Sep 2010 hastuUNI 0

Die Möglichkeit einer »Super-ZVS«

Statt sich an mehreren Unis gleichzeitig zu bewerben, könnte man auch alle Studienangebote bündeln und von einer »Super-ZVS« verteilen lassen.

Auf jeden freien Platz im Bachelorfach Ernährungswissenschaften (180 LP) gab es dieses Jahr an der MLU ca. 13,5 Bewerber. Doch nach dem ersten Nachrückverfahren ist dieses Studienfach gerade einmal zu 68 Prozent ausgelastet. Auf den ersten Blick sind diese beiden Zahlen kaum miteinander vereinbar, und doch zeigt sich in dieser kleinen Rechnerei, wie enorm jedes Jahr der Aufwand nicht nur für die Bewerber, sondern auch für die Universitäten ist.

Wäre es da nicht besser, eine Art »Super-ZVS« einzurichten, die zentral alle Studienfächer im Bund verteilt? Das würde wahrscheinlich nicht nur den enormen Verwaltungsaufwand mindern, sondern für die Bewerber auch mehr Chancengleichheit bedeuten. Studieninteressierte könnten Wunsch-Studienfach und -ort in einem Ranking angeben und so automatisch zugeteilt werden. So müsste sich kein Bewerber mehr durch einen Haufen von Bewerbungsformularen wühlen und die Universitäten pflegen die neuen Daten lediglich in ihr System ein. Alles einfacher, bequemer und vor allem auch fairer.

Doch beliest man sich als angehender Student in einigen Blogs, stellt man fest, dass sich die Nebenbuhler an ca. vier bis sechs Universitäten bewerben, um auch wirklich einen Platz zu bekommen. Die Universitäten rechnen damit und beraten jedes Jahr über den sogenannten »Überbuchungsfaktor, das heißt, es werden mehr Studienbewerber zugelassen, als Plätze frei sind«, so Eberhard von Massow, Leiter der Studienberatung an der MLU. Im Studiengang Ernährungswissenschaften (B. Sc. 180) lag der dieses Jahr bei 2,45. Bei diesem System kann es natürlich dazu kommen, dass ein Studiengang »überbucht« wird, in der Biologie (B. Sc. 180) etwa haben sich zehn Leute mehr als eigentlich möglich eingeschrieben. Problematisch zudem ist auch, dass die Bewerber mit besseren Abiturnoten zuerst genommen werden; als durchschnittlicher Bewerber kann man nur auf das Nachrückverfahren hoffen. Weil niemand gern in einer Warteschlange steht, bewirbt man sich noch häufiger. Das kann auch von Massow bestätigen, denn »der Überbuchungsfaktor hat sich in den letzten Jahren verdoppelt, von durchschnittlich 1,2 auf 2,4.«

Die ZVS sollte schon 1973 die Vergabe von Studienplätzen gerechter machen. In den sechziger Jahren wurde der Numerus Clausus, aufgrund der steigenden Studienplatzbewerbungen, eingeführt. Karlsruhe urteilte daraufhin, dass die fehlende Chancengleichheit verfassungsfeindlich sei. Heute werden vor allem die Fächer zentral vergeben, bei denen besonders oft »eingeklagt« wird, etwa Medizin. 2008 wurde die ZVS reformiert und hat sich in die »Stiftung für Hochschulzulassung« gewandelt. Neben den bundesweiten Verfahren, wie etwa in Medizin und Pharmazie, können die Universitäten auch freiwillig Plätze anbieten. Um an der LMU München BWL studieren zu können, bewirbt man sich zum Beispiel bei der Stiftung anstatt direkt an der Hochschule. Auch an der MLU hat sich seit der Reform einiges verändert, so »gab es früher in der BWL bis zu fünf Nachrückverfahren«, meint von Massow. Das ist heute nicht mehr so. »Anfang September ist Schluss«, sind dann immer noch Plätze frei, werden diese auf der bundesweiten Studienplatzbörse veröffentlicht.

Eine Vereinfachung, indes nicht die beste Lösung. Denn einige Wissenschaftler glauben nicht an die Effizienzgewinne der »Super-ZVS«. Das derzeitige dreistufige Bewerbungsverfahren schade vor allem den ausgezeichneten Bewerbern, fand eine Forschergemeinschaft des Kieler Institutes, des Max-Planck-Institutes und der TU Berlin heraus. Zudem übernimmt die Universität aufgrund der gesonderten Auswahlverfahren und Studiengebühren ohnehin einen Großteil des Verwaltungsaufwandes, was eine zentrale Koordinierung überflüssig macht. Wahrscheinlich hat die »Super-ZVS« auch keine reelle Chance, da das politische System im Hinblick auf den Bildungsföderalismus und die Länderhoheit dies einfach nicht zulässt. Zudem verringert es den Wettbewerb um kluge Köpfe, was also einem Ziel des Bologna-Prozesses widerspräche. Von Massow empfände eine vollkommen zentrale Vergabe »als Verlagerung der Arbeit«. Dies »böte vielleicht eine bessere Verteilung der Studienplätze«, er würde aber eher Gewicht auf Nachrück- statt Losverfahren legen. Das Interesse für den Standort Halle ist bei der Studienplatzbörse nämlich »eher gering«.

Über Yvette Hennig

Ehemaliger Mitarbeiter

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Erstellt: 23.09. 2010 | Bearbeitet: 06.01. 2011 00:45