Aug 2010 hastuPAUSE Nr. 33 0

Andere Länder, andere Sitten

Einheimische und ausländische Studenten berichten von ihren Erfahrungen als Austauschstudis in weltweit unterschiedlichen Hochschullandschaften. Teil 2: Wie es sich lebt in Studentenwohnheimen in Halle und Opole

Freiheit. Das wollte ich immer haben. Zwar bin ich schon alt genug, aber wenn man noch bei den Eltern wohnt und von ihnen finanziell abhängig ist, kann von richtiger Freiheit keine Rede sein. Ich wollte eine andere Lebensweise kennen lernen. So habe ich mich für das Erasmusprogramm entschieden.

Da ich Germanistik in Polen studiere, war es für mich klar, dass ich nach Deutschland will. Ich wollte in einem Studentenwohnheim für meinen Deutschlandaufenthalt unterkommen. Ich habe schon davor ein paar deutsche Wohnheime »erlebt«, zum Beispiel als meine Freundin als Erasmusstudentin in Dresden war. Die Bedingungen dort fand ich ganz ok, deswegen hatte ich keine Bedenken. Deutsche Wohnheime sind zwar im Vergleich zu polnischen relativ teuer, aber der Wohnstandard ist hier wesentlich höher.

In Polen muss man oft ein kleines Zimmer mit mehreren Personen teilen. Das Bad ist oft auch für eine ganze Etage gemeinschaftlich zu nutzen, daher hat man kaum Privatsphäre. Nach meiner Recherche im Internet habe ich das Studentenwohnheim am Weinberg-Campus gewählt. Auf den Bildern sah das alles ordentlich aus. Die vier Hochhäuser und die Menge der dort lebenden Personen haben mich auch angesprochen. Dass sich mein Institut in der Stadt befindet und der Campus außerhalb, darüber hab ich mir meinen Kopf nicht zerbrochen. Zum Glück kann man alles schnell mit der Straßenbahn erreichen.

Ich habe mich auf das Leben in Halle in einem Studentenwohnheim sehr gefreut. Das einzige, was für mich bedenklich erschien, war aus hygienischen Gründen das gemeinsame Bad. Ich wollte auch nicht im Erdgeschoss wohnen, weil mir das unangenehm und gefährlich vorkam. Ich muss nicht sagen, wie enttäuscht ich war, als ich einzog, natürlich habe ich ein Zimmer im Erdgeschoss bekommen. Beim Einräumen jedoch war dies von Vorteil. Jetzt muss ich weder zu Fuß laufen noch auf den Fahrstuhl warten.

Ich bin mit dem Wohnstandard sehr zufrieden. Alles ist frisch saniert, ausgestattet und sauber. Naja, für das letzte müssen wir selbst sorgen. Das haben wir in meiner WG gut mit Hilfe eines Putzplanes gelöst. Eine WG-Kasse sorgt dafür, dass immer benötigte Putzmittel vorhanden sind. Auch wenn es in meinem Wohnheim keinen Gemeinschaftsraum gibt, kann man tolle Partys auch in der Küche veranstalten.

Ich bin mit meiner Wahl zufrieden, auch wenn das Leben in einem Wohnheim nicht nur Vorteile hat. Das ewige Problem bei Frauen sind die langen Aufenthalte im Bad. Wenn in der WG mehr als eine Frau wohnt, kann das manchmal problematisch sein. Man muss auch viele Kompromisse eingehen, damit in der WG »Friede, Freude, Eierkuchen« herrschen kann. A propos Essen … Gemeinsames Kochen und Kochabende sind auch toll, besonders wenn man (Ess-) Kultur aus anderen Ländern kennenlernen kann.

Über Gastbeitrag

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Erstellt: 05.08. 2010 | Bearbeitet: 05.08. 2010 16:28