Mai 2010 hastuUNI 0

Die Kunst des Sprechens

Das Team der "Sprechbühne" in seiner aktuellen Besetzung

Wenn man an Theater denkt, bringt man das stets mit einer Bühne, Kostümen und Musik in Verbindung. Denkt man hingegen an die Sprechwissenschaft, fällt einem zumeist wohl eher nur der Studiengang dazu ein. «Lange Zeit hatten Sprechwissenschaftler kaum oder keine Auftritte. Ich fand das schon immer sehr schade, da das Sprechen ebenso eine Kunst darstellen kann wie das Theater«, erklärt die Sprechwissenschaftlerin Martina Haase. Die ehemalige Puppenspielerin ist seit 1984 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sprechwissenschaft und Phonetik der MLU. Die Idee zum Projekt der Sprechbühne entstand bereits in ihrer eigenen Studienzeit: «Wir hatten damals ein Seminar mit dem Titel Programmgestaltung. Dort sollte jeder eine Art theoretisches Konzept nach bestimmten Vorgaben entwickeln. Erprobt wurde das Ganze aber nur im Seminarraum.«

1992 beschloss Martina Haase, ihre Idee aus der »Laborsituation« herauszuholen und in die Realität zu überführen. Die Sprechbühne wurde offiziell gegründet. Seither bietet sie eine praxisorientierte Ergänzung zum Studium der Sprechwissenschaft.

Durch ihre berufliche Laufbahn besitzt Martina Haase gute Kontakte zum Puppentheater der Kulturinsel Halle, das ihr seit der Gründung der Sprechbühne ein Podium für ihre Ideen bietet. Seitdem produziert sie aller zwei Jahre zusammen mit Studenten der Sprechwissenschaft Aufführungen. Gemeinsam mit Studierenden im dritten Studienjahr entwickelt Haase alles von der szenischen Grundidee, der Auswahl der Texte bis hin zur Aufführung. «Das Besondere dabei ist, dass es sich stets um Texte handelt, die ursprünglich nicht für die Bühne gedacht waren«, erklärt sie.

Die Sprechkünstler bei der Probe

Die aktuelle Produktion lief jedoch etwas anders. Aus Angst, dass die Studenten auf Grund des Drucks der modularisierten Studiengänge nicht genügend Zeit aufbringen könnten, entschied sich Haase für eine Wiederaufnahme der Textcollage »Fümms Bö Wö – Mir tut der Unsinn Leid« nach Kurt Schwitters.

Mit ihren Aufführungen blieb die Sprechbühne jedoch nicht nur im Gründungsort Halle. So wurde 2002 die Produktion »Laut und Luise – Ein Kreuzzug durch Ernst Jandls Poesie« im Luzerner Kleintheater in der Schweiz präsentiert.

Sprechkunst nicht nur im Theater

Das Schaffen der Sprechbühne findet auch fernab der Theaterbühne statt. Durch die Kooperation mit der Staatlichen Galerie Moritzburg hält man speziell zu aktuellen Ausstellungen erarbeitete szenische Lesungen ab. Mit dem Titel »Hoch im Blau sind Orgelklänge« bietet die Sprechbühne beispielsweise eine thematische Führung zu ausgewählten Werken der Expressionisten mit einer Lesung an.

«Durch das großartige Engagement der Studierenden ist die Nachfrage von Seiten des Theaters und der Galerien hoch. Mit unseren Aufführungen konnten wir das Publikum bisher immer begeistern und in der Regel vor vollen Häusern spielen«, berichtet Haase stolz. Wer sich selbst von der Kunst des Sprechens überzeugen will, sollte die Aufführung der aktuellen Produktion »Fümms Bö Wö – Mir tut der Unsinn leid« nicht verpassen. Ort und Zeit der Aufführung findet ihr in unserem Terminkalender.

Über Sabine Paschke

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Erstellt: 21.05. 2010 | Bearbeitet: 22.05. 2010 14:40