Nov 2009 hastuPAUSE Nr. 29 0

Vorsicht, ein Trend geht um…

Flashmobs sind eine umstrittene Erscheinung. Auch in Halle sind sie mittlerweile angekommen.

Flashmobs_Markt_NilsBuerger © 2009 Nils BürgerHalle, Marktplatz. Noch völlig ahnungslos stehst Du da. Plötzlich rennt eine Person mit einem Kissen in der Hand an dir vorbei. Ihr folgen viele weitere, genauso bewaffnet. Irgendwann treffen sie aufeinander, und wie in alten Kindertagen hauen sie sich die Kissen um die Ohren. Erneut ertönt ein Pfiff. Plötzlich gehen sie alle wieder auseinander, als wäre nichts gewesen.

Du hast soeben einen Flashmob miterlebt. Einen der ersten, den es hier in Halle gab. Einige werden noch nie etwas von ihm gehört haben. Andere sehen ihn als reine Spaßaktion. Und mancher vermisst den politischen Hintergrund solcher Aktionen.

Die ursprüngliche Idee eines sogenannten »Blitzauflaufs« ist die spontane Zusammenkunft von Menschen in der Öffentlichkeit. Flashmobs haben zwar keinen expliziten Sinn, orientieren sich aber an einem Thema und dauern meist nicht länger als wenige Minuten. Davon zu unterscheiden sind die Smartmobs, die zwar ähnlich ablaufen, aber durch gesellschaftliche und politische Hintergründe motiviert sind. Smartmobs, wie die Bildungsleichen im Rahmen des Bildungsstreiks, richten sich an einen Adressaten und wollen Außenstehende auf eine bestehende Problematik hinweisen. Gemeinsam ist beiden, dass bekannte Internetplattformen als Raum zur Ideenfindung und Absprache dienen. So auch für Halle. »Ich koordiniere die Aktionen in der StudiVZ-Gruppe Flashmob Halle«, erklärt Jesko Habert. Er studiert Spanisch und ­Soziologie an der MLU. »Hier kann jeder Vorschläge für einen nächsten Flashmob bringen. Auf diesem Wege entstanden bereits vier Flashmobs: Im Mai dieses Jahres eine Kissenschlacht. Dieser folgten eine Müllereimeranbetung, ein Wiesenmob und ein Freeze.«

Ob Kissenschlachten oder Zeitvertreib in grünen Oberteilen – der Flashmob ist nun auch in Halle angekommen.

Ob Kissenschlachten oder Zeitvertreib in grünen Oberteilen – der Flashmob ist nun auch in Halle angekommen.

Bisher fanden sich im Durchschnitt 20 Leute zu einem spontanen Auflauf zusammen. Die meisten von ihnen waren Studenten. »Noch ist der Flashmob in Halle ein studentisches Phänomen. Aber es wäre toll, auch mal andere Leute dabei zu haben. Einen Anzugträger zum Beispiel«, meint Jesko. Eine eindeutige Motivation zur Teilnahme gibt es nicht. Einige machen aus Spaß mit, andere bezeichnen Flashmobs als so etwas wie ein Hobby. Ein Flashmob bringt jedoch nicht immer nur Spaß. Teilweise kann er auch Ärgernisse nach sich ziehen und so in Verruf geraten. In Halle gab es bisher nur kleine Probleme. Nach dem Kissenschlachtsflashmob gab die Stadt eine Anzeige gegen Unbekannt auf. Der Markt lag voller Federn.

Jesko versichert: »Es ist natürlich nicht beabsichtigt, Dreck zu hinterlassen. Das scheint meist auch zu klappen, denn bei den anderen Flashmobs kam derartiges nicht nochmal vor.«

Wie schnell das Phänomen trotzdem in Verruf geraten kann, zeigt eine missglückte Party auf Sylt im Sommer. Dort lud sich ein junger Mann per Internetplattform über 5000 Leute ein. Die Folge: eine verwüstete Insel. In den Medien wurde dieses Chaos als Flashmob bezeichnet. Die Negativpresse beeinflusst auch die Politiker. Diese diskutieren vor allem in Hamburg über ein Verbot.

»Die Sache in Sylt kann man nicht als Flashmob sehen. Die Party entspricht in keiner Weise dem Verständnis des Flashmobs. Es gab weder ein Thema, noch sind die Leute nach kurzer Zeit wieder auseinandergegangen. Außerdem wäre es unsinnig, Flashmobs zu verbieten. Damit bricht man das Recht auf Versammlungsfreiheit.«

Solche Aktionen bleiben hoffentlich eine Ausnahme. In Halle scheint es genug Leute zu geben, die nach wie vor an Flashmobs Spaß haben. Das erkennt man vor allem an der Aktivität in der StudiVZ-Gruppe. Hier werden bereits fleißig weitere Ideen gesammelt. Also Vorsicht – erschrick Dich nicht, wenn neben dir wieder ein Pfiff ertönt. Mach doch einfach mit!

Foto: Nils Bürger, Felix Menzel

Über Julia Kloschkewitz

Erstellt: 10.11. 2009 | Bearbeitet: 09.11. 2009 10:21