Apr 2010 hastuINTERESSE Nr. 32 0

Der Masterplan des Lebens

hastuzeit im Gespräch über den Sinn und Unsinn von Masterplänen.

Prof. Dr. Manfred Becker, Lehrstuhl Organisation und Personalwirtschaft an der MLU (Foto: Kati Mühlmann)

Keine Umwege, strikt geradeaus, immer der Karriereplanung nach. Dass es auch anders geht, zeigt die Biographie von Manfred Becker, der Wirtschaft studierte, beim ZDF arbeitete, wissenschaftlicher Mitarbeiter und dann Personalmanager bei Opel wurde, bevor er den Lehrstuhl für Organisation und Personalwirtschaft annahm.

Was würden Sie jemandem, der Umwege gegangen ist, der zum Beispiel weit über die Zeit hinaus studiert hat, aus der Perspektive eines Personalmanagers empfehlen?

Der Langzeitstudent, der nach dem traditionellen Muster Studienzeit als Lebenszeit genutzt hat und sich in der Menschenbildung weiter entwickelt hat, aber mit seinem Fachstudium spät fertig geworden ist, der wird nicht die größten Probleme haben, weil die demographische Entwicklung ihm entgegenkommt. Junge Leute werden ihre Chance haben, wenn sie sich integrieren können. Grundsätzlich würde ich empfehlen, immer einen Abschluss zu machen – ob das nach 10 oder 20 Semestern ist. Umwege sollten irgendwann wieder auf den Hauptweg zurückführen.

Sind Sie der Meinung, dass heutzutage unter den Studenten eine größere Anspannung herrscht als noch zu Ihrer Studienzeit?

Ja, in doppelter Weise. Die jungen Leute heute studieren in einer Krisensituation. Konjunkturell sind die Beschäftigungsaussichten zurzeit schlecht. Die Sorge, die Studierende jetzt umtreibt, lautet: Lohnt sich das Studium? Aber da sage ich immer: Geduld. Es gab keine Generation, die auf lange Sicht bessere Chancen hatte. Chancen, weil tausende von Lehrern, tausende von Beamten in den Ruhestand gehen und nur hunderte von Absolventen nachkommen. Auf lange Sicht ist die Situation für Studierende paradiesisch. Allerdings richtet sich der Horizont eines Studenten naturgemäß auf die Zeit direkt nach dem Studienende. Der Berufsstart wird erst einmal schwierig. Und das typische Beschäftigungsmodell – auf Lebenszeit, ungekündigt, unbefristet – das wird es so nicht mehr geben.

Würden Sie in Anbetracht dieser Lage Studenten raten, länger zu studieren?

Ich beobachte bereits, dass sich Studenten ein Auslandssemester gönnen, um ein Semester später auf den Markt zu kommen. Das Strecken des Studiums aus aktuellem beschäftigungspolitischem Anlass ist häufig zu beobachten, auch bei den Masterstudenten! Das konterkariert natürlich die Idee von Bologna.

Hat die Anspannung etwas mit der Zweiteilung des Studiums oder eher mit der veränderten Lage in der Wirtschaftswelt zu tun hat?

Das ist wie die Frage nach Henne und Ei. Was war zuerst da? Ist Bologna eine Folge der veränderten Wertvorstellungen, oder ist es ein Impuls für (notwendige) Veränderungen? Da würde ich eher sagen: Es ist Folge. Denn den kompakten Lebensentwurf, den gibt es nicht mehr. Es gibt die Patchworkbiographie. Die neue Dynamik der Entwicklungen, der Lebensentwürfe, der Märkte, der Geschmäcker, der Designs führt dazu, dass es den Lebensentwurf nicht mehr gibt. Heute ist die Karriereplanung, die Berufs- und Lebensplanung, aufgrund der Fragmentierung um ein Vielfaches verwinkelter. Die Entscheidungen kommen immer häufiger und intensiver auf die Menschen zu, so dass Wechsel in allen Lebensphasen notwendig sind. Da gewinnt Karriereplanung stark an Bedeutung.

Was sagen Sie Studenten, die, weil sie nicht enttäuscht werden wollen, davor zurückschrecken, sich einen Lebensplan vorzuzeichnen?

Es gibt ja diesen Spruch: Die Zukunft kommt, wie sie kommt. Aber wenn wir nichts tun, kommt sie ganz sicher anders, als wir es wünschen. Die Zukunft ist wesentlich besser zu akzeptieren, wenn man die Konsequenzen der eigenen Handlungen sowie deren Alternativen ausgelotet hat. Wer immer strebend sich bemüht, … Sie verstehen!

Vielen Dank für das Gespräch, Prof. Becker.

Über Julia Solinski

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Erstellt: 25.04. 2010 | Bearbeitet: 04.05. 2010 09:08