Nov 2010 hastuPAUSE 0

Improvisationswettbewerb im Riff-Club

Am 20.11. buhlten die beiden Impro­vi­sa­tions­theater »Kaltstart« und »Herzsprung« um die Gunst des Pub­li­kums. Die­ses war nicht nur Schieds­rich­ter, son­dern auch ak­ti­ver Teil­neh­mer und Gestalter des Abends.

Wem bei anspruchsvollen, tiefgründigen oder einfach nur langweiligen Theaterstücken im Sekundentakt die Augen zufallen und wer zwanghaft versucht, trotz abschweifender Gedanken über weltliche Dinge dabei ein interessiertes Gesicht beizuhalten, dem sei ein Tipp gegeben: Ab ins Improvisationstheater!

Langweilig kann es bei dem Lärm nicht werden, und Einschlafen wird dadurch ver­hin­dert, dass die Schauspieler einzelne Zuschauer willkürlich und ohne Gnade auf die Bühne holen.

Kuscheltiere und Stimmzettel

Publikumsausrüstung: Stofftier und Stimmzettel

So auch am Samstag Abend (20.11.10) im Riff-Club, in dem der Wettbewerb zwischen dem Impro­vi­sa­tions­thea­ter „Herzprung» aus Magdeburg und ihren Heraus­for­de­rern „Kaltstart» aus Halle stattfinden soll. Bereits beim Eintreten in den Saal merkt man, dass es sich nicht um eine ›normale‹ Theatervorstellung handelt. Auf jedem der zusammengewürfelten und sehr gemütlichen Stühle liegt – vom Pinguin bis zum Dinosaurier – ein anderes Ku­schel­tier. Sinn und Zweck dieser Tierversammlung wird dem Publikum erst später von der Moderatorin der Ver­an­stal­tung erklärt, die zu Beginn erst mal unsere Im­pro­vi­sa­tions­freu­de testet, indem sie nach beliebigen Kü­chen­ge­rä­ten, Obstsorten, Werkzeugen und Möbelstücken fragt, die das Publikum in die Menge rufen soll. Dann geht’s los: aus Magdeburg sind Ralf Gleisberg und Kerstin Reichelt an­ge­reist, Katja Blüher und René Langner vertreten Halle – beide Teams wirken auf den ersten Blick sehr sympathisch. Bevor die erste Runde beginnt, werden noch zwei Eimer mit nassen Schwämmen durch die Reihen des Publikums gereicht, aus denen man sich bedienen soll. Die Moderatorin fordert uns auf, diese den Schauspielern bei äußerst miserablen Darstellungen an den Kopf zu werfen – die weichen Flauschtiere sollen bei überzeugenderen Umsetzungen zum Einsatz kommen.

Herzsprung mit Live-Geräuschemachern aus dem Publikum

Herzsprung mit Geräuschemachern aus dem Publikum

Der Wettbewerb ist aus vier Szenen aufgebaut, in denen die beiden Konkurrenten gegeneinander antreten. Das Pub­li­kum bestimmt die Richtung des Gespielten und liefert die Vorlage für die Schauspieler. So werden wir nicht nur aufgefordert, vor jedem neuen Wettstreit beliebige nicht-geografische Orte, Zahlen, Lebensmitteln und Haus­halts­ge­rä­ten in die Menge zu rufen. Die Zuschauer werden auch aktiv mit in die Szenen eingebunden, indem sie auf die Büh­ne geholt werden und ihre Kreativität getestet wird. So sollen sie beispielsweise Sätze der Schauspieler vollenden oder mit dem Mikrofon passende Geräusche zum Dar­ge­stell­ten produzieren. Neben reinem Im­pro­vi­sa­tions­the­a­ter kommt es an diesem Abend auch zu musikalischen Einlagen. Aus vier Genres wird jeweils ein Lied gespielt, welches die Theatergruppen gesanglich untermalen sollen – ein junger Student aus dem Publikum wünscht sich „Käse» als Thema der Songs.

René Langner legt einen überzeugenden Auftritt hin, bei dem er zu Dancehall-Rhyth­men seine Hüften schwingt und mit rauher Stimme „Käse» auf „Mayonnaise» reimt.

Aus einem Punk-Rock-Lied macht Ralf Gleisberg mit vollem Körpereinsatz ein wahres Erlebnis und steht seinem Vorgänger in nichts nach, seine Kollegin Kerstin Reichelt hält sich hier leider, wie auch bei den restlichen Szenen, im Hintergrund.

Am meisten überzeugt die Kaltstarterin Katja Blüher das Publikum; mit tiefer Stimme stöhnt sie zu souliger Hintergrundmusik „Camembert», „Gorgonzolaaah» und „Gou­daaah» ins Mikrofon und bringt jeden der Zuschauenden zum Lachen.

Es ist deutlich zu merken, dass die Hallenser mehr Beifall und Kuscheltiere ernten als ihre Konkurrenten. Dies ist nicht nur Grund des Heimvorteiles, den „Kaltstart» im über­wiegend von hallischen Studenten besuchten Riff-Club ohne Zweifel innehat.

Ralf Gleisberg von Herzsprung aus Magdeburg

Ralf Gleisberg von Herzsprung aus Magdeburg

Katja Blüher und René Langner demonstrieren ihre Freude am Improvisieren und gehen sehr aufeinander ein, wäh­rend bei den Magdeburgern das Zusammenspiel oft fehlt und manche Szenen sich so in die Länge ziehen, dass die Schwämme teilweise nur so fliegen.

Witzige Vorlagen der Hallenser werden von „Herzsprung» nicht oder wenig ausgeschöpft, so dass die Kaltstarter den Riff-Club berechtigt als Gewinner verlassen. Das Publikum ist auch zufrieden, alle hatten einen netten, kurzweiligen Abend, und auch die Augen waren die ganze Zeit ohne An­strengung geöffnet.

Fotos: Tino Jotter

Über Helena Werner

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Erstellt: 27.11. 2010 | Bearbeitet: 05.01. 2011 23:32