Aug 2010 hastuUNI Nr. 33 1

Der Kultusminister ist weg …

Seit 1. Juni ist Jan-Hendrik Olbertz nicht mehr Kultusminister. Nach acht Jahren im Amt ging er nach Berlin an die Humboldt-Universität (HU).

Foto: Johannes Klemt

Er verspätet sich etwas. Ein anderer Vortrag wird vorgezogen. Der Minister ist noch bei der Feierstunde für den neuen Leopoldina-Präsidenten. Dann trifft er ein. Jan-Hendrik Olbertz ist die A-Prominenz am 26. Februar, bei den 8. Hallenser Gesprächen, einem Symposium im Elisabeth-Krankenhaus. Es geht um Heimat, und Olbertz erzählt von der Verwunderung seiner Frau, wenn er sagt, dass er »zu Hause« anruft. Er meint damit: bei seiner Mutter. Das Publikum amüsiert sich. Wenn Olbertz von sich erzählt, nimmt er gern seine Brille ab und spielt mit ihr. Ein Markenzeichen des 54-Jährigen, das jeder kennt, der schon einmal mit ihm gesprochen hat.

Der Vortrag, den Olbertz bei den Hallenser Gesprächen hält, wirkt nicht ausgearbeitet. Er ist eine Reihung von Anekdoten, gespickt mit Fachwissen und viel zu lang. Aber das ist nebensächlich, denn die Zuhörer kleben Olbertz an den Lippen. Er ist eloquent, charmant und humorvoll. Es ist seine Paraderolle – nicht das, was man von einem Minister erwartet.

Als Olbertz nach dem unverhofft guten Abschneiden Sachsen-Anhalts bei einem PISA-Folgetest gefragt wurde, woran dies läge, antwortete er: »An unserer Politik jedenfalls nicht.« Ein Vollblutpolitiker war er nie und wollte es wohl auch nicht sein. Olbertz» Werdegang ist wissenschaftlich geprägt. Er studierte Lehramt in Halle und blieb an der Uni, wo er 1989 habilitiert wurde. Nach der Wende bekam er eine Hausprofessur für Erziehungswissenschaften, wurde Gründungsdirektor des Instituts für Hochschulforschung Wittenberg und Direktor der Franckeschen Stiftungen.

2002 wechselt er dann aus der Wissenschaft in die Politik. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer ruft ihn in seine Landesregierung. Als Kultusminister sitzt Olbertz nun am anderen Ende des Tisches und verordnet den Hochschulen ein Sparprogramm, von dem sie sich bis heute nicht erholt haben.

Das Verhältnis zwischen den höchsten Bildungseinrichtungen und dem Kultusminister bleibt in der Folge gespannt. In seinen acht Amtsjahren gelingt ihm einiges, aber vieles auch nicht. Kritiker werfen ihm immer wieder vor, seine Hausaufgaben andere machen zu lassen. So werden die Reformen aus dem Kultusministerium vor allem den Staatssekretären zugeschrieben.

Der Gegenwind kommt auch aus den »eigenen« Reihen. Olbertz ist parteilos, was immer wieder für Unmut bei den Christdemokraten im Land sorgt. Doch Ministerpräsident Böhmer hält am Erziehungswissenschaftler fest – mit gutem Grund. Hendrik Kranert schreibt in einem MZ-Artikel: »Olbertz hatte das, was der CDU im Land fehlte: Feinsinn, Humor, Weltoffenheit, Charme.«

Mit dem Schicksal von Wolfgang Böhmer ist allerdings auch Jan-Hendrik Olbertz» Zukunft eng verknüpft. Der Ministerpräsident wird 2011 nicht noch einmal kandidieren. Die Chance auf eine weitere Amtszeit war damit gering.

Über einen vorzeitigen Rücktritt von Olbertz wurde schon lange gemunkelt. In der Bundesbildungspolitik hatte er sich einen Namen gemacht, der dann auch auf dem Vorschlagzettel für das Präsidentenamt der Humboldt-Universität Berlin landete. Aus der Politik zurück in die Wissenschaft – eigentlich ungewöhnlich, für Olbertz genau richtig, zumal es sich um einen repräsentativen Posten handelt.

Mit großer Mehrheit wurde Olbertz dann auch gewählt. Zum 18. Oktober tritt er sein Amt an, und die Vertreter der HU wissen, was sie an Olbertz haben. Als der Erziehungswissenschaftler wegen seiner ideologisch gefärbten Habilitationsschrift großer Kritik ausgesetzt ist, springt ihm der Vorsitzende des Konzils der HU sofort zur Seite. Man sei »davon überzeugt, dass man mit Professor Olbertz einen hoch qualifizierten Wissenschaftler und Wissenschaftspolitiker für das Präsidentenamt gewonnen« habe.

Über Julius Lukas

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Erstellt: 03.08. 2010 | Bearbeitet: 24.08. 2010 14:18