Nov 2009 hastuUNI Nr. 29 0

Studienbedingungen verbessern, aber wie?

Zwischen Besetzung und Tag X: Studentisches Engagement hat viele Gesichter

Uni_bibliothek_AnkaBuechStell Dir vor, du hast ein paar Gäste eingeladen, die wollen am Ende der Party einfach nicht gehen. Erst redest Du ihnen gut zu, dann rufst Du Security-Personal, aber ein gutes Dutzend weigert sich trotzdem – und bleibt. Erst nach ein paar Stunden zieht die Meute ab.

So sah am 9.  Juli eine Aktion von Studierenden aus. Nur war der Ort des Geschehens nicht Deine Wohnung, sondern eine Zweigbibliothek der Universität. Die Kommilitonen wollten mit ihrem Starrsinn längere Öffnungszeiten in der sozialwissenschaftlichen Bibliothek bewirken und hatten sich verabredet – um gemeinsam länger zu lernen. Also kein Partygag, sondern der Versuch, etwas zu verändern in »Ha 98«.

Zumindest für diesen und einen weiteren Abend konnten alle länger bleiben, beaufsichtigt von Wachpersonal. Doch nach wie vor schließen sich die Türen in der Emil-Aderhalden-Straße 45 bereits um 18 Uhr von Montag bis Donnerstag, freitags schon um 14 Uhr. Anders als im Juridicum oder der pädagogischen Bibliothek. Auch ansonsten gibt es Unterschiede: Die sozialwissenschaftliche Bibliothek ist eher unübersichtlich. Das kommt vor allem daher, dass hier sehr viele Bücher nicht in einem Zweckbau, sondern in ­einem normalen Gebäude untergebracht sind. Viele kleine Räume reihen sich aneinander, dazwischen immer wieder ein oder zwei Tische. Eine Notlösung bis zum Tag X. An diesem Tag wird das Geistes- und Sozialwissenschaftliche Zentrum (GSZ) eröffnet. Ein großes Gebäude mit Vorlesungssälen, Seminarräumen und Platz für die in der Stadt verstreuten Bibliotheken. Bisher ist es allerdings noch nicht gebaut.

Der Verweis auf das GSZ wird seit Jahren klagenden Studierenden gegenüber vorgebracht. Das war es wohl auch, was die Gruppe im letzten Semester veranlasste, so unorthodox zu protestieren. Bis zur Fertigstellung des GSZ werden wohl noch ein oder zwei komplette Bachelor-Jahrgänge die Universität passieren, ohne diesen Tempel der Geisteswissenschaften je betreten zu haben. Elise Geyer, Politikstudentin und Fachschaftsrätin, nahm sich angesichts der Bibliotheksbesetzung dieses Themas an. »Die Bibliothek ist ein wichtiger Ort«, lautet ihre Meinung. Wer lernen wolle, müsse sie einfach benutzen können. Das geht allerdings nur innerhalb der Öffnungszeiten, da die meisten Bücher zwar über das Wochenende, ansonsten jedoch nicht ausleihbar sind. Schlimm trifft es die Bachelor-Generation: Sie sitzt in einer Zwickmühle. Denn die Zeiten von Vorlesungen und Seminaren, in denen nun oft Anwesenheitspflicht herrscht, decken sich mit den Öffnungszeiten der Bibliothek. Sobald man alle Veranstaltungen absolviert hat, macht die Bibliothek bald schon zu. Davon abgesehen gilt: Wenn die Immatrikulationszahlen, gerade in den geistes- und sozialwissenschaftlichen Studiengängen der MLU, weiterhin so stark wachsen, müssen die Bibliotheken entlastet werden.

Um das zu erreichen, setzte sich Elise mit der Bibliotheksleitung in Verbindung. Diese stellte daraufhin einen »Antrag auf Erweiterung der Mittel«. Von der Universitätsleitung kam allerdings noch nichts zurück – bis heute. An diesem Punkt heißt es ansetzen. Es muss die Kommunikation mit der Universitätsleitung sowie der Bibliotheks- und Institutsleitung gesucht werden. Von den Studierenden selbst. Dann werden bessere Studienbedingungen vielleicht irgendwann Wirklichkeit.

Illustration: Anka Büchler

Über Julia Solinski

Erstellt: 09.11. 2009 | Bearbeitet: 15.12. 2009 19:35