Okt 2010 hastuINTERESSE Nr. 34 1

Job der Zukunft: Crowd-Worker

Frei, flexibel und gut bezahlt? Lohnt sich Crowd-Sourcing als stu­den­ti­scher Nebenjob?

Illustration: Juliane Victor

Viele Studenten stecken in teils langweiligen, teils unter­be­zahl­ten, teils un­fle­xi­blen oder teils langweiligen, un­fle­xi­blen und unterbezahlten Studentenjobs fest. Seit ei­niger Zeit gibt es dafür eine Alternative – das Crowd-Sourcing oder besser gesagt das Crowd-Working. Die Idee dahinter ist simpel: Ein Unternehmen hat einen Auftrag oder ein Problem und wendet sich damit nicht an eine Einzelperson oder ein an­de­res Unternehmen, sondern an die »Menge«, die sich vir­tu­ell auf Online-Portalen ein­gefunden hat. Unabhängig von­ein­ander werden die Aufträge dann bearbeitet, wobei die Arbeiten von ganz einfach bis hochkomplex reichen.

Für das Ablesen von gescannten Etiketten gibt es meist nicht mehr als einen Cent. Wer sich allerdings mit Roboter-Sensorik auskennt, kann auch 20 000 US-Dollar verdienen. Die Aufgaben auf Crowd-Sourcing-Plattformen sind vielfältig. hastuzeit hat sich für Euch drei Portale angesehen und mit einem Crowd-Worker über seine Erfahrungen gesprochen.

textbroker.de – Geld fürs Texten

Textbroker ist eine von vielen Plattformen im Internet, die für das Schreiben von Texten Geld bezahlt. Das klingt erst einmal verlockend, immerhin sollten vor allem Studierende in der Lage sein, halbwegs verständliche Sätze zu Papier zu bringen. Allerdings muss man sich bei Textbroker erst etablieren. Um sich registrieren zu können, muss man erst einen Beispieltext verfassen, der dann von der Textbroker-Redaktion geprüft wird. Auf Grundlage des Textes bekommt man ein Einstiegsranking, das von zwei bis fünf Sternen reicht. Je mehr Sterne man hat, desto lukrativere Aufträge kann man annehmen. Mit jeder Arbeit kann man seinen Rang verbessern und damit auch die Bezahlung. Diese er­folgt pro Wort, wobei die Pauschale zwischen 0,7 und 4 Cent liegt. Die Themengebiete bei Textbroker reichen von Autorezensionen über Übersetzungsarbeiten bis hin zu Wirt­schafts­texten. Da nicht in allen Kategorien viele Aufträge vorhanden sind, muss man also flexibel sein. Außerdem gibt es die Möglichkeit, private Aufträge von Kunden an­zu­nehmen. Hier wird dann die Wortpauschale individuell ausgehandelt. Die meisten Texte umfassen nicht mehr als 400 Wörter, so dass man einen Text innerhalb von 20 Minuten verfassen und damit im Schnitt bis zu vier Euro verdienen kann.

Demnach kommt man auf einen theoretischen Stundenlohn von circa zwölf Euro. Das Problem dabei: Viele der angebotenen Themen benötigen Einarbeitungszeit. Diese muss man zwar einplanen, sie wird allerdings nicht bezahlt. Außerdem gibt es teilweise kuriose Wünsche. So fordert ein Kunde, der mehr als 100 Autorezensionen in Auftrag gegeben hat, dass jeder Texter das jeweilige Auto vorher Probe gefahren haben soll; ob ein Stu­dent, der einen Ferrari GT Probe gefahren ist, angewiesen ist, für Textbroker darüber zu schreiben, bleibt fraglich.

clickworker.com – Geld für Klicken, Lesen und Schreiben

Es ist mittlerweile eine Armee. Über 57 000 aktive Clickworker hat die gleichnamige Crowd-Sourcing-Plattform nach eigenen Angaben. Das Spektrum der Aufgaben ist sehr weit und reicht von Texten über Korrigieren bis hin zu Recherchieren und Fragebögen beantworten. In allen Aufgabenbereichen gibt es Aufträge in deutscher und englischer Sprache. Ein besonderes Highlight bei Clickworker ist sicherlich der SMS-Guru, ein Pro­gramm für Mobiltelefone, dem man Fragen stellen kann. Die Beantwortung über­neh­men dann Clickworker. Bevor man sich allerdings mit den Fragen auseinandersetzen darf, muss man sich als SMS-Guru qualifizieren. Wie alle Tests bei Clickworker darf man diesen nur einmal machen. Eine erste Einschätzung, die entscheidend für die eigene Kar­riere auf der Plattform ist, denn auf ihrer Grundlage werden einem Aufträge zugeteilt. Wer gut abschneidet, bekommt lukrativere oder überhaupt Aufträge, denn die sind bei Clickworker rar gesät. Man hat zwar eine Armee, allerdings mangelt es an Arbeit. Den über 57 000 Mitgliedern stehen gerade einmal 8700 Aufträge gegenüber. Da bleiben für jeden nur 0,15 Aufträge übrig, und der Andrang ist groß. Viel gibt es also nicht zu tun, und auch wenn man etwas gefunden hat, gibt es für einen Studenten sicherlich inter­es­santere Tätigkeiten, als Fragen von Jamba-Sparabo-Inhabern zu beantworten.

Innocentive.com sucht Erfinder und Problemlöser

Auch im wissenschaftlichen Bereich haben sich Plattformen für Crowd-Sourcing etab­liert. Oft geht es bei den ausgeschriebenen Projekten um »einfache« Problemlösungen. Ein Beispiel: Es war für viele Hotels sehr kostspielig, dass die Kunden oft die schönen Schlüssel mitgenommen haben – quasi als Souvenir. Heute bekommt man in großen Hotels keine Schlüssel mehr, sondern Chipkarten. Diese lassen sich bei Verlust einfach sperren und sind bedeutend günstiger zu ersetzen. Genau nach diesem Prinzip funk­tio­niert »Innocentive«: Eine Firma schildert ihr Problem und schreibt für die Lösung einen Geldbetrag aus. Problemdenker können sich bei der Firma melden, dann an einer Lö­sung arbeiten und diese einreichen. Wenn die Firma mit der Lösung zufrieden ist, wird die vorher ausgeschriebene Summe ausgezahlt. Da es sich bei den Ausschreibungen meist nicht um einfache Probleme – »Wie kann ich meinen Drucker installieren?« – handelt, sondern um komplexe Fragen, zum Beispiel zu neuen Therapiemöglichkeiten spezieller Erkrankungen, erreichen die Honorare Summen bis zu 50 000 US-Dollar. Natürlich ist es für Studenten ungleich schwieriger, kreative und innovative Lö­sungs­ansätze zu finden, wenn sie mit langjährigen Experten auf dem Fachgebiet kon­kur­rie­ren. Es gibt aber auch einfachere Aufgaben, die immerhin bis zu 8000 US-Dollar Ge­winn bringen, an denen sich auch Studenten versuchen könnten – wie zum Beispiel die Entwicklung eines neuen Verpackungsverschluss-Systems für Taschentücher.

Unterm Strich – was kommt bei all der Arbeit raus?

Crowd-Working ist häufig genauso wie viele andere Studentenjobs: schlecht bezahlt und langweilig. Einige werden recht ordentlich verdienen können, die meisten jedoch nicht. Unser Tipp: Wenn Ihr Crowd-Sourcing ausprobieren wollt, dann konzentriert Euch auf eine Plattform und arbeitet dort mit der richtigen Mischung aus Qualität und Quantität. Gut verdienen kann man bei allen Plattformen nur, wenn man im internen Be­wer­tungs­sys­tem Bestnoten hat. Überlegt deswegen auch genau, wo Eure Fähigkeiten liegen, und nehmt nicht alles an, was Euch vor die Tasten kommt. Seht Eure Arbeit online als rich­tigen Job an, dann könnte ein guter Zusatzverdienst rauskommen. Und außerdem kann man dann in die nächste Bewerbung schreiben, dass man SMS-Guru ist. Rechtlich be­son­ders wichtig ist, dass Ihr Eure Einnahmen dem Finanzamt melden müsst. Eine Steuer­erklärung ist Pflicht. Näheres erfährt man auf der jeweiligen Plattform.

Außerdem solltet Ihr darüber nachdenken, welche Auswirkungen Crowd-Sourcing auf die Branche hat, in der Ihr später vielleicht selber einmal arbeiten wollt. Lohndumping ist auf entsprechenden Portalen Normalität. So bekommen professionelle Texter für eine Seite mit rund 400 Wörtern bis zu 300 Euro. Bei Clickworker gibt es 100 Wörter schon ab 1,58 Cent.

Über Julius Lukas

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Erstellt: 20.10. 2010 | Bearbeitet: 04.11. 2010 18:31