Jul 2011 hastuPAUSE Nr. 37 0

An die Hand genommen

Die Bürgerstiftung Halle zeigt Kindern die bunte kulturelle Welt in Halle.

Spannende Theaterstücke, klangvolle Musik, interessante Ausstellungen in Museen – diese kulturellen Güter bereichern einen Menschen schon von klein auf. Sie wecken Neugier, vermitteln Wissen, prägen die Persönlichkeit. Leider ist kulturelle Bildung zum Luxus geworden, und steht auch nicht mehr jedem Kind offen. Die Eltern haben keine Zeit, nicht die finanziellen Mittel oder kommen selbst aus bildungsfernen Zusammenhängen. Damit das nicht so bleiben muss, hat die Bürgerstiftung Halle ein Kulturpatenprojekt ins Leben gerufen. Max geht in die Oper vermittelt seit August 2010 Kinder an freiwillige Paten und organisiert gemeinsame kulturelle Erlebnisse.

Wer ist Max?

Positive Erfahrungen in der Kindheit prägen die Kulturrezeption im späteren Leben. »Wer Kulturbesuche mit positiven Erinnerungen verbindet, wird es später leichter haben, selbst den Weg in ein Museum oder ein Konzert zu finden«, weiß auch Juliane Graichen, Mitarbeiterin in der Bürgerstiftung und Mitorganisatorin des Projektes. »Wer umgekehrt in seiner Kindheit keine oder wenig Chancen hat, am kulturellen Leben teilzunehmen, wird selber den Weg nicht dorthin finden und auch seinen Kindern diese Türen eher nicht öffnen – ein Kreislauf von Kulturabstinenz.«

Andererseits kann ein reichhaltiges Kulturangebot, wie es in Halle existiert, nur weiterhin bestehen, wenn genug junges Publikum gewonnen wird und das geweckte Interesse immer weitergeben wird. Doch gerade in Stadtgebieten wie Halle-Neustadt, Silberhöhe und Südstadt mangelt es bereits an dieser Weitergabe. Max steht für genau diese Kinder, denen der Zugang zu kultureller Bildung erschwert wird. Die Bürgerstiftung nimmt in den genannten Stadtgebieten Kontakt zu den einzelnen Einrichtungen auf, die eben solche Kinder betreuen, und zusätzlich zu Schulen und Horten. »Mit dem Thema und dem Ansatz der Kulturpatenschaften sind wir bislang überall auf offene Ohren und Türen gestoßen«, freuen sich die Organisatoren.

Max bleibt nicht allein

Kulturelle Erlebnisse sind für Kinder schöner, wenn sie sie nicht alleine erfahren müssen, sondern an die Hand genommen werden, das Erlebte teilen können, Fragen stellen können und einfach jemanden haben, der sich individuell für sie Zeit nimmt. Deshalb werden interessierten Kindern eigene Paten an die Seite gestellt. »Ich betreue mein Patenkind während den Kulturveranstaltungen und unterstütze es im Anschluss an diese bei der Gestaltung des Kulturtagebuchs«, erzählt Julia Steglich, die Grundschullehramt für die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch und Sachunterricht studiert hat. Sie und ihr Mann sind seit einem halben Jahr als Kulturpaten tätig. »Im Voraus beschäftige ich mich meist ein wenig mit Hintergrundinformationen und Inhalten der Veranstaltung, um entsprechende Fragen des Patenkindes beantworten zu können.«

Auch Florian Ringel, der sein Diplom in Geographie gemacht hat, engagiert sich seit Anfang des Jahres als Pate. Er besucht mit seinem Kind nicht nur die Veranstaltungen, sondern verbringt auch davor und danach Zeit mit ihm, hilft bei der Erstellung eines Kulturtagebuchs oder bastelt, spielt und redet einfach mit ihm. »Bisher war ich mit meinem Patenkind in einer Aufführung eines Kinderballetts und in einem Kinofilm. An beiden Tagen durfte ich viele Papierflugzeuge bauen und Dinosaurier zeichnen. Es ist schön zu sehen, dass man die Patenkinder schon mit Kleinigkeiten glücklich machen kann, wenn man ihnen Zeit und Aufmerksamkeit widmet.«

Um die Kulturpaten auf ihre ehrenamtliche Arbeit vorzubereiten, werden sie in persönlichen Gesprächen ausgewählt und in einer Einführungsveranstaltung eingeführt. »Zum gegenseitigen Austausch und zur Weiterentwicklung finden außerdem regelmäßig Stammtische und Weiterbildungen statt«, erklärt Juliane Graichen. »Auch die Zusammenarbeit mit den Veranstaltern verläuft positiv. Sie unterstützen uns praktisch, beispielsweise mit kostenlosen Führungen in der Moritzburg oder ermäßigten Eintritten bei den Bühnen Halle.« Eine Patenschaft geht jeweils über ein halbes Jahr und umfasst in der Regel vier Veranstaltungen. In der Zeit ist es möglich, die unterschiedlichsten Angebote wahrzunehmen, wie Theaterbesuche, Kinovorführungen oder Besuche im Planetarium oder in Museen.

Ein Beitrag zur Chancengleichheit

Die Veranstaltungen begeistern nicht nur die kleinen, sondern auch die großen Paten. »Ich habe selbst einige Orte wie zum Beispiel die Wunderkammer in den Franckeschen Stiftungen kennen gelernt und hatte viel Spaß bei den gemeinsamen Theaterbesuchen«, berichtet Julia. Auch Florian schöpft aus der Patenschaft etwas für sich selbst: »Es ist wunderbar, andere engagierte Menschen in Halle kennenzulernen und zu sehen, wie viel Spaß die Kinder zusammen und mit uns haben. Sie sehen die Welt mit anderen Augen, es tut gut, sich diese Perspektive immer wieder in Erinnerung zu rufen.«

Foto: Dirk Höke

Doch das wichtigste ist natürlich, den Kindern Begeisterung an der Kultur zu vermitteln und die Bedeutung kultureller Bildung ins Bewusstsein zu rufen. »Wir wollen Kindern positiv besetzte kulturelle Impulse ermöglichen, einen Beitrag zu Chancengerechtigkeit leisten und Bürgern die Möglichkeit geben, mit ihrem Engagement selbst einen Beitrag dazu leisten zu können«, erklärt Graichen die erzielte Wirkung der Kulturpatenschaft.

Das Projekt erfüllt diese Ziele bereits mit großem Erfolg, sowohl auf Seiten der Paten, als auch auf Seiten der Kinder. »Die schönen Erlebnisse mit dem Patenkind haben mir gezeigt, wie wichtig vielfältige kulturelle Angebote für Kinder sind. Umso bedauerlicher ist es, dass es viele Kinder in Halle gibt, denen es aus unterschiedlichen Gründen nicht oder nur sehr selten möglich ist, diese Angebote zu nutzen. Mir ist im Rahmen des Projektes bewusst geworden, dass ein geringer finanzieller Aufwand und die Investition von ein wenig Zeit helfen, einem Kind diese kulturellen Erfahrungen zu ermöglichen«, erzählt Julia. »Vor allem aber die Begeisterung und Freude, die bei allen Patenkindern zu beobachten waren, haben dazu geführt, dass ich solch eine Patenschaft immer wieder gern übernehmen würde und dies auch jedem empfehlen kann.«

Die Wichtigkeit eines solchen Projekts ist auch Florian bewusst. »Ich sehe seit Jahren, wie der Mangel an sozialer Teilhabe Armut in Deutschland verfestigt, ich versuche meinen Teil gegen diese Entwicklung beizutragen«, berichtet er. »Ich möchte meinem Paten daher die Möglichkeit geben, Dinge zu erleben, die selbstverständlich für ein Kind sein sollten – die sich aber nicht jede Familie ohne weiteres leisten kann. Jedes Kind hat Potenzial, Großartiges zu vollbringen, wenn man es fördert und ihm Freiheit zum Entfalten bietet.«

Wer das Projekt Max geht in die Oper ehrenamtlich als Kulturpate oder mit Spenden unterstützen möchte, findet mehr Informationen auf http://www.buergerstiftung-halle.de/max-geht-in-die-oper/

Über Tom Leonhardt

Tom Leonhardt
Ehemaliger Mitarbeiter
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Erstellt: 22.07. 2011 | Bearbeitet: 14.11. 2011 16:33