Jun 2010 hastuUNI 0

Senatssitzung auf dem Uniplatz

Die Senatssitzung am 09. Juni fand sowohl drinnen, als auch draußen statt. Inhaltlich ging es um Zielvereinbarungen, die Novellierung des Hochschulgesetzes und Professorinnen an der MLU.

Rektor Wulf Diepenbrock bei seiner kurzen Ansprache auf dem Uniplatz (Foto: Julius Lukas)

Die Senatoren hatten gerade im Halleschen Saal 14 Uhr Platz genommen, da standen sie auch schon wiedern von ihren Sitzen auf. Initiiert von den studentichen Senatoren und Renate Federle vom Personalrat der MLU, verlagerte sich das Gremium für eine Viertelstunde nach draußen, allerdings nicht wegen des sommerlich-heißen Wetters.

Parallel zur Senatssitzung begann um 14 Uhr auf dem Uniplatz die Demonstration anlässlich des Bildungsstreik 3.0, zu deren Startkundgebung sich nun auch die Senatoren gesellten. Nach einleitenden Worten von StuRa-Mitglied Ute Larsen, ging das Mikrofon an Rektor Wulf Diepenbrock über, der in seiner kurzen Ansprache seine Unterstützung für den Protest ausdrückte. Besonders hob er zudem hervor, dass die Universität die internen Probleme, die bei den Streiks im vergangenen Jahr auf den Tisch kamen, fast vollständig angegangen und gelöst habe. „Die Aufgaben, die die Politik vor sich hat, sind um vieles größer», so Diepenbrock auf dem Uniplatz.

Senatsmitglieder Gesine Foljanty Jost und Christoph Weiser im gespräch mit Studierenden (Foto: Julius Lukas)

Der Rektor verkündete den Versammelten darüber hinaus noch eine Prognose für das kommende Haushaltsjahr. Nach Berechnungen würden der Universität Halle sechs Millionen Euro fehlen, was ein weiterer Beweis dafür sei, dass die bestehende Hochschulstruktur im Land nicht ausfinanziert ist.

Nachdem die Ansprache von Professor Diepenbrock mit Applaus quittiert worden war, begaben sich die Senatoren und Sitzungsteilnehmer zurück in den Halleschen Saal, wo mit 40-minütiger Verspätung die reguläre Sitzung begann.

Nach der Protokollkontrolle standen die Informationen des Rektorats auf der Tagesordnung. Wichtigster Punkt waren dabei die Zielvereinbarungen zwischen den Hochschulen und dem Land. Das Treffen mit den Ministeriumsvertretern werde gerade intensiv vorbereitet. „Ich kann ihnen versichern, dass das gesamte Rektorat in die Vorbereitungen einbezogen ist. Ich selber bin mindestens zwei Mal in pro Woche in Magdeburg und treffe dort auch die anderen Rektoren», illustrierte Professor Diepenbrock die Bemühungen. Die Verhandlungen über die Zielvereinbarungen des Landes mit den Hochschulen sollen noch vor der Sommerpause abgeschlossen werden.

Weitere Zielvereinbarungen werden vom Land direkt mit der MLU getroffen werden. Dabei hob der Rektor besonders die Lehrerbildung hervor und betonte, dass man sich für eine bedarfsgerechte Finanzierung stark machen wolle.

Außerdem äußerte sich Professor Diepenbrock erneut zu den von ihm als „Olbertz-Bullerjahn-Papier» betitelten Eckpunkten zur Hochschulfinanzierung. Neben der Festlegung von Hochschulzuschüssen für die Finanzierung der Umstellung auf das Bachelor-/Mastersystem in Höhe von fünf (2010), bzw. zehn Millionen Euro (2011), beinhaltet es außerdem eine leistungsbezogene Budgetverteilung, unter der, Prognosen zufolge, vor allem die MLU leiden werde.

Gegenüber der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OVGU) hat die MLU zwar bei der DFG-Förderung die Nase vorn, schneidet jedoch bei Indikatoren, wie Internationalisierung und Studierendenzahl schlecht ab. Bei der letzten Senatssitzung war deswegen von einem Fehlbetrag im Budget in Höhe von 400 000 bis 450 000 Euro die Rede.

Bei dieser Sitzung nannte Rektor Diepenbrock zwar keine konkreten Zahlen, sagte jedoch, dass „der Betrag, der nach Magdeburg abfließen könnte, marginal sein wird.» Zudem will man eine Deckelung mit dem Land vereinbaren. Grund für die positive Entwiclung sind fortgeschrittene Verhandlungen über die Indikatoren für das leistungsbezogene Budget. Die MLU konnte dabei gegenüber der OvGU die unterschiedliche Struktur der beiden Universitäten geltend machen. In Halle gibt es weitaus mehr kleine Fächer, die in den Berechnungen nun anders gewichtet werden. „Halle und Magdeburg sind nicht vergleichbar, vor allem wegen der kleinen Fächer», so Rektor Diepenbrock.

Innerhalb des Rektoratsberichts spielte auch die Novellierung des Hochschulgesetz eine Rolle. Professor Diepenbrock verkündete, dass diese am 01. August 2010 in Kraft treten wird. Über den Inhalt konnte er nur vage Aussagen treffen, da er das endgültige Papier selber noch nicht bekommen hat und einzelne Punkte nur aus Gesprächen kennt.

So soll eine neue Personengruppe an den Hochschulen eingeführt werden. Der „Universitätsdozent» ist für einen festgesetzeten Zeitraum allein für die Lehre verantwortlich und hat keine Forschungsverpflichtungen. Allerdings sei er gegenüber früheren Vorstellungen „ziemlich weich gewaschen und mit einigen Hürden versehen», wie der Rektor betonte.

Durch die Novellierung wird zudem das Berufungsrecht auf die Universitäten übergehen, sodass Professoren nicht mehr vom Ministerium ernannt werden. Die genauen Neuerungen, die der Gesetzestext mit sich bringt, werden spätestens am 01. August bekannt.

Damit war der Rektoratsbericht beendet und das Wort ging an den Prorektor für strategische Entwicklung Bernd Six über. Auf Anfrage hatte er eine Tabelle erstellen lassen, in der alle Berufungen aus dem Jahr 2009 aufgelistet waren. Hintergrund war der sehr geringe Anteil an Frauen, die an der Uni Halle berufen werden. „Das ist aber kein Phänomen, das nur auf die Uni Halle zutrifft, sondern eher der allgemeine, wenn auch bedauerliche Sachstand», kommentierte Prorektor Six. Besondere Erwähnung fand in diesem Zusammenhang auch das Professorinnenprogramm, bei dem der Bund die Berufung von Frauen unterstützt. 2009 wurden 2 von insgesamt 17 neuen Professoren durch dieses Programm gefördert. In diesem Zusammenhang ergriff Rektor Diepenbrock erneut das Wort und prognostizierte, dass das Thema „Frauenanteil» den Senat auch in Zukunft immer häufiger beschäftigen wird, da Institutionen, wie die DFG vermehrt darauf achten.

Im Folgenden wurden zwei Veränderungen von Studien- und Prüfungsordnungen beschlossen. Beim Lehramt Spanisch soll der Zugang vereinfacht werden. Dazu wurden die Sprachanforderungen heruntergeschraubt. Der Master Erziehungswissenschaft musste angepasst werden, weil er künftig mit einem NC versehen wird.

Zum Ende des öffentlichen Teils der Senatssitzung wurde sich noch nach dem Stand der verschiedenen Bauvorhaben an der Universität gefragt. Kanzler Martin Hecht berichtete daraufhin über das Internationale Begegnungszentrum, den Mensabau in Heide Süd, das Naturkundliche Museum und das Geistes- und Sozialwissenschaftliche Zentrum (GSZ). Bei den ersten drei Vorhaben liege man im Zeit- und Budgetplan.

Beim GSZ sei man gerade in der Entwurfsphase. Der finanzielle Aufwand wird in der derzeitigen Planung um 5-10 Pozent, bei einem Gesamtvolumen von 50 Millionen, überschreiten, wobei hier aber auch Puffer eingerechnet sind. Kanzler Hecht zeigte sich insgesamt sehr zufrieden mit allen Bauvorhaben.

Etwas kritischer sah Professor Andreas Ranft die Situation. Er bemängelte, dass bei der Planung des GSZ zunehmend die notwendigen Belange der Philosophischen Fakultäten I und II missachtet oder nicht ausreichend kommuniziert werden. Falls die Unterstützung von Seiten der Universität nicht nunehme, wollte er notfalls eigene Schritte einleiten.

Damit endete der öffentliche Teil der Sitzung. Im nichtöffentlichen Tei wurden noch Berufungen beraten und die Mitglieder für den Verwaltungsrat des Studentenwerks nominiert.

Die nächste Sitzung des Senats findet am 14 Juli statt.

Über Julius Lukas

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Erstellt: 10.06. 2010 | Bearbeitet: 04.08. 2010 12:32