Wir ewigen Versuchskaninchen
Ein Kommentar zum neuen »Bachelor of Medicine«
Wir sind es ständig. Mal gehen wir zwölf, dann dreizehn, dann doch wieder zwölf Jahre zur Schule. Mal haben wir in dieser Zeit vier, mal nur drei Jahre Chemie. Aber na ja, die Schulzeit ist nun mal dazu da, um (an uns) auszuprobieren. Der Ernst des Lebens beginnt erst danach.
Begann, denn seit der Umstellung der meisten Studiengänge auf das Bachelor-System sind wir zwar Studenten, bleiben aber immer noch Versuchskaninchen. Wir fügen uns und fragen uns nur noch selten, wie man mit diesem Turbo-Studium einen guten Job oder gar einen Master-Platz finden soll. Die Statistiken werden es schon zeigen. »Also weiter probieren«, dachte man sich wohl in Oldenburg. In Kooperation mit der Uni Groningen soll dort der »Bachelor of Medicine« eingeführt werden. Dadurch, so die Begründung, will man die Stellensuche im Ausland erleichtern. Aber wozu? Im Ausland werden Ärzte mit Staatsexamen doch mit Kusshand genommen. In Deutschland dagegen nimmt kein Arzt den neuen Abschluss ernst. Als »Discount-Medizin« und »Doctor Light« wird der neue Bachelor in der etablierten Ärzteschaft abschätzig genannt. Was also bringt dem Interessierten dieses Studium? Wer nach drei Jahren merkt, dass er doch kein Doktor werden will, kann mit dem Bachelor nicht mal als medizinische Fachkraft arbeiten. Und dann hat der vermeintliche »Light«-Mediziner nur eine Chance: Sich um den Job von Doctor House zu bewerben. Das Operationsbesteck kann man mit dieser Ausbildung stilsicher halten, und man weiß wenigstens, wie sich ein »richtiger« Doktor benimmt. Man kann«s ja mal versuchen.
Foto: Juliane Guder
Über Friederike Stange
Erstellt: 09.11. 2009 | Bearbeitet: 23.12. 2009 15:23
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