Studierende protestieren in Wien
Hochschüler besetzen seit dem 22. Oktober das Audimax. StuRa der MLU erklärt sich solidarisch.

(c) Lorenz Hausleitner
Österreichs Hochschulen machen in letzter Zeit vermehrt auf sich aufmerksam. Erst Anfang dieses Monats hörte man aus dem Alpenstaat von Überlegungen, die Zulassung von deutschen Studenten an den eigenen Universitäten zu beschränken. Ihre Zahl war in den letzten Jahren exponentiell auf 18.000 Hochschüler angestiegen. Seit Donnerstag letzter Woche halten nun Studenten der Universität Wien das Audimax in der österreichischen Hauptstadt besetzt. An den Gründen für den Protest sind auch die Migranten aus Deutschland nicht unschuldig.
Ein Kritikpunkt, den die protestierende Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) formuliert, betrifft die Einführung von Studienplatzbeschränkungen, die besonders vor dem Hintergrund zunehmender Studierendenzahlen gefordert wurden. Im Blickpunkt stehen außerdem, wie auch bei den Protesten in Deutschland, die angestrebte Einführung von Studiengebühren und die vorgenommenen Veränderungen im Zuge des Bologna-Prozesses. Die Verschulung der Studiengänge soll gestoppt werden, so die Forderung in Richtung Wissenschaftsministerium. Besonders prekär stellt sich zudem das Betreuungsverhältnis an den Universitäten dar. Im Schnitt kommen 109 Studierende auf einen Professor. In Wien sind es sogar 300.
Auch die finanzielle Ausstattung der Hochschulen wird moniert. »Die Studierenden haben genug. Nun rächt sich das langjährige Kaputtsparen durch die Minister Gehrer und Hahn«, sagt Sigrid Maurer vom Vorsitzteam der ÖH Bundesvertretung und fordert mindestens 2 Prozent des BIP in Bildung zu investieren. Anders als in Deutschland sind in Österreich die Hochschulen Bundesangelegenheit. Wissensschaftsminister ist noch Johannes Hahn. Er wurde aber bereits am Dienstag zum neuen EU-Kommissar für Österreich ernannt. Mit den Benastandungen der Studierenden muss sich nun also sein Nachfolger beschäftigen.
Allerdings stand er heute um 15 Uhr Vertretern der Österreichischen HochschülerInnenschaft zu einem Gespräch bereit. Ergebnisse sind noch nicht bekannt. Die ÖH zeigte die sich zudem begeistert von den zunehmenden Ausmaßen des Protests. Am Mittwochabend waren viele tausend Demonstranten (die Polizei spricht von 10.000, Veranstalter von 50. 000 Personen) durch Wiens Innenstadt gezogen. Zudem formieren sich auch in anderen Hochschulstädten Österreichs Protestgruppen. So zum Beispiel an der Johannes-Kepler-Universität in Linz – einer Partneruni der MLU – wo Studierende seit Dienstag den größten Hörsaal besetzen.
Die Auswirkungen machen sich indessen schon schmerzhaft bemerkbar. Bei der Universität Wien, die mit über 70.000 Studierenden die größte Hochschule Österreichs ist, fielen bereits während des ersten Besetzungstages 100.000 Euro an Mehrkosten an. Jeden Tag erhöht sich die Summe zudem um mindestens 16.000 Euro, da für das besetzte Auditorium Maximum ein Ausweichquartier angemietet werden musste.
Der Studierendenrat der Martin-Luther-Universität erklärte sich am Dienstag mit den Wiener Studenten solidarisch und wies gleich noch auf die ähnlichen Probleme an der eigenen Universität hin. »Schließlich geht es uns wie den gerade Streikenden in Wien – wir wollen und können die Folgen der verfehlten Bildungspolitik seit der Durchsetzung des Bolognaprozesses an unserer Hochschule sowie die ständigen Mittelkürzungen nicht mehr hinnehmen«, heißt es in der Erklärung des StuRa.
Über Julius Lukas
Erstellt: 29.10. 2009 | Bearbeitet: 30.10. 2010 18:50
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