Okt 2010 hastuPAUSE Nr. 34 0

Goldene Rose erblüht wieder

Der ehemalige Gasthof »Goldene Rose« gilt als ältester Gasthof Halles. Seit Jahrzehnten stand er leer und war vom Verfall bedroht. Doch nun wird er durch den Verein »Haushalten Halle e. V.« als Künstlerhaus wieder belebt.

Durch die vielen Sofas in der Bar hat Schirrmeister einen echten Wohnzimmer-Ersatz geschaffen. Foto: Antje Winkler

Lange Zeit haben die Häuser an der Haltestelle Franckeplatz trist und traurig gewirkt. So auch die Goldene Rose. Die Fenster mit Plakaten verklebt, keine Luft zum Atmen, wartete sie nur noch auf ihren Verfall. Doch dank Stephan Schirrmeister zieht nun wieder Leben in den alten Gasthof ein.

Schirrmeister ist Vorsitzender des Vereins »Haushalten Halle e. V.«, der sich 2006 gegründet hat und die Idee der so genannten Wächterhäuser verfolgt. Dabei werden alte Häuser vor dem Verfall gerettet, indem der Verein den Eigentümern Nutzer vermittelt, die für eine begrenzte Zeit als »Hauswächter« einziehen. Sie zahlen keine Miete, sondern nur die Betriebskosten. So konnte der Verein bereits das Haus in der Triftstraße retten. Doch Schirrmeister betont die Besonderheit der Goldenen Rose: »Eigentlich machen wir an den Häusern nur das wirklich Notwendige, um sie zu erhalten. Aber die Rose kennt in Halle jeder, und darum haben wir uns mehr engagiert.« Er ist auf das Haus in einem Zeitungsartikel aufmerksam geworden: Der Eigentümer, ein Münchner Wirtschaftsanwalt, konnte das Gebäude aufgrund der Wirtschaftskrise nicht wie geplant sanieren. Schirrmeister machte ihn ausfindig und schlug ihm vor, die Goldene Rose als Künstlerhaus wiederzubeleben.

Nachdem im November 2009 die Nutzungsvereinbarung unterschrieben wurde, ging es mit der Renovierung los. Zunächst schafften die Wächter in gemeinsamer Arbeit fünf Container Schutt aus dem Haus. Die Wände wurden neu gestrichen und tapeziert, kaputte Türen erneuert und neue Möbel gekauft. Die Wasser- und Gasanschlüsse im Wert von 5000 Euro übernahmen die Stadtwerke. Für die Reparatur der Fenster und des Daches kam der Eigentümer auf. Da besonders die älteren Hallenser mit der Goldenen Rose viele Geschichten verbinden, möchte sie der Verein wieder einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machen. So gibt es im Erdgeschoss eine Bar, über die Schirrmeister »wacht«, und eine Galerie, die ursprünglich als Küche genutzt wurde. In den oberen Etagen wurden Werkstätten sowie Ateliers eingerichtet, und ein Yoga-Studio soll bald folgen. »Wir möchten auch ein wenig Wohnzimmer-Ersatz für die Studenten sein, die in ihrer WG kein eigenes Wohnzimmer haben«, so Schirrmeister. Das versucht er durch Fernsehabende und Live-Musik zu unterstützen.

Zum Tag des offenen Denkmals am 12. September 2010 versammelten sich die Hallenser schon vor der Eröffnung vor dem Haus. Und der Andrang nahm bis zum Abend nicht ab. Und auch Hans-Dietrich Genscher hat sich schon überzeugen können und dem Haus mit einer großen Geschichte eine große Zukunft gewünscht. Er war hier nicht nur mit Gorbatschow, sondern auch mit seinen Außenministerkollegen Baker und Schewardnadse und hat Zwei-plus-Vier-Gespräche geführt, in denen über die außenpolitischen Konsequenzen einer Wiedervereinigung diskutiert wurde.

Schirrmeister möchte, dass die Rose eine feste Adresse wird, wo die Leute gerne hingehen. »Wenn man vom Hühnermanhattan oder vom Objekt spricht, weiß jeder, was damit gemeint ist. Ich hoffe, dass uns das mit der Rose auch gelingt und nicht nur die Rentner etwas mit dem Namen anfangen können.« Bisher gibt es über die Goldene Rose, wie bei den anderen Wächterhäusern auch, eine Nutzungsvereinbarung von fünf Jahren. Aber der Eigentümer hat schon signalisiert, dass aus fünf auch zehn Jahre werden könnten. »Mir liegt am Herzen, dass in der Rose wieder richtig viel los ist. Und im Moment scheint es so, dass uns das auch gelingt«, so Schirrmeister.

Über Nicole Kirbach

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Erstellt: 21.10. 2010 | Bearbeitet: 22.10. 2010 19:01