Nov 2010 Termine 0

Vortrag: Speziation von Protisten

Dienstag, 7. Dezember 2010, 19.00 Uhr, Hörsaal XXIII, Audimax, Universitätsplatz
Haltestellen: Neues Theater, Joliot-Curie-Platz

Speziation, genetische Differenzierung und geografische Verbreitung von Protisten

Prof. Dr. Martin Schlegel, Universität Leipzig, Institut für Biologie

Aus dem Veranstaltertext:

Das biologische Artkonzept wurde und wird immer noch als wichtigstes Bezugs­system in der Biologie akzeptiert, da es anhand objektiver Kriterien überprüft werden kann. In der Praxis stößt seine Umsetzung jedoch häufig auf Grenzen in der Anwendbarkeit, und in der Folge wurden zahlreiche ergänzende und alter­native Artkonzepte entwickelt. Für eine Vielzahl asexuell und unisexuell fort­pflanzender Organismen sowie obligate Selbstbefruchter (»inbreeder«) ist es jedoch schon rein theoretisch nicht anwendbar.
Der Protozoen-Genetiker Tracy M. Sonneborn äußerte als erster Kritik an diesem Konzept und forderte eine Modifizierung, um diese Organismen in ein erweitertes Artkonzept mit einzuschließen. Ausgehend von seinem langjährigen Studien­objekt Paramecium aurelia betrachtete er Arten als evolutionäre Einheiten (»evolutionary entities«), die eine Schwelle minimaler, jedoch unumkehrbarer evolutionärer Divergenz überschritten hatten, unabhängig vom Fort­pflan­zungs­modus. Bei sexuell fortpflanzenden Arten kann diese Divergenz grundsätzlich durch Kreuzungsexperimente überprüft werden. Bei allen anderen „Agamo­spezies» sensu Sudhaus können morphologische, physiologische, ökologische sowie molekulare Merkmale herangezogen werden, um Arten zu erkennen und zu unterscheiden (was in der Regel auch für sexuell auskreuzende Arten getan wird).
Untersuchungen molekularer Marker führten zudem zu neuen Erkennt­nissen über die Evolution, genetische Differenzierung und Radiation von Protisten. Besiedlungsdynamik und genetische Differenzierung werden am Beispiel von Arten der Gattung Coleps erläutert. Schließlich wird die Frage aufgegriffen, ob geographische Verbreitungsmuster bei Mikroorganismen vorhanden sind oder nicht. Obwohl viele Protisten eher eine globale Verteilung aufweisen, wie z.B. Paramecium caudatum, gibt es zahlreiche Beispiele geo­graphischer Ver­brei­tungs­muster, wie bei dem Ciliaten Stylonychia lemnae und Schalenamöben der Gattung Euglypha und Nebela.

Dieser Vortrag ist Teil der Vorlesungsreihe „Die Vielfalt der Arten», veranstaltet vom Fachschaftsrat Biologie.

Erstellt: 14.11. 2010 | Bearbeitet: 14.11. 2010 20:16