Apr 2010 hastuPAUSE 0

„Vielen fehlt schlicht die Zeit»

Zum Ende des Triftpunkt: Ein Gespräch über die Beobachtung von Ethnologen, Belohnung für viel Arbeit und fehlende Zeit.

Wächterhaus in der Triftstraße 19 ADass die Studentenwerkstatt Triftpunkt e.V. Anfang April das Ende ihrer Vereinstätigkeit bekannt gab, darüber haben wir bereits berichtet. hastuzeit hat aber noch einmal genauer nachgefragt und mit Magdalena Wolf gesprochen, die für die Öffentlichkeitsarbeit beim Triftpunkt zuständig ist.

Liebe Magdalena, Ende Mai ist es soweit. Die letzten Veranstaltungen finden im Triftpunkt statt. Mit welchen Gefühlen verabschieden sich die Mitglieder von ihrem Verein?

Mit ganz viel Herzschmerz und Melancholie, aber auch mit hoch erhobenem Kopf! Immerhin haben wir ein tolles Projekt auf die Beine gestellt, das sich in Halle einen Namen machen konnte – wenn das kein Grund ist, stolz zu sein!

Ihr habt euch 2007 gegründet. Wie kam es damals zur Idee?

Die Idee für den Triftpunkt entstammt einer Beobachtung, die einige Ethnologiestudenten – die dann auch Mitglieder im Triftpunkt wurden – bei einer Forschung gemacht haben: Sie stellten fest, dass Studenten, die verschiedenen Disziplinen entstammen, sich in neuen Konstellationen und Projekten zusammenfinden, wenn sie einen gemeinsamen Arbeitsraum nutzen. Diese Beobachtung fanden die Ethnologen spannend und wollten sie weiterentwickeln, sie also von der Burg Giebichenstein, an der man die Beobachtung machte, auch auf die MLU übertragen. Das bot sich allein schon aufgrund der Zerstreuung der Uni-Institute über die ganze Stadt an. Die Ethno-Studenten luden also zu einer ersten Info-Veranstaltung ein und erzählten von ihrer Idee, Räume für Studenten der Geisteswissenschaften zu schaffen, in denen diese fächerübergreifend arbeiten und wirken könnten. Aus dieser Idee folgte dann schnell als Konsequenz die Vereinsgründung des Triftpunkt e.V.

Wie seid ihr auf die Räume im Lutherlindenhaus in der Triftstraße 19a gekommen, das vom HausHalten Halle e.V. als Wächterhaus gegründet werden sollte?

Die Idee kam quasi zeitgleich mit der Vereinsgründung. Durch einen Zufall erfuhren wir von der Wächterhausidee und von HausHalten Halle, die sich in Halle der Gründung des Hauses verschrieben hatten. Wir hatten Glück und konnten uns die komplette zweite Etage für die Umsetzung unserer Idee sichern. Die anderen Etagen gingen an andere Hauswächter. Hätte das nicht geklappt, hätten wir sicherlich auch woanders Räume gefunden. Allerdings waren die im Lutherlindenhaus die besten, die wir uns vorstellen konnten.

110 Quadratmeter musstet ihr wieder auf Vordermann bringen. Wie viel Zeit hat das gekostet?

Wir haben zu Beginn, also im Sommer 2007, mehrere Wochen damit verbracht, unsere Räume so herzurichten, dass sie benutzbar waren – da galt es erstmal, den ganzen Mief der letzten zwanzig Jahre rauszukriegen.

Ihr habt über die Jahre eures Bestehens ein sehr abwechslungsreiches Programm geboten. Woher kam euer Input?

Hier muss man zwischen externen und internen Veranstaltungen unterscheiden. Externe Veranstaltungen wurden meist komplett fertig geplant, über die Raumanfrage an uns herangetragen und wir entschieden dann, ob die geplante Veranstaltung zu uns und in unseren Vereinsrahmen passte. Die Ideen zu unseren eigenen Veranstaltungen kamen natürlich von uns, mal hatte der eine, mal der andere eine gute Idee. Wenn wir das Gefühl hatten, aus den Ideen abendfüllende Veranstaltungen oder gar die eine oder andere Reihe machen zu können, ging die Planung los.

Sicher steckt viel Zeit der Mitglieder in der Studentenwerkstatt Triftpunkt Wie habt ihr euch selber für eure Arbeit belohnt?

Oh, da gab es einiges. Zum ersten ist der Lohn für alle Mühen das zufriedene Publikum, das gerade einen spannenden Film, einen tollen Vortrag oder eine gute Diskussion verfolgen konnte. Gerade wenn man feststellte, dass neben den bekannten Gesichtern auch neue und unbekannte dazukamen und auch wiederkommen wollten, war das ein gutes Gefühl. Außerdem waren die Parties, die wir im Triftpunkt feierten, natürlich auch immer ein bisschen für uns selbst, um nach einer anstrengenden Veranstaltungsreihe mal ordentlich anzustoßen. Der größte Lohn ist aber sicherlich die Erkenntnis, dass wir in der Lage waren, unser Projekt, das allen am Herzen lag und liegt, erfolgreich umzusetzen.

Nun habt ihr nichtsdestotrotz beschlossen, das Projekt zu beenden. Der Grund ist die fehlende Zeit der Mitglieder. Warum konnten keine neuen Studenten zur aktiven Mitarbeit gewonnen werden?

Es ist so, dass bei uns im Triftpunkt bei den noch aktiven Mitgliedern der Fokus auf dem jeweiligen Studium liegt. Dabei bleibt nicht genug Zeit, um einen Verein mit einem solch umfangreichen Programm aufrechtzuerhalten. Die Mitgliederwerbung war eigentlich nicht das Problem, wir durften regelmäßig neue Gesichter im Vereinskreis begrüßen. Es ist vielmehr so, dass von vorne herein nur ein Teil der Mitglieder aktiv war; die anderen beteiligten sich nicht direkt am Vereinsgeschehen, sondern erschienen dann zu den Veranstaltungen oder Parties. Zudem muss man natürlich feststellen, dass mit der flächendeckenden Bachelor-Einführung vielen schlicht die Zeit für außeruniversitäres Engagement fehlt, wir also aus dieser Ecke fast keine neuen Mitglieder gewinnen konnten.

Meint ihr, dass die neuen Studiensysteme auch bei anderen Vereinen und Institutionen Einfluss auf deren Weiterbestehen haben werden?

Wenn ein Verein hauptsächlich von studentischem Engagement lebt, steht er irgendwann generell vor dem Problem schwindender Mitgliederzahlen, da die meisten Studenten ihr Studium ja auch irgendwann abschließen. In Anbetracht der wenigen Zeit, die die Bachelor-Studenten haben, wird das Problem mit Sicherheit künftig noch größer.

Es gibt ja auch die Möglichkeit, dass Studenten für studienfachunabhängiges Engagement Punkte für ihren Abschluss bekommen. Man müsste als Verein dann ein Allgemeine-Schlüsselqualifikationen-Modul (ASQ-Modul) anbieten, wie es zum Beispiel die Freiwilligen Agentur macht. Warum wolltet Ihr diesen Weg nicht gehen?

Zwar ist die Registrierung als ASQ-Projekt für einen Verein eine Möglichkeit, sozusagen einen Fuß in die Tür zu bekommen und interessierte Studenten zu finden, die dem Verein über ihre Pflichtzeit hinaus treu bleiben. Allerdings muss dann auch erstmal eine Betreuung seitens des Vereins garantiert werden können – bei uns aufgrund der wenigen Aktiven gar nicht erst möglich.

Wie seht ihr die zukünftigen Chancen für solche Vereine wie die Studentenwerkstatt Triftpunkt e.V.?

Die Auswirkungen, die der Bachelor auf ebensolche außeruniversitären Aktivitäten haben wird, sind noch nicht absehbar. Interessant ist auch, dass dieses Problem abseits der universitären Ebene noch so gut wie gar nicht thematisiert wird. Jedoch glaube ich, dass es generell ehrenamtliche Vereine wie den Triftpunkt weiterhin geben wird, da Engagement und Vereinsarbeit ja nicht primär an den Studenten-Status gebunden sind.

Magdalena, wir danken dir für das Gespräch.

Über Julius Lukas

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Erstellt: 13.04. 2010 | Bearbeitet: 26.04. 2010 21:12