Jan 2010 hastuUNI Rubrik 0

Über die Krise abseits der Krise

Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn über die Probleme und Herausforderungen des Landes

Jens Bullerjahn

Finanzminister des Landes Jens Bullerjahn

Auf dem Uniplatz mussten die Laternen schon für Helligkeit sorgen. Im Melanchtonianum versuchte Finanzminister Bullerjahn am frühen Montagabend indes, die Situation seines Landes zu erhellen. In der Vortragsreihe von »Wissen Direkt« sprach er zu dem Thema »Mehr als Krisenbewältigung – langfristige politische Herausforderungen für Sachsen-Anhalt !«

Auf die Wirtschafts- und Finanzkrise ist der Minister nur kurz eingegangen. Er nannte die baltischen Länder und Griechenland, an deren katastrophaler Lage man sehen könne, »dass wir zum Teil auch auf hohem Niveau jammern«. Die Probleme Sachsen-Anhalts seien nur zu einem geringen Teil von der Finanzkrise hervorgerufen worden.

Auch ohne Krise habe Sachsen-Anhalt »mit den Normalisierungsprozessen der Ostdeutschen Länder zu kämpfen«. Durch den Rückgang des Solidarpakts werden in den nächsten zehn Jahren offenbar 25 Prozent weniger Einnahmen im Landeshaushalt zu verzeichnen sein. Eine weitere Herausforderung sei der Bevölkerungsrückgang, der aber auch die anderen neuen Bundesländer betreffe. Laut Bullerjahn verliere der Landeshaushalt »jedes Jahr 70 Millionen Euro allein durch den Einwohnerrückgang«.

Der Vortrag des Ministers wurde durch die erste Frage aus dem Publikum nicht nur unterbrochen, sondern gleichzeitig auch beendet. Es folgte eine lauwarme Fragerunde. Doch die Zuhörer interessierten sich in erster Linie für Fragen zum Haushalt des Landes. Die Hochschulpolitik ist lediglich ein Randthema geblieben. So äußerte sich der Minister auf die seltenen Fragen zu den Universitäten im Land auch nur sehr vage.Die Universitäten des Landes müssten »in Zukunft entscheiden, wo sie ihre Schwerpunkte setzen«. Außerdem »müssen die Hochschulen offen dafür sein, sich zu verändern«, so Bullerjahn weiter.

Aber Bullerjahn versuchte auch immer wieder, die Situation seines Landes nicht unnötig schlecht zu reden und positive Entwicklungen hervorzuheben. So zum Beispiel auch die gut ausgebaute Infrastruktur seines Landes. »Wenn über Nacht ein Krankenhaus in Halle verschwinden würde, würden Sie es gar nicht merken.« Außerdem sieht er viel Potenzial in der Region Mitteldeutschland und kann sich einen engeren Zusammenschluss Sachsen-Anhalts, Sachsens und Thüringens »gut vorstellen«.

Und so verabschiedete sich der Finanzminister mit den Worten: »Ich hoffe, ich konnte ein bisschen Hoffnung verbreiten«. Die überschaubare Anzahl an Zuhörern im Melanchtonianum hatte kaum spannende, noch kritische Fragen an Bullerjahn. Man hätte mehr Interesse erwarten können, ist doch das »Superstreikjahr« gerade erst zu Ende gegangen.

Über Fabian Brenner

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Erstellt: 26.01. 2010 | Bearbeitet: 09.03. 2010 14:29