Jul 2011 hastuINTERESSE Nr. 37 0

Die erfolglose Suche nach der Kreativität

Kreativ gesetzte Worte fallen niemandem einfach so zu. Wir baten Katja Hofmann, eine Poetry-Slammerin aus Halle, ihre Gedanken dazu zu äußern.

Foto: sparetomato (Creative Commons, BY)

Ich sitze vor meiner Hausarbeit und übe mich an kreativen Schreibkünsten. Doch wie bitteschön soll ich denn auf Druck kreativ sein? Kommt Kreativität nicht einfach schlagartig und punktuell? Ist Kreativität nicht ein Prozess, der auf der Neukombination von Informationen basiert und einen gewissen »Aha-Effekt« erzielt?

Mir ergibt sich gerade gar nichts.

Kreativ bin ich leider nur in den ungünstigsten Momenten. In der Nacht zum Beispiel, wenn ich träume. Dann sind meine Träume oftmals so unglaublich absurd. Letztens träumte ich zum Beispiel davon, zwei Möhren zu gebären. Es waren Zwillinge. Wunderbar bizarr.

Träume sind der Schlüssel zur Kreativität, und selbst Paul McCartney soll die Melodie zu »Yesterday« im Traum gekommen sein.

Mittlerweile glaube ich, ich hätte lieber »Kreatives Schreiben« studieren sollen, denn um einen kreativen Einstieg in meine Hausarbeit zu finden, fehlt es mir gerade an jeglicher Geduld. Mein leeres Blatt will sich einfach nicht füllen. Schreibblockade nennt man so was wohl. Doch selbst in den besten Schriftstellerfamilien kommt das vor. Auch Proust, Rimbaud und J.R.R. Tolkien litten unter »writer«s block«.

Ich schlage im Google-Lexikon nach, wie ich meine Kreativität fördern kann.

An erster Stelle steht, ich solle alle äußeren Ablenkungen ausschalten. Ich schalte also meinen Fernseher aus, stoppe meine iTunes- Playlist und schließe die Facebook, Myslam, Studivz, Studip, Google+, Twitter, Last.fm und Googlemail-Fenster meines Browsers. Mein Handy kann ich nicht abschalten. Da fühle ich mich zu unerreichbar.

Der zweite Tipp, den mir Google ausspuckt, ist es, einfach draufloszuschreiben. Eine Art Brainstorming. Heraus kommt nur eine To-Do- und Pack- Liste für die Festivalsaison und ein japanische Gedicht namens Haiku:

Kreativität –

ist schwer für mich zu kriegen

ich werds wohl nie lern«.

Der Druck steigt. Meine Hausarbeit muss nächste Woche auf dem Tisch meiner Dozentin liegen. Was tut man also in einer solchen Situation: ich putze mein Zimmer. Wische seit Wochen mal wieder Staub und reinige meine Fenster, freue mich danach mindestens zehn Minuten auf den Zuwachs an Licht in meinem Zimmer und sortiere meinen Kleiderschrankinhalt nach Farben und Mustern. Zwei Tage später bin ich mit allem fertig. Nur die Hausarbeit hat sich kein Stück weiterentwickelt. Ich beschließe mit Freunden wegzugehen. Leicht angetrunken komme ich um 4 Uhr nachts nach Hause und schlafe vor meinem aufgeklappten Word-Dokument namens »Hausarbeit- Entwurf« ein.

Als ich aufwache, sitze ich vor einer fast fertig geschriebenen Hausarbeit. Ich muss wohl unter dem Einfluss von Alkohol ziemlich kreativ gewesen sein. Ich lese mir die ersten drei Sätze durch. Sie sind kompletter Müll. Ich lese weiter und muss den gesamten Text löschen. Brachte doch nicht so viel.

Ich beschließe die Hausarbeit doch noch ein Semester aufzuschieben. Bis mir vielleicht mehr zum Thema einfällt.

Kreativität entfaltet sich wohl im zwanglosen Zustand leichter.

Kommt Zeit, kommt Kreativität, und bis dahin sitze ich hier und warte.

Über Gastbeitrag

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Erstellt: 26.07. 2011 | Bearbeitet: 12.10. 2011 11:11