Jan 2010 hastuINTERESSE 0

„Platter Protest kam für uns nicht in Frage»

Die Konferenz "Werktage" beschäftigte sich mit der Zukunft der Kunst- und Designstudiengänge.

Pause zwischen den Vorträgen

Ende Oktober 2009 kamen Kunst- und Designstudenten aus dem ganzen Land in Halle zusammen. Christoph Knoth und Anja Kaiser, Studierende der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein, hatten im Rahmen eines Semester- bzw. Bachelorabschlussprojektes zu der „Werktage»-Konferenz geladen, in der es um die Zukunft ihrer Studiengänge im Bachelor-/Mastersystem ging. hastuzeit sprach mit den beiden über die Konferenz.

Liebe Anja, lieber Christoph, Ihr habt Ende Oktober letzten Jahres die Konferenz „Werktage» veranstaltet. Wie lautete Euer erstes Fazit damals?

Nach fünf Tagen mit vier Workshops, zwanzig Vorträgen und einer „Open Space» Veranstaltung benötigten wir erstmal sehr viel Schlaf und jemanden, der für uns aufräumt.

In unserer Vorbereitungsphase hatten wir geplant, dass es nach jedem Vortrag möglichst viel Zeit für Diskussionen geben sollte. Denn für unser Gefühl kommt das bei den meisten Konferenzen oft zu kurz. Eigentlich hatten wir uns sogar vorgenommen: »Vortragszeit = Diskussionszeit«. Natürlich hat das nicht funktioniert, aber eigentlich dann doch besser als erwartet.

Für Freitag Nacht eine Party zu planen, war nicht die allerklügste Idee. Denn dadurch kamen am Samstagmorgen trotz der Zeitumstellung (Wechsel von Sommer- auf Winterzeit am 25. Oktober, Anm. d. Red.) nur sehr wenige pünktlich zum ersten Vortrag und wir mussten alles um eine Stunde verschieben.

Letztendlich haben geschätzt über 200 Leute an den „Werktagen» teilgenommen. Wir hätten uns aber gewünscht, dass speziell von unserer eigenen Hochschule mehr Studenten gekommen wären. Gerade weil die Vorträge noch besser waren, als wir uns das je erträumt hätten.

Ihr habt den Fokus auf studentische Initiativen und die Veränderungen der Design- und Kunststudiengänge durch Bologna gelegt. Warum schien Euch dieses Thema wichtig für eine ganze Konferenz?

Vortrag von Cornelia Durka während der Konferenz

Konferenzen, die nur daraus bestehen, dass Designer und Künstler ihre Portfolios und Arbeiten zeigen, langweilen uns nur noch. Deswegen wollten wir uns mit einem Thema beschäftigen, das Relevanz hat und uns direkt betrifft.

Gerade zur Zeit einer Hochschulreform kristallisierte sich nach einigen Diskussionen, wohl unumgänglicherweise, das Konferenz-Thema Studium und Eigeninitiative heraus. Die Demos im April 2009 in Leipzig bestätigten uns dann in unserer Idee. Und gerade weil platter Protest für uns nicht in Frage kam und kommt, versuchten wir, über Bologna hinaus zu denken. Deswegen wollten wir verschiedenste Leute einladen, die uns zu diesem Thema etwas zu sagen haben. Somit sollten nicht nur Professoren und Selbstständige, sondern auch Studenten zu Wort kommen. Wir wollten hören, wie sie eigeninitiierte, über das Studium hinausgehende Projekte angegangen sind, wollten von ihren Erfahrungen profitieren und damit andere motivieren, selbst etwas auf die Beine zu stellen.

Und eine weitere angenehme Begleiterscheinung des Ganzen ist natürlich auch, dass sich die Studenten untereinander mehr vernetzen und einen Blick über den Tellerrand werfen können.

Die Organisation der Konferenz war ein Semesterprojekt, für Christoph sogar sein Bachelorabschlussprojekt. Wie viel Zeit hat die Vorbereitung in Anspruch genommen?

Die ersten Ideen für solch ein Zusammentreffen von Kunst- und Designstudenten kam uns bei unserem Kommunikationsdesign-Stammtisch im März 2009. Weil wir danach nicht in derselben Stadt waren, begannen wir unsere Gedanken und Ideen in einem Wiki zu sammeln. Dann suchten wir uns noch eine Professorin und einen Professor als Betreuer, dann ging es los.
Alles in allem waren es also ungefähr acht Monate, die wir für Planung, Vorbereitung und Gestaltung investierten.

Trotz der Mühe hat es Euch ja sicherlich auch Spaß gemacht. Kann ein Hochschulsystem so verkehrt sein, in dem solche Projekte realisierbar sind oder ist es nur der Einsatz Einzelner, der sie ermöglicht?

Workshop während der Werktage

An dem jetzigen Hochschulsystem ist nicht so viel verkehrt, wie man vielleicht denkt. Sicher, einiges könnte optimiert werden, aber wir sind sehr glücklich mit den Studienbedingungen an der Burg. Im Vergleich zu den Massenunis gibt es eigentlich immer genügend Plätze in Seminaren und Vorlesungen und man hat regelmäßig persönlichen Kontakt zu seinen Professoren.

Das Problem liegt, wie auch die Konferenz gezeigt hat, eher in der Organisation der Freiräume dieses Studiums und wie man als Student effektiv diese Freiräume nutzen kann.

Eigentlich zeigten alle Studentenprojekte dahingehend wirklich interessante Ansätze. Sei es die Freie Klasse der UDK, die Aktionsklasse aus Berlin-Weißensee oder der Praktikantenguide.

Gab es irgendwelche Dinge, die nicht so gut gelaufen sind oder lustige, interessante, schöne … Vorkommnisse?

Wir waren sehr traurig, dass die Vertreter der Aktion »Komm in die Gänge« nicht dabei sein konnten. Sie haben sich dafür eingesetzt, dass ein marodes Viertel in Hamburg, das ein Investor in teure Lofts umwandeln wollte, durch Künstler besetzt und in Galerien und Begegnungsräume umgewandelt werden konnte. Gerade während der letzten Tage der Vorbereitung der Konferenz wurde jedoch die Beräumung anberaumt und da war klar, dass der Vortrag wohl ausfallen muss.

Wir waren sehr glücklich, dass es so viele Teilnehmer von externen Hochschulen gab. Ein wenig verwundert waren wir jedoch, dass insgesamt mehr Studenten auf der Party als bei den Vorträgen und Workshops waren. Dabei wurde die Party erst einen Tag vorher angekündigt.

Wird es irgendwann eine zweite Auflage der „Werktage» geben? Wenn ja, wer wird sie durchführen? Wenn nein, warum nicht?

Auditorium

Wir wissen, dass die „Werktage» nur an der Oberfläche der Probleme der Kunst- und Designausbildung kratzen konnten. Sollten andere Kunst- und Designstudenten das Bedürfnis haben, etwas ansprechen und ändern zu wollen, dann  würden wir uns freuen, wenn die „Werktage» als eine Art Wanderpokal fungieren würden. Die Konferenz könnte von Schule zu Schule gereicht werden und sich um die Probleme und Wünsche von Künstlern und Designern kümmern. Wenn die jeweiligen Studenten dafür ein eigenes Format finden, umso besser. Ansonsten helfen wir natürlich gern.

Wir hoffen weiterhin, dass die Website als Kommunikations- und Diskussionsplattform für alle Studenten gesehen wird.

Über Julius Lukas

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Erstellt: 03.01. 2010 | Bearbeitet: 31.01. 2010 18:08