universität als Professor der Theologie an.

Zwischen den beiden in Halle vorherrschenden Bewegungen der Frühaufklärung und des Pietismus kam es bald zu Spannungen. Diese Spannungen wirkten sich stark auf die Entwicklung der Universität und ihrer einzelnen Fakultäten aus. Dabei gewannen vor allem die juristische und theologische Fakultät an Bedeutung und Geltung.

Über Julia Kloschkewitz

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Erstellt: 25.07. 2011 | Bearbeitet: 26.12. 2013 17:59