Jan 2010 hastuUNI Nr. 31 0

Privatdozenten ziehen blank

Wir schreiben das Jahr 2020. Im neuen Hochschulgesetz steht, dass Privatdozenten nicht mehr bezahlt werden dürfen. Zeit für »alternative Geschäftsmodelle«.

Durch eine Reihe tragischer Wendungen bricht die ohnehin schon wackelige Hochschulfinanzierung völlig zusammen – die einzige Lösung: Privatdozenten werden nicht mehr bezahlt. Da jene quasi freie Mitarbeiter seien, so heißt es im Gesetzestext, könnten sie auch auf anderen Wegen Geld verdienen.

Schon komisch – seit kurzem wäscht mein alter Hochschullehrer meinen Wagen. Dozenten anderer Fakultäten ziehen von Tür zu Tür und verkaufen neben Staubsaugern ihre neuen Publikationen: »Warum in einer trilateralen Gesellschaft drei Sprachen gesprochen werden« – klingt ganz verlockend, aber irgendwie glaube ich, dass unter dem ganzen Druck die Qualität etwas gelitten hat.

Vielleicht nicht nur die Qualität – auch die Personen. Versteht mich nicht falsch, es ist sehr schön, so eine »PD-Patenschaft« zu haben – sie ist sogar steuerlich absetzbar! Außerdem sind die täglichen Anekdoten von Aristoteles bis hin zu Einstein auch ganz unterhaltsam. Erst gestern ist eine noch sehr junge Privatdozentin bei mir vorbeigekommen und hat mir einen Aktkalender im »PD-Style« verkauft. »Nackt für die Lehre« heißt das Glanzwerk. Erst war ich ein wenig skeptisch, doch durch das typische Sensationsinteresse beflügelt, blätterte ich schnell im Kalender rum.

Habilitierte Ein-Euro-Jobber in hauchdünnen Kleidern räkeln sich im Scheinwerferlicht. Und mit dabei der Betreuer meiner Abschlussarbeit. Ich schlage zu und lege noch ein saftiges Trinkgeld für die Frau drauf: »Behalten Sie den Rest, Ihnen geht es schlechter als mir.«

Über Tom Leonhardt

Tom Leonhardt
Ehemaliger Mitarbeiter
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Erstellt: 25.01. 2010 | Bearbeitet: 26.01. 2010 18:56