Jan 2010 hastuUNI 0

Vollversammlungen an der Phil. Fak II (Round-Up)

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Vollversammlung Germanistik: Über wichtige Nebensächlichkeiten und nebensächliche Wichtigkeiten

Am Dienstagabend (02. Februar) lud Prof. Dr. Werner Nell, geschäftsführender Direktor des Germanistischen Instituts, zur Vollversammlung ein. Gerade eine Handvoll Studenten folgten diesem Ruf. Das erste Fazit wurde bereits zu Beginn gezogen. Nämlich, dass der Bolognaprozess vorgegebene Ziele und Erwartungen nicht erreicht hätte, er aber nicht allein an der Misere der deutschen Hochschulen schuld sei. Nicht nur, dass den Studenten aufgrund fehlender Finanzierung ein ordentliches Studium kaum geboten werden könne, auch die unterschiedlichen Modelle der einzelnen Bundesländer sowie Bürokratieprobleme beim Akkreditierungsprozess machten den Hochschulen und so auch dem Germanistikinstitut zu schaffen.

Nach diesen einleitenden Worten, begann sogleich die Diskussion. Wobei die Bürde der Anwesenheitspflicht den Studenten besonders auf den Nägeln brannte und von vielen bildlichen Beispielen begleitet wurde. Gerade da Germanistik ein 2-Fach-Bachelor ist, fällt es oft schwer, alle Veranstaltungen zu absolvieren. Ebenso wurde beklagt, dass einige Veranstaltungen doppelt besucht werden müssen, weil zum Beispiel „wissenschftliches Schreiben» in Slavistik und Germanistik Pflicht ist. Auch sei es einfach störend, wenn Kommilitonen nur zur Unterschriftabgabe kommen und während der Veranstaltung unentwegt reden. Es wurde ausführlich erklärt, dass es keine gesetzliche Grundlage für eine Anwesenheitspflicht gibt. Die Module werden belegt und abgeprüft und nicht die einzelnen Veranstaltungen. Die Anwesenheitslisten seien für Bachelorstudenten also irrelevant und haben keinen Einfluss auf die Modulleistung. Ferner wird bei der Semesterplanung darauf geachtet, dass bei oft kombinierten Fächern keine Überschneidungen auftreten. Dies bestätigte auch Prof. Dr. Nell.

Ein enormer Kritikpunkt liegt in dem verschulten System, dem sich viele unterworfen sehen. Anstatt Interessen zu vertiefen, kann man sich höchstens eine Bandbreite von Wissen aneignen. Durch die vorgegebenen Pflichtfächer hat man kaum die Wahl, was man lernen möchte. Die Institutsleitung entgegnete daraufhin, dass eine gewisse Freiheit und Schwerpunktbildung möglich sei. Einigkeit herrschte aber dennoch darüber, dass aufgrund der unzähligen Reglementierungen Vielfältigkeit verloren geht und die kleinen Fächer unterzugehen drohen. Ebenso der erhebliche Zeitaufwand, mit dem die Studenten zu kämpfen haben, wurde von beiden Seiten übereinstimmend bemängelt. Ein Änderungsantrag zur Reduzierung der Stundenzahl wurde bereits von der Institutsleitung eingereicht.

Der Großteil der Verbesserungsvorschläge zielte darauf, den Studierenden mehr Freiheiten einzuräumen. Zum Beispiel existiert in einigen Bundesländern die Möglichkeit, sich die Fächer auszusuchen, die in die Abiturendnote eingehen. Doch die Umsetzung auf Hochschulebene schloss die Institutsleitung aus, da der Germanistikbachelor nach den Vorgaben des Lehramtsstudiums gestrickt und dieser streng reglementiert sei. Somit wurden auch gleich die unzähligen Prüfungsleistungen bemängelt, von denen sich die Studierenden zunehmend überfordert fühlen. Rechtlich besteht die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Prüfungsmöglichkeiten zu wählen. Allerdings ist der Weg, auf dem sich jeder Student zwischen Klausur, mündlicher Prüfung oder Hausarbeit entscheiden kann, mit Personal- und Bürokratieaufwand verbunden und somit kaum zu gehen.

Alle Vorschläge und Kritikpunkte wurden von Seiten der Institutsleitung verständnisvoll entgegengenommen und galten zugleich als Anstoß für ein zukünftiges Treffen, zu dem Prof. Dr. Nell zu Beginn des Sommersemesters einlädt. Denn sicherlich wird eine Diskussionsrunde nicht reichen, um diesen »undurchschaubaren, schwierigen Prozess« zu begreifen, so der Direktor.

Über Tom Leonhardt

Tom Leonhardt
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Erstellt: 26.01. 2010 | Bearbeitet: 04.11. 2010 18:43