Dez 2010 hastuUNI 8

Die Revolution der Stipendienkultur?

hastuzeit.de widmet sich im Dezember dem Thema Deutschlandstipendium. Auch eure Meinungen sind gefragt.

Update

Der folgende Beitrag ist ein Einführungsbeitrag zum Deutschlandstipendium und einem Projekt, das im Dezember 2010 auf hastuzeit.de stattgefunden hat. Einen Monat lang haben wir uns intensiv mit dem Deutschlandstipendium befasst und dies in Interviews, mit Hintergrundberichten und Twitter-Tweets transparent gemacht. Ende Dezember wurde dann der zusammenfassender Beitrag „Revolution mit Hindernissen» veröffentlicht.
Mit diesem soll jedoch die Beschäftigung mit dem Deutschlandstipendium nicht stoppen. Es sind noch genug Themen vorhanden und Interviews bereits geführt, sodass auch in Zukunft Neuigkeiten und Beiträge gepostet werden. Um alle Beiträge schnell in der Übersicht zu haben, könnt ihr den Tag Deutschlandstipendium benutzen.

Update Ende

Logo Deutschlandstipendium Hochschulen

"Wir sind dabei" - das Motto des Deutschlandstipendium bedeutet für die Hochschulen in Sachsen-Anhalt eine große Herausforderung. (Quelle: www.deutschland-stipendium.de)

„Das ist schon eine Revolution die wir da anzetteln», lässt sich Bundesbildungsministerin Anette Schavan Anfang September zitieren. Gerade hatte das Kabinett beschlossen, die Hälfte des Deutschlandstipendiums aus dem Bundeshaushalt zu begleichen. Deutschlandstipendium? Ein Prestigeprojekt von Schavan, das die Stipendienkultur in Deutschland komplett verändern soll. Bis dato sind zwölf große Begabtenförderungswerke und viele kleine Stiftungen dafür verantwortlich, dass rund drei Prozent der Studierenden in Deutschland ein Stipendium bekommen. Mit dem Deutschlandstipendium sollen langfristig weitere acht Prozent der Hochschüler unterstützt werden. Einkommensunabhängig werden 300 Euro pro Monat gezahlt, die Hälfte wie gesagt aus dem Bundeshaushalt.

Bundesbildungsministerin Anette Schavan 2008

Bundesbildungsministerin Anette Schavan. Das Deutschlandstipendium ist eine ihrer wichtigsten Gesetzesinitiativen. (Foto: Andreas Schepers)

Für den anderen Teil sind allein die Hochschulen verantwortlich. Sie sollen die fehlenden 50 Prozent in der Wirtschaft oder von Privatpersonen akquirieren. Eine große Aufgabe, wie sich am Beispiel Sachsen-Anhalt zeigt:

53.630 Studierende sind an den neun Hochschulen des Landes eingeschrieben. Laut Acht-Prozent-Ziel müssten 4.290 Studenten ein Deutschlandstipendium bekommen. Um die Hälfte davon zu bezahlen, müsste man über 7,7 Millionen Euro im Jahr eintreiben. Die Martin-Luther-Universität mit ihren derzeit 19 500 immatrikulierten Studenten müsste jährlich mehr als 2,8 Millionen zusammenbekommen. Bei der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle wären es immerhin noch 151.200 Euro in zwölf Monaten (siehe Rechenbeispiele).

Rechenbeispiel 1: Martin-Luther-Universität

19.500 Studenten studieren an der Uni Halle
19.500 Studenten x 0,08 = 1.560 Studenten
1.560 x 150 Euro = 234 000 Euro (pro Monat)
234.0000 Euro x 12 Monate = 2.808 000 Euro (pro Jahr)
Die MLU müsste über 2,8 Millionen pro Jahr aus privaten Mitteln akquirieren.

Rechenbeispiel 2: Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

1.050 Studenten studieren an der Kunshochschule Halle
1.050 Studenten x 0,08 = 84 Studenten
84 x 150 Euro = 12.600 Euro (pro Monat)
12.600 Euro x 12 Monate = 151.200 Euro (pro Jahr)
Die Burg müsste über 150.000 Euro pro Jahr aus privaten Mitten aquirieren.

Rechenbeispiel 3: Neun Hochschulen Sachsen-Anhalts

53.630 Studenten studieren in Sachsen-Anhalt
53.630 Studenten x 0,08 = 4.290 Studenten
4.290 x 150 Euro = 643.500 Euro (pro Monat)
643.500 Euro x 12 Monate = 7.722 000 Euro (pro Jahr)
Die neun Hochschulen in Sachsen-Anhalt müssten rund 7,7 Millionen pro Jahr aus privaten Mitteln akquirieren.

Die Zahlen sind gewaltig, doch vorerst noch Zukunftsmusik. Im Sommersemester 2011 will man erst rund 0,3 Prozent der Studierenden mit einem Deutschlandstipendium fördern und dann innerhalb von zwei Legislaturperioden, also bis 2017, auf acht Prozent steigern. Ob diese Vorgaben zu schaffen sind, ist jedoch auch fraglich. Immerhin müsste man bereits zum nächsten Semester an der MLU 53 Studenten fördern und an der Burg auch schon drei.

Sind die Ziele aus Berlin also realistisch und auf die unterschiedlichen Hochschulstandorte in Deutschland anwendbar? Kann man in einem eher wirtschaftsschwachen Land wie Sachsen-Anhalt so viel Geld aus privaten Mitteln akquirieren? Wie sieht die regionale Wirtschaft die Aufforderung zur Stipendienfinanzierung? Können sich Alumni vorstellen, jeden Monat 150 Euro für einen Hochschüler zu bezahlen? Und wie weit sind die Hochschulen mit dem Aufbau eines Fundraisingnetzwerkes?

Die hastuzeit will diesen Fragen im Dezember nachgehen. Geplant ist ein längerer Beitrag, der Ende des Monats auf hastuzeit.de erscheint und sich dem Deutschlandstipendium in Sachsen-Anhalt widmet. Der Entstehungsprozess dieses Artikels soll dabei über verschiedene Kanäle begleitet werden. Per Twitter und Facebook sollen Updates gepostet und auf dieser Seite kleinere Beiträge sowie Rechercheinterviews zum Thema veröffentlicht werden.

Außerdem sind wir auf eure Hilfe angewiesen. Was haben wir noch nicht beachtet, welchen Aspekt vergessen und wie seht ihr das Deutschlandstipendium überhaupt? Schreibt uns Kommentare, Anregungen und eure Meinung.

Zusammen kann so vielleicht eine erste Antwort auf die Frage gegeben werden, die die Hochschulen die nächsten Jahre beschäftigen wird: „Ist das Deutschlandstipendium wirklich eine Revolution?»

Über Julius Lukas

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Erstellt: 05.12. 2010 | Bearbeitet: 06.01. 2011 14:50