Okt 2009 hastuUNI 0

Weiterentwicklung des Bologna-Prozess

Die Kultusminsiterkonferenz (KMK) tagte zum 327. Mal. hastuzeit hat sich den Beschluss angeschaut und die wichtigsten Punkte für euch zusammengefasst.

hastuzeit-Icon-Dimmed 150x150 © 2009 Matthias KretschmannDie Kultusministerkonferenz (KMK) tagte zum 327. Mal und beriet über die Weiterentwicklung des Bologna-Prozess. Dabei ging es auch um die Kritik der Studierenden, die im Sommer protestierten. hastuzeit hat sich den Beschluss angeschaut und die wichtigsten Punkte für euch zusammengefasst.

Zehn Jahre ist es her, dass in Bologna 29 Bildungsminister europäischer Länder zusammen kamen und den kontinentalen Hochschulraum neu gestalteten. Das Vorhaben von damals ist heute Gegenwart und seine Auswirkungen beschäftigten auch die Kultusminister der deutschen Bundesländer auf ihrer 327. Sitzung. In ihrem Beschluss vom 16. Oktober 2009 kann man lesen: „Neben der Anerkennung erzielter Fortschritte und Erfolge wurde aber auch Kritik gegenüber empfundenen Überregulierungen und einzelnen Schwächen des Bologna-Prozesses laut.» Man wolle sich den Schwachstellen annehmen, ohne aber „die erreichten Verbesserungen in der Lehre aufs Spiel zu setzen», heißt es in der Erklärung.

Als Kritikpunkte, die auch aus dem bundesweiten Bildungsstreik (hastuzeit berichtete ausführlich; siehe hastuUNI) hervorgegangen sind, werden unter anderem eine Verschulung des Studiums, fehlender Zugang zu Masterstudienplätzen, Verschlechterung der nationalen und internationalen Mobilität und die geringe Akzeptanz des Bachelor als ersten berufsqualifizierenden Abschluss genannt. Um möglichst schnell und effektiv Verbesserungen einzuleiten, einigte sich die KMK auf mehrere Punkte, die im Folgenden kurz zusammengefasst werden:

Die Ländern halten an den Abschlüssen Bachelor und Master fest und „würdigen ausdrücklich die bisher geleistete Arbeit der Hochschulen». Für sie stehen die neuen Strukturen für Flexibilität und Durchlässigkeit innerhalb des Bildungssystems.

Die Hochschulen sind aufgefordert, bei neuen Studiengängen die möglichen Regelstudienzeiten auch auszunutzen, also nicht nur 3-jährige Bachelor und 2-jährige Master einzuführen.  Bei konsekutiven Angeboten sollen die Hochschulen auch „Mobilitätsfenster» einbauen, damit der Wechsel zwischen Bildungseinrichtungen für Studierende leichter fällt.

Akkreditierungsrat und den Akkreditierungsagenturen sollen zukünftig schärfer darauf achten, dass Studiengänge auch studierbar sind. „Jedes Studienprogramm muss auch daraufhin geprüft werden, ob die den Studierenden zu vermittelnden Kompetenzen sinnvoll definiert sind, der Studiengang für die Studierenden in zeitlicher Hinsicht studierbar ist, der Prüfungsumfang angemessen ist und die Ziele des Studiengangs tatsächlich erreicht werden.» Dabei sollen verstärkt auch Studierende in die Prüfung einbezogen werden.

Die KMK will die Anerkennung von Studienleistungen an unterschiedlichen Hochschulen verbessern. Dabei soll es nicht um „Gleichartigkeit», sondern „Gleichwertigkeit» gehen und die Anerkennung erteilt werden, „sofern keine wesentlichen Unterschiede bestehen.» Die Länder sehen hierin einen entscheidenden Punkt um Mobilität auch innerhalb Deutschlands zu ermöglichen.

Die Länder wollen den Curriculum entlastet und deutlich freier gestalten. Module sollen in der Regel mit nur einer Prüfung abgeschlossen werden und nicht übermäßig untereinander verknüpft sein, damit die Studierenden mehr Freiräume in der Planung ihres Studienablaufes bekommen. Hier soll auch in den Hochschulgesetzgebungen entsprechend geändert werden.

Um den Bachelorabschluss zu stärken, sollen zum Einen nicht-konsekutive und weiterbildende Masterstudiengänge von den Hochschulen ausgebaut werden, dass sie „die Möglichkeit, sich nach einer ersten Berufseinstiegsphase beruflich erforderliche Spezialisierungen anzueignen und sich weiter zu entwickeln», eröffnen. Zum Anderen sehen es die Kultusminister als notwendig an, gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, um Informationsdefizite bei der Wirtschaft bezüglich der neuen Strukturen abzubauen. Deswegen sollte jedes Abschlusszeugnis ein Diploma Supplement enthalten, das Struktur und Inhalt des Studiengangs erklärt. Angeraten wird außerdem, dass Alumni und Wirtschaft in die Weiterentwicklung von Studiengängen einbezogen werden, wobei auch die Länder an Maßnahmen arbeiten wollen, die die Akzeptanz des Bachelorabschlusses fördern (Bsp.: Initiative „Bachelor Welcome»).

Alle genannten Punkte sollen bei der Hochschulrektorenkonferenz besprochen werden und die resultierenden Veränderungen im Frühjahr 2010 einer ersten Evaluierung unterzogen werden.

Wer Interesse hat, den gesamten Beschluss im Wortlaut zu lesen, der kann auf die Webseite des KMK schauen.

Eine direkte Stellungnahme zu den Forderungen der Länder ließ natürlich von Seiten der Hochschulen nicht lange auf sich warten. Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz Prof. Dr. Margret Wintermantel äußerte sich in Bonn zu dem Beschluss der KMK.

Über Julius Lukas

, , , ,

Erstellt: 16.10. 2009 | Bearbeitet: 19.11. 2009 02:14