Dez 2010 hastuUNI 0

»Voll und ganz der Masterarbeit widmen«

Christian Herschbach studiert im dritten Semester einen Physikmaster und gehört zu den besten Physikstudenten seines Jahrgangs. Um sich sein Studium leisten zu können, musste er nebenbei jobben. Jetzt hilft ihm ein Stipendium.

Christian Herschbach bekommt seit Oktober 2010 ein Leistungsstipendium vom Chemiekonzern Dow.

Hallo Christian, Du wurdest von einem der größten Konzerne der Region ausgewählt und bekommst seit Oktober das Dow-Leistungsstipendium. Wie hast du dich dafür beworben?

Die Initiative ging eigentlich von meiner Professorin aus. Sie hat mir geschrieben, dass sie mich für das Stipendium vorschlagen möchte. Ich war natürlich nicht abgeneigt und habe ihr alles geschickt, was benötigt wurde. Sie hat dann noch ein Schreiben fertig gemacht und alles hingeschickt.

Und dann begann das Warten?

Ja. Ungefähr zwei Monate später schrieb mir die Graduiertenförderung, dass ich das Stipendium bekommen habe.

Einfach so? Vom Auswahlverfahren hast Du also nichts mitbekommen?

Nein. Ich weiß nur, dass sich nicht so viele beworben haben. Ich bin ja auch der einzige der gefördert wird. Das Dow-Stipendium gibt es bereits sechs Jahre und früher waren es mal mehr.

Vielleicht warst Du der einzig geeignete oder Dow hat nicht mehr so viel Geld. Apropos Geld, wie viel bekommt denn ein Dow-Stipendiat?

Ein Semester lang 500 Euro pro Monat.

Und was muss man dafür machen, also außer sich bewerben und ausgewählt werden?

Bis jetzt bin ich nur mit Frau Foljanty-Jost (Prorektorin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, Anm. JL) zu Dow gefahren, habe ein paar Hände geschüttelt und die Urkunde entgegen genommen. Das dauerte fünf Minuten.

Das war es?

Bis jetzt schon. Zwei Fotos haben wir auch noch gemacht, aber außer ,Danke» habe ich nichts gesagt.

Glaubst du, dass noch etwas auf Dich zukommen könnte? Zum Beispiel ein Praktikum bei Dow.

Naja, ich bin halt theoretischer Physiker. Bei Dow gibt es eigentlich kein Stellenprofil für mich. Da würde ein Chemiker oder Polymerforscher besser passen.

Eine Zukunft bei Dow siehst du also trotz des Stipendiums nicht?

Nicht wirklich.

Wo dann?

Ich bin seit meiner Bachelor-Arbeit in einer Forschungsgruppe an der Uni und würde dort gerne bleiben.

Kommen wir zurück zum Stipendium. Du hast gesagt, du bekommst jetzt 500 Euro im Monat. Wie war deine Finanzierung vorher?

Ich hatte verschiedene Einnahmequellen. Seit Beginn des Masters habe ich eine Stelle als HiWi in der Forschungsgruppe. Daneben habe ich seit Studienbeginn für eine Apotheke gearbeitet. Früher war ich auch Kontrolleur in der Mathematik. Zusätzlich bekomme ich BAföG und das Kindergeld von meinen Eltern.

Hat sich mit dem Leistungsstipendium etwas verändert?

Ja, durch das Stipendium konnte ich meine Stelle in der Apotheke aufgeben und kann mich nun voll und ganz meiner Masterarbeit widmen.

Mit dem Deutschlandstipendium wird gerade probiert von Beginn des Studiums an, Hochschüler finanziell zu unterstützen. Dir hätte ein solches Stipendium also geholfen?

Ich denke schon. Dann hätte ich den Job früher sein lassen können. Man muss aber auch sehen, dass der Aufwand, mit dem das Stipendium verbunden ist, nicht zu groß ist. Wenn ich beispielsweise vier Mal im Semester am Wochenende zu einer Tagung muss, welche nicht direkt was mit meinem Studium zu tun hat, bringt mir das auch nichts.

Etwas ganz anderes: Wie viele Physikstudenten wart ihr eigentlich zu Beginn des Bachelors?

Etwa 50.

Und am Ende?

14.

Alle raus?

Ja, alle raus. Vor allem wegen Mathe. Das wird von Mathematikern unterrichtet und ist für Physiker sehr hart. Mathematiker wollen ja nicht rechnen, sondern nur beweisen.

Und Du bist gut durchgekommen?

Ja, ich habe aber auch viel Zeit investiert. Wo andere gesagt haben, ich schaffe es nicht, habe ich bis in die Nacht gesessen. Mir hat das Spaß gemacht. Viele andere hatten da keinen Ehrgeiz.

Christian, wir danken Dir für das Gespräch.

Über Julius Lukas

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Erstellt: 29.12. 2010 | Bearbeitet: 19.05. 2012 16:37