Jul 2011 hastuUNI 0

Die ganze Wissenschaft in einer Nacht

Wir haben uns für Euch das Programm der »Langen Nacht« angeschaut.

Ein bisschen überfordert fühlt sich der Besucher der Langen Nacht der Wissenschaften im Hinblick auf das Angebot. Bei der Menge an Vorträgen, Präsentationen, Führungen und Konzerten weiß man gar nicht, was man sich zuerst anschauen soll. Der Versuch, sich einen richtigen Plan zusammenzustellen, ist spätestens verworfen, wenn man, statt zu den geplanten Vorträgen zu gehen, bei den vielen kleinen Experimenten auf dem Campus Heide-Süd verweilt. Am Institut für Geowissenschaften konnte man etwa die Stadt Halle in ihre einzelnen Bodenschichten zerteilt betrachten und erkennen, wie der Untergrund der Stadt entstanden ist. Zur zusätzlichen Visualisierung wurden die Schichten in Glas gefräst. Der aufmerksame Zuschauer kann so genau die Marktplatzverwerfung erkennen, eine Teilung der Erdschollen, die genau durch den Hallischen Markt verläuft. Sie ist auch der Grund, weshalb es im Südteil der Stadt kaum Hügel gibt und das Fahrradfahren im Paulusviertel so anstrengend ist.

Wie James Bond die Physik überlistet

Im Freien konnte man sich im Sprint messen, was nicht etwa eine Demonstration des Sport-, sondern des Informatikinstituts war. Die Wissenschaftler zeigten hier, wie sich die Leistung von Sportlern besser vergleichbar messen lässt. Mit dieser Erkenntnis lässt sich dann gezielt trainieren. Das hat James Bond übrigens gar nicht nötig, denn er überlistet in seinen Filmen einfach die Physik. Um im Flug von einem Motorrad in ein Flugzeug umzusteigen, müsste Bond etwa 14-mal so windschlüpfrig sein wie das Flugzeug. »Das ist so gut wie unmöglich«, erklärt Dr. Detlef Reichert in dem Vortrag „James Bond und die Physik». Die Tour geht weiter und führt in das naheliegende Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Angesichts des Besucherandrangs ist es kaum möglich, die vielen aufgebauten Experimente näher zu betrachten. Zu sehen ist etwa eine Konstruktion aus Wasserbad, Windmaschine und Lichtquelle, angeschlossen an allerlei Messgeräten. Es wird erklärt, dass Wasser aus leichten und schweren Teilchen besteht. Im Gegensatz zu Grundwasser verdunsten die leichten Teile bei diesem Miniaturnachbau eines Sees. Dies führt zu einer unterschiedlichen Zusammensetzung des Wassers, womit man zum Beispiel erkennen kann, ob das verschmutzte Seewasser auch im eigenen Grundwasserbrunnen auftaucht. Auf dem Freigelände wird eindrucksvoll an einer Bohrplattform demonstriert, wie man eine Bodenprobe aus einem See gewinnt. Eine ziemlich schlammige Angelegenheit.

Eine interkulturelle Reise auf dem Klavier

Nun aber genug von den Naturwissenschaften, der Abend ist zu kurz. Die nächste Station ist das Händelhaus-Karree, in dem ein interkultureller Klavierabend stattfindet. Der kleine Raum ist gut gefüllt, die zuletzt eingetretenen Besucher müssen sich mit dem Fußboden begnügen. Unter der Leitung von Pooyan Azadeh wird traditionelle Klaviermusik aus Brasilien, Azerbaidjan und dem Iran vorgestellt. Mit beeindruckenden Klängen begeistern die Pianisten das Publikum. Er sei »sehr zufrieden mit der Aufführung, obwohl die Technik ein bisschen gestreikt hat«, meint Leiter Azadeh. Der Doktorand ist sichtlich erleichtert über die gelungene Aufführung. Leider hat die »Vorbereitung des Konzerts so viel Zeit in Anspruch genommen«, dass er sich keine andere Veranstaltung anschauen konnte.

Mit persischen Klängen im Ohr mündet der Abend schließlich auf den Universitätsplatz. Dort veranstalten Luftartisten gerade spektakuläre Stunts an vom Audimax herunterhängenden Seilen. Begleitet von Licht- und Musikinszenierungen zeigt sich dem Zuschauer ein atemberaubendes Bild des gläsernen Gebäudes. Der Abend schließt mit der Liveband Joe Eimer, die Schlagerfan-Herzen höher schlagen lässt. Doch nach einem Bier und den ersten Klängen von Dschinghis Khans „Moskau» weiß eigentlich jeder: es ist Zeit zu gehen. In Erinnerung bleiben beeindruckende Experimente, Vorträge, Konzerte und der Wunsch, sich nächstes Jahr wieder nicht an den ausgearbeiteten Plan zu halten.

Über Yvette Hennig

Ehemaliger Mitarbeiter

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Erstellt: 02.07. 2011 | Bearbeitet: 22.07. 2011 18:43