Feb 2010 hastuUNI 2

„So kann es nicht weitergehen»

Zentrales Thema der Senatssitzung am 10. Februar war der Haushalt. Das Fazit: ein Altbekanntes.

Noch ein gutes halbes Jahr bleibt der Senat in seiner heutigen Form bestehen, dann konstiuiert er sich neu. Auf der Februarsitzung musste nichtsdestotrotz ein heikles Thema angegangen werden. Der Haushalt für das Jahr 2010 wurde besprochen beziehungsweise die Schätzungen der eingesetzten Kommission.

Vorgetragen wurden sie von Kanzler Martin Hecht, der zwei Botschaften an die Mitglieder des Senats richtete. Die gute lautete: „Die Betriebsfähigkeit der Universität ist für 2010 gesichert». Was jedoch nicht heißt, dass die Universität finanziell gut dasteht. „So kann es nicht weitergehen», betonte der Kanzler. Er forderte dazu auf, an die Landesregierung heran zu treten und klar zu stellen, dass bestimmte Aufgaben nicht mehr erfüllt werden können, wenn keine weiteren Gelder fließen.

Das Defizit der Universität für das Haushaltsjahr 2010 beläuft sich auf knapp sechs Millionen Euro. Dass sie so hoch ausfallen (es wurde früher von nur vier Millionen ausgegangen), liegt auch daran, dass sich die Universität bereits jetzt an Haushaltskonsolidierungen des Landes beteiligen muss. Um den fehlenden Betrag zu decken und die Liquidität der Universität zu wahren, sollen verschiedene andere Quellen angezapft werden. Angedacht ist zum Beispiel, Gelder aus den Langzeitstudiengebühren zur Stopfung der Haushaltslöcher zu verwenden und auch veränderte Arbeitsverträge bringen zusätzliche Gelder ein.

Die Universität verfügt zudem über Rücklagen in Höhe von acht Millionen Euro, die zu einem Diskussionspunkt der Senatssitzung wurden. Aus den Reihen der Mitglieder wurde angemerkt, dass es seltsam wirken könne, wenn man solche hohen Rücklagen habe und darüber jammere, dass man unterfinanziert sei. Auch Rektor Wulf Diepenbrock bemerkte, dass dieser Punkt vor allem in der politischen Diskussion immer stark gemacht wird und die Gefahr besteht, dass die Landesregierung bei Verhandlungen auf die Rücklagen verweise. Wie Prorektor Bernd Six hinzufügte, sind die Gelder allerdings im überwiegenden Teil zweckgebunden, also keinesfalls frei verfügbar.

Über zweckgebundene Mittel wurde auch noch einmal im Zusammenhang mit den genauen Beträgen, die jeder Fakultät zukommen sollen, gesprochen. In einigen Bereichen tauchten nicht-abgerufene Summen für das Haushaltsjahr 2009 auf, die sich teilweise auf zehn Prozent des Gesamtbudgets der Fakultät beliefen. Die Philosophische Fakultät I hatte zum Beispiel einen Jahresetat von sechs Millionen Euro, 600.000 Euro davon rief sie nicht ab. Dekan Andreas Ranft begründete dies mit Stellenbesetzungen, die noch nicht vollzogen wurden und verwies auch hier darauf, dass diese Gelder nicht auf der „hohen Kante» liegen würden, sondern bereits verplant seien.

Das Budget jeder Fakultät wurde mit den einzelnen Dekanen verhandelt. Laut Kanzler Hecht stehen die Bereiche nicht alle gleich gut da, die Arbeitsgrundlage wurde aber überall für gut befunden. Nur in der Juristischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät war noch ein Problem aufgetreten, dass aber nach der Senatssitzung verhandelt werden sollte. Im Einzelnen können die Fakultäten mit folgenden Beträgen rechnen:

  • Juristische und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät: 5,09 Millionen Euro
  • Theologische Fakultät: 996,441 Euro
  • Philosophische Fakultät I: 5,98 Millionen Euro
  • Philosophische Fakultät II: 5,96 Millionen Euro
  • Philosophische Fakultät III: 3,26 Millionen Euro
  • Naturwissenschaftliche Fakultät I: 12,74 Millionen Euro
  • Naturwissenschaftliche Fakultät II: 9,34 Millionen Euro
  • Naturwissenschaftliche Fakultät III: 11,45 Millionen Euro

Als Kernaussage seiner Ausführungen bezeichnete Martin Hecht die Tatsache, dass ein geringeres Budget nicht tragfähig sei und das unbedingt mehr Geld nachgeschoben werden müsse. Beispielhaft führte er die Philosophische Fakultät II an, die in der derzeitigen Aufstellung keinerlei Möglichkeit habe, Geld einzusparen. Dass die Grenzen des Möglichen erreicht seien, bestätigten auch die anwesenden Mitglieder. Ein Dekan hob hervor, dass die Berechnungen nicht den wirklichen Bedarf der Fakultäten widerspiegeln würden, sondern nur das veranschlagten, was unter den gegebenen Umständen möglich sei.

Mahnende Worte kamen auch von Altrektor Wilfried Greksch: „Wir schieben ein riesiges Problem vor uns her, das von Jahr zu Jahr größer wird.» Laut seiner Aussage ist das Fazit der Haushaltsplanung jährlich dasselbe, Lösungen wären jedoch nicht in Sicht. Eine unterstützende Bemerkung kam von Joachim Ulrich. Der Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs erinnerte an die Einsparpläne, die nicht umgesetzt wurden. „Das sind Hausaufgaben, die der Senat noch machen muss», meint Ulrich.

Ein weiterer Gegenstand der Senatssitzung war die Verwendung der Langzeitstudiengebühren. Die Gesamtausgaben 2009 beliefen sich auf 1,3 Millionen Euro, wobei hier auch Mittel aus anderen Töpfen eingerechnet sind (zum Beispiel aus dem Hochschulpakt). Von Seiten der studentischen Vertretung wurde bemängelt, dass teilweise große Beträge an die Fakultäten geflossen und nicht der Lehre zu Gute gekommen seien. Prof. Christoph Weiser, Prorektor für Studium und Lehre, verwies darauf, dass zusätzliches wissenschaftliches Personal eingestellt wurde sowie neue ASQ-Module damit finanziert werden. Auch wurde in die Verknüpfung von StudIP und die Studiumsverwaltungssoftware investiert. Für das nächste Jahr wird mit freien Mitteln in Höhe von 500.000 Euro gerechnet.

weitere Themen der Senatssitzung im Überblick:

Der Nationale Kodex für das Auslandsstudium

Von der Hochschulrektorenkonferenz vorgeschlagener Kodex, der recht unverbindlich ist und beispielsweise dazu führen soll, dass man alle die Universität betreffenden Informationen in englischer Sprache bereit stellt, um das Studium für ausländische Studierende zu erleichtern. Der Vorschlag diesem Kodexzu folgen wurde vom Senat begrüßt.

Baustand GSZ

Kanzler Hecht beschreibt die Entwicklung als positiv. Von vier Vergabeverfahren waren drei erfolgreich. Beim Bibliotheksbau gab es einen Einspruch, der aber bereits zurückgezogen wurde. Derzeit wird die Freifläche genau verplant, wobei die Fakultäten stark einbezogen werden. Im April wird es eine größere Präsentation geben.

Präsentation der Bewerber für das Amt des Rektors

Von studentischer Seite wurde angeregt, zwei Tage vor der Wahl des Rektors die Bewerber zu präsentieren. Diesem Vorschlag wurde positiv begegnet, der jetzige Rektor bezeichnete ihn als „ganz prächtig». Die Präsentation wird am 28. Juni stattfinden.

Abschaffung von Studiengängen

Auf Grund der Akkreditierung der Wirtschaftsinformatik werden die Bachelorstudiengänge 120 LP und 60 LP Wirtschaftsinformatik abgeschafft. Der 120er konnte nicht in der geforderten Art umgestellt werden, der 60er bekam gar nicht erst eine Akkreditierung. Die Studiengänge waren ohnehin nicht gut besucht.

Über Julius Lukas

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Erstellt: 10.02. 2010 | Bearbeitet: 20.04. 2010 19:24