Dez 2010 hastuUNI 0

»In den Kinderschuhen«

Jana Wiedemann arbeitet seit dem 20. Oktober 2010 in der Stabstelle des Rektorats. Sie ist die neue Alumni-Beauftragte und arbeitet nun daran, das Ehemaligennetzwerk der Universität auszubauen und zu beleben. Hastuzeit sprach mit ihr über die Erfolgsaussichten und das Deutschlandstipendium.

Alumni Beauftragte Jana Wiedemann. Foto: rektor.uni-halle.de

Frau Wiedemann, beim Deutschlandstipendium setzt man auch darauf, dass sich Ehemalige finanziell beteiligen. Ist diese Hoffnung berechtigt?

Prinzipiell muss man sagen, dass die Alumni-Arbeit in Deutschland – bis auf einige Ausnahmen – in den Kinderschuhen steckt. Und das gilt auch für unsere Universität. Seit 2006 gibt es Aktivitäten, aber bis jetzt bestanden nicht die finanziellen Ressourcen, um wirklich viel zu machen. Die Finanzierung eines Stipendiums steht also derzeit im Rahmen der Alumni-Arbeit nicht zur Debatte.

Aber laut Plan des Bundesministeriums müsste die MLU im Sommersemester doch schon 8400 Euro einwerben.

Das wird zumindest nicht mit Alumni-Arbeit gehen.

Gibt es dafür Gründe?

Ich denke, man muss sich darüber im Klaren sein, dass Deutschland keine Tradition hat, wie in Amerika. Dort hat man ein System, in dem Millionen an die Hochschulen gespendet werden, das aber auch über 150 Jahre geprägt wurde. So etwas gibt es in Deutschland einfach nicht. In Ostdeutschland haben wir zudem die Wende als besonderen Bruch. In den alten Bundesländern kann man zumindest auf Alumni-Daten der letzten 40 bis 50 Jahre zurückgreifen. Diese Generationen sind hier eigentlich verloren und wir können nur versuchen, einen Teil davon zurück zu gewinnen. Aber mit dieser Arbeit sind wir gerade erst am Anfang.

Und wie lange wird es voraussichtlich dauern?

Realistisch gesehen muss man beim Aufbau eines lebendigen Absolventennetzwerkes in Jahrzehnten denken. Man muss auch erst einmal investieren, um dann zu profitieren.

Sie sagen, die Alumni-Arbeit steht erst am Anfang. Wie sieht das Alumni-Netzwerk in Halle denn derzeit aus?

Von Netzwerk zu sprechen halte ich ehrlich gesagt für verfrüht. Es gibt elf fachbereichsspezifische Programme, mit teilweise sehr langer Tradition, und Ansätze einer gesamtuniversitären Zusammenarbeit. Das sind nicht nur Alumni-Programme, sondern auch Vereinigungen von Freunden und Förderern von Fachbereichen, wie zum Beispiel die Georg-Cantor-Vereinigung. Als zentrale Alumni-Beauftragte will ich mich diesen Vereinen nicht aufdrängen. Ich will eher als Ansprechpartner fungieren und in anderen Bereichen, wo noch keine Ehemaligen-Arbeit stattfindet, Angebote machen.

Wie könnten solche Angebote aussehen?

Es gibt zum Beispiel an vielen Instituten keine richtige Verabschiedung der Absolventen. Da darf man sich sein Zeugnis beim Prüfungamt abholen. Das kann man versuchen zu verändern, denn so entsteht natürlich keine Verbundenheit, die ja sehr wichtig für die Alumni-Arbeit ist.

Sind die Potentiale in Deutschland denn schon ausgeschöpft? Sie sprachen das Beispiel Amerika bereits an. Dort gibt es teilweise Wettbewerbe, in denen es darum geht, welcher Jahrgang das meiste Geld einwerben kann. Ist soetwas in Deutschland oder sogar an der MLU vorstellbar?

In dieser Weise sicherlich nicht. In zehn Jahren wird man vielleicht erste Rückläufe haben, aber nicht in den Dimensionen wie in Amerika, wo ja zwischen Studierenden und den Universitätsangehörigen ein grundlegend anderes Verhältnis besteht. Alumni-Arbeit, wie sie in den USA praktiziert wird, beginnt mit dem Tag der Immatrikulation und impliziert eine Nähe zum Service-Gedanken bei allem universitären Handeln – vor allem was den Umgang mit Studierenden angeht. Und das scheint zu funktionieren.

Wie hoch ist denn die Spendenfreudigkeit von MLU-Absolventen?

Die Spenden sind hier auf einem ganz geringen Niveau. Sie bewegen sich in einem Rahmen von 1000 bis 3000 Euro pro Jahr. Die wenigen regelmäßigen Spender, ohne die die Alumni-Arbeit gar nicht möglich wäre, geben zwischen 10 und 100 Euro.

Ist es aus Ihrer Sicht richtig, dass man von denen, die von Bildung profitiert haben, Geld zurückholt?

,Zurückholen» ist der falsche Ansatz. Ich würde es gut finden, wenn jeder der die Uni verlässt, sagt, dass er etwas mitgenommen hat und dass es ihm etwas gebracht hat. Der ein oder andere wird dann auch etwas zurückgeben wollen.

Frau Wiedemann, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Jana Wiedemann studierte an de Martin-Luther-Universität und war während ihres Studiums in verschiedenen Gremien aktiv. Dabei war sie in den Legislaturen 2008/09 und 2009/10 Vorsitzende des Fachschaftsrates der Philosophischen Fakultät III, studentische Vertretung im Fakultätsrat und Sprecherin des StuRa-Arbeitskreises »Studieren mit Kind«.

Über Julius Lukas

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Erstellt: 17.12. 2010 | Bearbeitet: 19.05. 2012 16:37