Okt 2010 hastuINTERESSE Nr. 34 1

Aus der Not eine Tugend machen

Geistes- und Sozialwissenschaftler aller Fächer, vereinigt euch!

2010 war für die MLU wohl kein Jahr, an das man sich be­son­ders gern erinnern wird. Sicher, wir haben eine neue Uni­versi­tätsleitung bekommen, die ein vielversprechendes Pro­gramm präsentiert und sind in dieser Hinsicht personell gut gerüstet. Doch wenn man an die Institute oder in die Finanz­planung der Universität schaut, wird einem schlecht: Un­besetz­te Stellen, große Löcher im Haushalt, so weit das Auge reicht. Dabei ist die Lösung eigentlich so einfach wie genial: Derzeit gibt es an der Uni 128 geistes-, sozial- und kultur­wissen­schaft­liche Fächer, die man nach Lust und Laune miteinander kombinieren kann.

Wenn man in den Studiengangsbeschreibungen nachschaut, welche Berufsfelder sich nach einem erfolgreichen Studium auftun, kann man schon erahnen, worauf mein Vor­schlag hinausläuft: »Medien, Parteien, Beraterbranche, Organisationen« – hier kann nahezu jeder Bachelor of Arts laut Beschreibung Fuß fassen. Und das egal, ob er Poli­to­logie, Soziologie, Philosophie, Arabistik, Japanologie oder Medienwissenschaften studiert. Wozu also so viel Geld in die einzelnen Fächer packen? Gerade die Letzteren geben Un­men­gen an Geld für teure Technik aus, die dann fast nur sie benutzen dürfen. Es scheint doch zweckmäßig, einfach einen großen Studiengang mit dem Titel »Angewandte Welt­herr­schaft« oder »Was mit Medien« einzurichten.

Ob man nun dafür qualifiziert wird oder nicht, ist auch egal. Schließlich ist es doch bis­her auch nicht so. Außerdem hätte man dann beim Vorstellungsgespräch wenigstens etwas Spannendes über sein Fach zu berichten und würde nicht gleich aufgrund der Fächerkombination »Alte Geschichte« und »Wissenschaft vom Christlichen Orient« abgelehnt werden …

Foto: Darren Hester (via Flickr, Creative Commons)

Über Tom Leonhardt

Tom Leonhardt
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Erstellt: 25.10. 2010 | Bearbeitet: 04.11. 2010 17:41