Jan 2010 hastuINTERESSE Nr. 31 0

Die Umwelt hat keine Flat

Wie grüne Hochschulpolitik & studentisches Engagement zum Klimaschutz beitragen

Bäume vor dem Robertinum – Beitrag für eine grünere Hochschule?

Grün ist nicht nur eine Farbe, sondern steht für viel mehr. In Zeiten von Klimaerwärmung, Umweltkatastrophen und schmelzenden Polkappen wird grüne Politik immer wichtiger. Auf der Klimakonferenz in Kopenhagen wurden jedoch kaum die notwendigen Maßnahmen beschlossen – lediglich das Zwei-Grad-Ziel festgehalten. Doch nicht nur die Politik kann ihren Beitrag zum Umweltschutz leisten, sondern auch Studenten.

Grüne Hochschule

»An der MLU gab es in den letzten Jahren bereits einige Veränderungen, wie beispielsweise das Bioessen und den Biokaffee in den Mensen«, berichtet Prof. Dr. Hans-Ulrich Zabel vom Wirtschaftsinstitut der Uni, der sich seit vielen Jahren mit dem Thema Klimaforschung beschäftigt. »Außerdem bieten wir einige Studiengänge mit Umweltbezug an, in denen die Studenten über Nachhaltigkeit und Ökonomie im späteren Berufsleben informiert werden.«

Ein weiterer kleiner Baustein ist die Verwendung von umweltfreundlichem Recyclingpapier in den Druckern und Kopierern der Institute. Außerdem sind in vielen Hörsälen energiesparende Leuchtstoffröhren vorhanden, und auch in einigen Büros lösen Energiesparlampen immer mehr die alten Glühbirnen ab. Doch wird der bezogene Strom bisher nicht von nachhaltigen Energiequellen genutzt. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Universität keinen Einfluss auf die Art des Stromes hat, da das Land dafür zuständig ist. Da die MLU sehr viel Energie verbraucht – man bedenke rund 4000 Computer und die Innen- und Außenbeleuchtung – steigt der Stromverbrauch immens, wodurch sich ein Wechsel zu umweltfreundlicher Elektrizität wie Ökostrom empfiehlt. Denn je höher der Energieverbrauch, desto höher ist auch die Belastung für die Umwelt. Ökologischer Strom wiederum beeinträchtigt die Natur deutlich weniger.

Die Fachhochschule in Köln ist unserer Uni bereits einige Schritte voraus. Dort entwickelte man vor einigen Jahren ein Umweltmanagementsystem, mit dem die FH 2008 mit dem zweiten Platz des Kölner Umweltpreises ausgezeichnet wurde. Besonders in der Verwaltung achtet man auf ein umweltfreundliches Handeln und entwickelte einige Forschungskonzepte, wodurch verantwortungsbewusster mit nichterneuerbaren Energien umgegangen werden soll.

Studenten als Vorreiter

Doch nicht nur die Universitäten und Hochschulen können etwas für die Natur tun. Jeder kann einen kleinen Beitrag leisten. Sehr oft hört man jedoch von KommilitonInnen, die ihren Laptop stundenlang unbenutzt eingeschaltet lassen, die Begründung: »Ich habe eine Stromflatrate, das kostet mich keinen Cent mehr.« Die Umwelt besitzt aber keine Flat.

Conrad Kunze (28), wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Cottbus, engagiert sich seit vielen Jahren für unsere Umwelt. Vor vier Jahren, als er noch in Halle studierte, gründeten er und drei weitere die Ortsgruppe der Grünen Jugend in Halle. »Ich wollte mich damals für den Schutz des Saaletals einsetzen und es vor der Autobahn 143 retten. Sie ist dank der Beteiligung weiterer Organisationen bisher nicht gebaut. Das hat mir das Gefühl gegeben, dass sich Engagement lohnt und man mit kleinen Aktivitäten etwas ändern kann.«

Auch die Universität und die Studierenden können als Vorreiter einer ökologischen Modernisierung auftreten, meint Conrad: »Studenten sollten sich öfter bewusst machen, dass sie die Träger von wichtigen Reformbewegungen waren, z. B. der 68er, und das auch heute sein können. Als Student ist man frei, seine Meinung zu sagen, und kann versuchen, etwas zu ändern.«

Foto von Hallenser auf flickr / CC BY 2.0

Über Anne Klein

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Erstellt: 21.01. 2010 | Bearbeitet: 26.01. 2010 03:23