Apr 2010 hastuPAUSE Nr. 32 0

Ab und zu Theater

Im Meer der hallischen Schauspielstätten findet man nicht nur die Kulturinsel. Auch Sachsen-Anhalts größtes freies Theater treibt hier und beherbergt unter anderem die freie Theatergruppe ABundZUspiel.

... in der Rolle des Dr. med. Hiob Prätorius (Foto: Lars Goern)

In den hohen Räumen des Institutes für Sprechwissenschaft und Phonetik finden normalerweise Seminare und prüfungsrelevante Vorsprechen unter eher angespannter Stimmung statt. Doch am Montagabend wandelt sich die eigens dafür errichtete Bühne in einen Ort der schauspielerischen Kreativität. Der Raum füllt sich mit Kostümen, Requisiten und surrenden Geräuschen, die an einen kleinen Motor erinnern. Was von weitem erst einmal lustig klingt, sind die notwendigen Stimmenerwärmungen der dort probenden freien Theatergruppe ABundZUspiel.

Der Traum vom freien Theater

Derzeit studieren die 12 theaterbegeisterten Mitglieder das Stück »Dr. med. Hiob Prätorius« ein. »Das ist bereits unsere siebte Produktion«, erzählt Maxi Grehl, die für das Stück die Regie übernommen hat. Sie studiert im ersten Jahrgang Sprechwissenschaft auf Master.

Die Gruppe gründete sich 2003 unter den Studentinnen Kristina Schippling und Marie-Luise Gunst, die den Traum von einer freien Theaterbühne hatten. ABundZUspiel wurde zum Studententheater der Theatrale. Dort fanden regelmäßig sowohl Proben als auch Aufführungen statt. Für das Ensemble begannen kreative Jahre, in denen sie unter anderem den »Parzival«, Wedekinds »Frühlingserwachen« und die Eigenproduktion »Grimms Krams« inszenierten. Das Interesse für das Projekt wuchs; die Gruppe wurde größer und die Möglichkeiten vielseitiger. Die Sterne für das freie Theater standen günstig.

Doch 2007 kam das Ende für die Theatrale, der Verein musste Insolvenz anmelden. »Wir stießen dann auf ein Problem, das alle freien Theater haben: wir mussten einen Förderer und eine Bühne finden«, berichtet Maxi weiter. Ein neuer Platz wurde glücklicherweise schnell gefunden – die nächsten Stücke wurden im alten Hühnermanhattan und in der InnerCity Gallery aufgeführt.

Bäumchen, wechsle dich

Almuth Hattwich und Maxi Grehl führen Regie beim Theaterstück "Dr. med. Hiob Prätorius" (Foto: Sven Siewert, Photoclub Conspectus)

Für das aktuelle Stück bietet das Institut für Sprechwissenschaft seinen Studierenden Raum zum Proben. Neben Maxi Grehl übernimmt Almuth Hattwich, die ebenfalls Sprechwissenschaft studiert, die zweite Regie. Wo die Proben für das nächste Stück stattfinden werden, könnte davon abhängen, wer dann die Regie übernimmt. Maxi erklärt: »Die Leitung des Stückes muss nicht zwangsläufig wieder von Sprechwissenschaftlern übernommen werden. Es gibt nämlich ein paar Besonderheiten: die Gruppe besteht nicht nur aus Zugehörigen des Instituts, sondern auch aus Studenten anderer Fachrichtungen und Personen, die nicht an der Uni eingeschrieben sind. So haben wir beispielsweise auch einen angehenden Doktor der Chemie und einen Call-Center-Mitarbeiter unter uns. Und einen Masseur – das ist manchmal ganz angenehm.«

Außerdem wechselt die Rollenverteilung bei jedem Stück. Jeder soll einmal die Möglichkeit erhalten, die Regie zu übernehmen, eine Hauptrolle zu spielen oder im Hintergrund zu agieren. Zusätzlich sind alle Beteiligten für Kostüme und Requisiten verantwortlich.

Auf diese Weise lassen ABundZUspiel pro Jahr ein Stück entstehen. Was gespielt wird, darf sich die jeweilige Regie aussuchen. Wenn auch alle anderen Schauspieler damit einverstanden sind, ist der Stoff für die neue Inszenierung gefunden.

Eine Parodie auf Sherlock

Den Stoff für das aktuelle Stück bildet Curt Goetz« Bühnenstück »Dr. med. Hiob Prätorius«. Maxi verrät: »Das Stück parodiert ein bisschen die Geschichte vom Detektiv Sherlock Holmes und Dr. Watson. Es spricht also gleichermaßen Fans der Romanfigur als auch weniger Begeisterte an. Die Komödie passt auch gut zur Stadt, da der Autor Goetz seine Kindheit in Halle verbracht hat.«

Die Handlung erzählt von dem Frauenarzt Dr. Prätorius, der auf seinem Fachgebiet viele Erfolge zu verzeichnen hat. Dabei praktiziert er mit unkonventionellen Heilmethoden, denn er glaubt daran, dass man den Menschen mit Humor heilen kann. Außerdem begibt er sich auf die Suche nach einem Mittel gegen die menschliche Dummheit. Seine außergewöhnliche Art und seine Errungenschaften führen allerdings zu Neidern unter den Kollegen, so dass sich der Arzt vor einem Ehrenrat verantworten muss. Auf dem Rückweg von dieser Sitzung kommen Prätorius und seine Frau bei einem seltsamen Autounfall ums Leben. Diesen Fall aufzuklären, wird die Aufgabe des jungen Detektivs Jones und seines Freundes, Dr. Jackson.

Zurück zu alten Ufern

Die spannende Komödie der freien Theatergruppe feierte am 23. April Premiere in der wiedereröffneten Theatrale. Nach drei Jahren kehrt ABundZUspiel wieder zurück auf die Bühne, auf der die Erfolge als Jugendtheaters begannen. Bis dahin stehen den Schauspielern aber noch einige Vorbereitungen mit ihrer Regisseurin Maxi bevor. Während sie rote Clownsnasen verteilt und mit den summenden Stimmübungen beginnt, motiviert sie ihre Truppe: »Habt Spaß an der ganzen Sache – aber nehmt es auch ernst.«

Weitere Aufführungen

  • Donnerstag, 29. April 2010
  • Freitag, 30. April 2010
  • Donnerstag, 6. Mai 2010
  • Freitag, 7. Mai 2010
  • Samstag, 8. Mai 2010
  • Sonntag, 9. Mai 2010

Kartenbestellung unter 0157 / 744 92697

Über Julia Kloschkewitz

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Erstellt: 27.04. 2010 | Bearbeitet: 17.05. 2010 02:37