Apr 2010 hastuINTERESSE Nr. 32 0

Im Labyrinth der Masterangebote

Mittlerweile haben viele Universitäten ein stabiles Angebot von Masterstudiengängen aufgebaut. Jetzt müssen die Studenten sie nur noch finden.

Obwohl sich das Angebot an Masterstudiengängen mit jedem Semester vergrößert, hat sich bisher kein allgemeingültiges Vergabeverfahren für die Studienplätze durchgesetzt. Darstellungsart, Bewerbungsform und Fristen sind von Uni zu Uni anders geregelt.

Ein Problem ist die Unübersichtlichkeit der Angebote. Schwer hat es derjenige, der in seinem Studium einen anderen Schwerpunkt setzen möchte, als die Universität mit ihrem Masterprogramm anbietet. Dann heißt es umziehen, zum Wunschmaster.

Doch wer bietet ihn an? Rat bringt die Internetseite www.hochschulkompass.de; die Informationen dort werden von den Hochschulen selbst eingetragen und gepflegt und können mithilfe einer Suchfunktion durchforstet werden. Nur ist Master nicht gleich Master.

Man unterscheidet zwischen konsekutiven und nicht-konsekutiven Masterabschlüssen. Erstere vertiefen die Inhalte des zuvor absolvierten Studienganges und sind mit der Suchfunktion leicht zu finden. Anders die nicht-konsekutiven Masterangebote, die Aspekte mehrerer Studiengänge vereinen und anwendungsorientiert gelehrt werden.

Der hallische »Master Medizin-Ethik-Recht« ist so ein Beispiel. Solche nicht-konsekutiven Masterstudiengänge sind mit dem Hochschulkompass entweder nicht zu finden oder nicht einzuordnen. Manche Titel sind geradezu kurios. Für die Titel sind die Universitäten selbst zuständig und unterliegen – zumindest in Sachsen-Anhalt – nur der Anordnung des Kultusministeriums, dass der Name »zu seinem Inhalt passen muss«.

Wenn schon der Name nicht Auskunft über das Angebot gibt, wie findet man sich dann zurecht? Karoline gibt Auskunft. Die angehende Kulturwissenschaftlerin schließt in diesem Semester ihr Bachelorstudium ab und ist selbst auf Masterplatzsuche. Erstes Fazit: »Man sollte sich viel Zeit nehmen.«

Jede Universität bietet ihr eigenes Masterprogramm an. Die Profile unterscheiden sich bisweilen so stark, dass eine umfassende Recherche nötig ist. Um sicherzugehen, dass im Wunschmaster drinsteckt, was draufsteht, sollte man nach Karolines Erfahrung auf jeden Fall im Vorlesungsverzeichnis und im Modulhandbuch nachschauen und am besten bei der Studienberatung der jeweiligen Hochschule anrufen. Eine gute Idee ist auch der Blick in die Vitae der Lehrstuhlinhaber.

Am sichersten fährt man jedoch, wenn man jemanden fragen kann, der den anvisierten Master bereits studiert. Onlineportale wie StudiVZ werden hier in Zukunft noch gute Dienste leisten. Hat man dann einige Hochschulen ins Visier genommen, geht es ans Schreiben: Ein Motivationsschreiben, ein Essay, ein Bewerbungsgespräch – das ist von Master zu Master unterschiedlich. Die Bewerbung für den Masterplatz kann genauso aufwendig sein wie für einen Job. Wer nebenbei noch Kurse nachzuholen versucht, gerät schnell ins Stocken. Auch die Abschlussarbeit will schließlich geschrieben werden.

Die Zweiteilung des Studiums, die in Bologna beschlossen wurde, verlangt von den Studenten sehr viel mehr Organisationsarbeit. Allerdings muss das nicht zwangsläufig dazu führen, dass die zermürbende und chaotische Suche und Vergabe von Studienplätzen für Bachelor-Absolventen erneut beginnt, wenn sie einen Master anstreben. Es braucht vor allem ein Suchsystem, dass dem Suchenden erlaubt, seine Anfrage hinsichtlich Schwerpunkt, Zugangsvoraussetzung und Fristen zu verfeinern. Und die letzteren sollten unbedingt einheitlich geregelt werden: Bisher beginnen manche Bewerbungsfristen im März und enden im Frühsommer, während andere erst im Juni starten. Wer soll da durchsehen?

Über Julia Solinski

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Erstellt: 24.04. 2010 | Bearbeitet: 04.05. 2010 23:42