Aug 2010 hastuUNI Nr. 33 0

Bildung mit Hindernissen

Als jüngster Akademiker Österreichs ist Marian Kogler in seinem Heimatland prominent genug, dass eine Verlegerin ihm vorschlug, ein Buch zu schreiben. Herausgekommen ist zum Glück keine Autobiographie mit Schwänken aus dem Leben eines Achtzehnjährigen, sondern ein Bericht von den Erfahrungen eines Hochbegabten auf seinem Bildungsweg.

Dass er vor allem in der Schule auf Schwierigkeiten stieß, zeigt sich schon darin, dass er dieser Zeit den Großteil seines Buches einräumt. Starre Rahmenbedingungen, mobbende Mitschüler und verständnislose Lehrer kommen in vielen seiner exemplarischen Anekdoten zur Sprache. Sein recht unbekümmerter Umgang mit Autoritäten muss dabei nicht selten als vorlautes Verhalten angekommen sein.

Aus der Sicht eines studentischen Lesers kommt seine Zeit an der Universität dabei etwas zu kurz; insbesondere für Lehramtsstudierende kann die Perspektive eines Hochbegabten durchaus von Interesse sein, bevor sie im Schulbetrieb mit ihm konfrontiert werden. Ein Bonus ist sicher sein Bericht von dem Studierendenstreik in Wien und seine Schilderung der Stärken und Schwächen im österreichischen Bildungssystem, die zusammen 15 Seiten umfassen.

Kogler schreibt klar und leicht verständlich; lässt man sich auf die Subjektivität des Textes ein, so bietet er durchaus eine interessante Abendlektüre. Dennoch hätte dem Buch, obwohl es keinen wissenschaftlichen Anspruch erhebt, der eine oder andere weiterführende Literaturhinweis gutgetan. Zudem kommen die knapp 200 Seiten des Buches durch ein sehr großzügiges Layout zustande, so dass das Buch, jedenfalls in der verfügbaren gebundenen Version, nicht unbedingt studentischen Preis-Leistungs-Erwartungen entspricht.

Marian Kogler, Gemischte Gefühle und anderer Zeitvertreib. Erfahrungen und Einsichten eines Hochbegabten. Wien: Seifert Verlag, 2010. 199 Seiten, 19,90 EUR

Über Konrad Dieterich

Redakteur.

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Erstellt: 04.08. 2010 | Bearbeitet: 03.08. 2010 22:05