Sep 2010 hastuPAUSE 2

15 Minutes of Fame

Am vergangenen Wochenende fand mittlerweile zum zehnten Mal das Kurzfilmfestival Shortmoves in Halle statt. Das internationale Programm schockierte und amüsierte.

Die Moderatorin im Puschkino, eine Sputnik-Moderatorin, wie sich später herausstellte, erzählte am Freitag eine Anekdote über Shortmoves. Es ist die mittlerweile zehnte Ausgabe, und da gibt man nach und wird eben nostalgisch. So hätten die Veranstalter bei der ersten Version tatsächlich mit dem Problem zu kämpfen gehabt, dass nicht genügend Filme eingesandt wurden. Viel Zeit ist mittlerweile vergangen, die Finanzkrise kam und ging ohne jedes Anzeichen von Manieren, der amerikanische Präsident ist zwar keine Frau, aber wenigstens schwarz, dafür ist die deutsche Kanzlerin recht weiblich. Und Shortmoves hat die Kurve ebenfalls gekriegt.

Mit über 300 Bewerbungen hat sich Shortmoves mittlerweile als legitimes Kurzfilmfestival etabliert. Darüber hinaus bestätigen Teilnehmer aus Spanien, Dänemark, England den internationalen Charakter. Leider erschienen die Moderationsversuche hölzern. Teilweise wirkte es, als habe die junge Dame noch nie vor Publikum gestanden, und ich entwickelte Mitgefühl, anstatt mich auf die Filme zu freuen.

Los ging es mit dem dänischen Kurzfilm »Smafuglar«, der, es soll bereits erwähnt werden, den Publikumspreis und auch den Preis der Jury erhielt. Der Film zeigt eine Gruppe Jugendlicher und deren Weg zum Erwachsenwerden. Es ist ein Film über die Adoleszenz und deren Verschwinden, orientierungslose Jugendliche, natürlich auf der Suche nach Liebe. Oder was das in dem Alter eben ist. Parties, Alkohol und ohne Frage Drogen.

Bis hierhin bleibt der Film konventionell und gleichzeitig sehr unterhaltsam. Es folgt ein radikaler erzählerischer Schnitt, der uns mit einer recht deutlichen Vergewaltigungsszene konfrontiert. Aber es ist eben ein Kurzfilm, und ehe der Zuschauer es realisieren kann, wird er mit einem versöhnlichen Ende entlassen, das sogar einen wunderschön romantischen Moment inne hat.

Im Laufe des Festivals begegnete der geneigte Zuschauer den für Kurzfilmfestivals üblichen Verdächtigen: dem psychedelischen Animationsfilm, dem experimentellen Musikvideo oder einer Geschichte über einen Niemand, der wegen einer Nahtod-Erfahrung sein Leben ändert. Das Kino wird schließlich nicht neu erfunden, eher freut man sich über die Art des Recyclings.

Nichtsdestotrotz gab es auch Überraschungen, ja Perlen, kann man sagen. So zum Beispiel einen Film über Enten im Filmgeschäft oder über einen spanischen Totengräber oder, wir sind ja schon beim Thema, über den Tod als bürokratischen Akt, der für einen unwilligen Russen unfreundlich endet. Nur fair: der Russe begegnet dem Tod ebenso unfreundlich.

Aus regionaler Sicht soll auch nicht der Beitrag »Laufende Geschäfte« des Burgstudenten Falk Schuster übergangen werden, ein Animationsfilm, der frei nach dem Festivalmotto seine 15 minutes of fame verdient hatte und auch bekam. Sicher waren nicht nur Meisterwerke angereist. Aber warum sich lange ärgern? Es sind  Kurzfilme, und bei zwei Tagen und 20 Filmen war dann doch für jeden etwas dabei.

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Über Andreas Beuster

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Erstellt: 23.09. 2010 | Bearbeitet: 07.10. 2010 23:22