Okt 2010 hastuINTERESSE Nr. 34 0

»Das Beste, was mir passiert ist«

Alexander Suchy studiert »Multimedia & Autorschaft« an der MLU und ist seit April 2009 bei Jovoto.com angemeldet. Mit hastuzeit sprach Alex über seine Erfahrungen.

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Foto: Zornitsa Dimitrova

Alex, jovoto.com beschreibt sich selber als globale Ideenfindungs-Plattform und veranstaltet Kreativ­wettbewerbe. Wie kann man sich das vorstellen?

Jovoto lässt sich der mittlerweile recht großen Gruppe der Crowdsourcing-Plattformen zuordnen. Das Grundprinzip dieser Plattformen ist, dass Unternehmen dort Aufträge als Wettbewerb veröffentlichen und von den dort an­ge­melde­ten Nutzern bearbeiten lassen. Zu einem von Beginn an festgelegten Preis kann der Auftraggeber dann einzelne Entwürfe oder Konzepte kaufen. Jovoto funktioniert in gewisser Weise auch so, ist unter den Crowdsourcing-Plattformen aber etwas ganz Besonderes.

Worin besteht denn der Unterschied zu anderen Plattformen?

Bei vielen Plattformen fangen die Probleme schon beim Briefing an. Besonders kleineren Unternehmen fehlt oft die Erfahrung darin, Kreativaufgaben und deren Ziele zu for­mu­lieren. Bei der Auswahl des Gewinnerentwurfs sieht es meist ähnlich aus. Die Wett­be­wer­be werden dann schnell zu einer Art Lotterie, und das macht man dann nicht lange mit. Bei Jovoto werden die Wettbewerbe von Anfang bis Ende von Contest-Managern be­treut, und auch sonst läuft das Ganze dort völlig anders. Zusätzlich zu dem Honorar, das vom Auftraggeber gezahlt wird, gibt es da auch Preisgelder, über deren Verteilung die Jo­vo­to-Community selbst entscheidet. Dadurch werden die Preisgelder fair verteilt, und durch das entstehende Ranking und die Diskussion der Ideen bekommen User und Auftraggeber wertvollen Input. Das funktioniert natürlich nur durch die gute Dis­kus­sions­kultur auf der Plattform – auch die ist etwas Besonderes im Crowdsourcing-Bereich.

Lohnt sich denn Jovoto für dich finanziell?

Auf jeden Fall. Bisher haben zwei Drittel meiner Ideen ein Preisgeld erhalten. Ich konnte auch schon mehrere erste Plätze belegen, und die sind besonders hoch dotiert. Eine Idee wurde auch schon verkauft, und daraus sind einige Folgeaufträge resultiert. Es gibt aber auch Community-Mitglieder, die schon 20 oder 30 Ideen eingereicht haben, ohne einen Cent damit zu verdienen. Das ist natürlich schon hart. Andererseits bekommt man bei jovoto auch wertvolles Feedback, so dass mit jeder Einreichung auch ein Lerneffekt ein­hergeht.

Nichtsdestotrotz werden Crowdsourcing-Plattformen oft für ihr Lohndumping kritisiert. Denkst du, dass sie den Markt verzerren?

Der Ausbeutungsaspekt ist in der Tat ein großes Problem, wobei ich Jovoto auch hier nicht mit anderen Plattformen gleichsetzen würde. Soweit ich das einschätzen kann, ist das Entlohnungsmodell mit Abstand das fairste im gesamten Crowdsourcing-Bereich. Das heißt nicht, dass es optimal ist, aber Jovoto stimmt sich ständig mit der Community ab und versucht, die Plattform als Arbeitsumgebung zu verbessern. Ich denke nicht, dass der Kreativmarkt durch Crowdsourcing verzerrt wird. Radikalisiert wird er aber definitiv.

Werden durch Crowdsourcing auch klassische Strukturen aufgeweicht? Immerhin wenden sich Unternehmen mit ihren Aufträgen nicht mehr an große Designagenturen, was vor allem jungen Kreativen zu Beginn ihrer Karriere helfen könnte.

Eine Aufweichung lässt sich schon beobachten, wenn auch keine völlige. Es gibt zwar Kunden, die eine gekaufte Idee direkt vom Urheber umsetzen lassen. Die großen Mar­ken überlassen die Umsetzung einer Idee jedoch meist einer Agentur. Unabhängig davon hat man als junger Kreativer bei jovoto die Möglichkeit, großen Firmen seine Ideen direkt zu präsentieren. So kann man, fern jeder Agenturhierarchie, zeigen, was man drauf hat, und das hat mich ungemein motiviert und weiter gebracht. Für mich kann ich eigentlich uneingeschränkt sagen, dass Jovoto das Beste ist, was mir in professioneller Hinsicht je passiert ist.

Alex, wir danken dir für das Gespräch.

Über Julius Lukas

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Erstellt: 22.10. 2010 | Bearbeitet: 27.04. 2014 19:51