Apr 2010 hastuUNI 2

Olbertz wird offiziell neuer HU-Präsident

Jan-Hendrik Olbertz wird voraussichtlich ab Oktober die Humboldt-Universität in Berlin leiten.

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Foto: Johannes Klemt

Eigentlich war diese Personalie schon recht klar. Nun ist sie allerdings auch offiziell. Am Dienstagmorgen hat das Konzil der Humboldt-Universität Berlin Jan-Hendrik Olbertz, den derzeitigen Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt, zum neuen Präsidenten gewählt. Die Mehrheit für ihn war dabei „überwältigend», wie es in einer Mitteilung der HU heißt. 49 von 57 Konzilmitgliedern stimmten für Olbertz, wobei die Auswahl auch nicht groß war, denn die Findungskommission hatte nur ihn vorgeschlagen.

Fraglich war seine Wahl allerdings auch nur in einer Hinsicht. Wie man an seinem Vorgänger Prof. Dr. Dr. h. c. Christoph Markschies sehen kann, stehen bei HU-Präsidenten normalerweise recht viele Kürzel vor dem eigentlichen Namen. Olbertz hingegen ist in seiner Wissenschaftsdisziplin – der Erziehungswissenschaft – kein ausgewiesenes Schwergewicht. Dieser Malus scheint jedoch für die Konzilmitglieder der HU nicht entscheidend gewesen zu sein. Wahrscheinlich wollte man in der Stellung des Präsidenten einen Hochschulpolitiker, der vor allem den zweiten Wortteil gut ausfüllen kann.

Wie auch immer die Wahl zustande kam, der Noch-Kultusminister von Sachsen-Anhalt zeigte sich nichtsdestotrotz erfreut über das große Vertrauen. Nach der Abstimmung sagte er:

Ich danke sehr für Ihr entgegengebrachtes Vertrauen und die überwältigende Mehrheit der Stimmen. Auf diesem Grundstein kann ich aufbauen. Diese Aufgabe reizt mich außerordentlich, ich werde sie mit großer Freude und Ernst wahrnehmen. Ich danke Ihnen dafür, dass Sie mir zutrauen und vertrauen, die anstehenden Aufgaben der Universität gemeinsam mit allen Mitgliedern in Angriff zu nehmen.

Die größte Aufgabe wird für Olbertz die Vorbereitung der Humboldt-Universität auf die nächste Exzellenzinitiative sein. Bei der vorherigen bekam aus der Bundeshauptstadt nur die Freie Universität Exzellenzförderung zuerkannt, was in Runde zwei geändert werden soll. Um dies zu ermöglichen, räumt der bisherige Präsident der HU Christoph Markschies seinen Posten schon zwei Monate vor seinem eigentlichen Amtszeitende, so dass Jan-Hendrik Olbertz genug Einarbeitungszeit hat.

Damit wäre auch die Frage nach dem offenen Posten im Land Sachsen-Anhalt aufgeworfen. Da der amtierende Kultusminister sich nun vorzeitig neuorientiert hat und seine weiteren Bemühungen in Magdeburg nun eher begrenzt sein werden, könnte die Suche nach einem Nachfolger beginnen. Allerdings wird in Sachsen-Anhalt bereits 2011 gewählt. Ob man sich also noch nach einem neuen Amtsträger umsieht, bleibt fraglich.

Dass Olbertz vorzeitig seinen Hut nimmt, ist indes nachvollziehbar und wohl schon lange geplant. Nachgesagt wird dem Kultusminister, dass er schon eine Weile nach einem neuen Posten Ausschau hielt und sich weniger um seine ministerialen Pflichten kümmere. In der Tat wäre eine dritte Amtszeit als Kultusminister auf Grund der derzeitigen politischen Stimmungslage im Land eher unwahrscheinlich gewesen. Zudem wird sein politischer Ziehvater Wolfgang Böhmer wohl nicht noch einmal als Ministerpräsident kandidieren und in Rente gehen. Mit dem Wechsel nach Berlin zeigt Olbertz zudem, dass er kein gesteigertes Interesse mehr an der Professur hat, die ihm in Halle nach seiner Amtszeit wieder zugestanden hätte.

Mit dem Schritt nach Berlin setzt sich für den 55-jährigen Rostocker eine wechselvolles Arbeitsleben fort. Nachdem er sich an der Uni Halle hochgearbeitet hatte und in Bielefeld eine Gastprofessur bekleidete, wurde er 1992 Professor für Erziehungswissenschaften am neu geschaffenen Institut der MLU. Als Senats- und Konzilmitglied bestimmte er die Geschicke der Hochschule mit und war Mitbegründer des Institut für Hochschulforschung, das ein An-Institut der MLU ist. Von 1996 bis 2000 war er dort wissenschaftlicher Leiter und wechselte dann als Direktor der Franckeschen Stiftungen an die Spitze einer kulturellen Institution in Halle. 2002 wurde er Politiker ohne Parteibuch und zum Kultusminister ernannt. Wie nun bekannt ist, wird er diesen Posten noch bis zum Oktober diesen Jahres inne haben und dann die HU-Präsidentschaft pünktlich zum Wintersemester übernehmen.

Über Julius Lukas

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Erstellt: 20.04. 2010 | Bearbeitet: 04.08. 2010 16:06