Nov 2009 hastuINTERESSE Nr. 29 0

Okma – OK Markus

Er spricht ohne Scheu über sein Handicap. Aber viel lieber spricht er von seiner Musik.

okma-und-relupsEr trägt weder eine Aluminium-Maske vor seinem Gesicht, noch kann er von sich behaupten, er hätte schon mehrere Schießereien auf offener Straße überlebt. Doch das will er auch gar nicht. Markus Samek ist 27 Jahre alt, lebt in Wien, macht Rap-Musik unter dem Pseudonym »Okma«, und in seinem Erbgut ist das 21. Chromosom dreifach vorhanden.

Als ich ihn anrufe, verabschiedet er sich gerade von seiner Freundin. Es ist Freitagabend. Ich begleite ihn auf seinem Heimweg durch die Straßen und U-Bahnen Wiens, am Telefon. Wüsste man nicht von seiner Behinderung, man würde wohl kaum bemerken, dass er unter dem Down-Syndrom leidet. Mit seiner Freundin ist er seit über einem Jahr zusammen. Mehr verrät er mir nicht über sie. Warum auch, wir kennen uns ja erst seit drei Minuten.

So fällt es ihm am Anfang schwer, über private Dinge zu reden. Seine drei älteren Geschwister sind für ihn ein Grund, dass er trotz seiner Behinderung so selbstständig ist. »Die haben mich überall mit hin geschleift«, und deshalb sei er sozusagen als »Normaler« aufgewachsen. Für die Eltern ist seine Selbstständigkeit eher ein Problem. »Sie wollen mehr entscheiden über mich und wollen natürlich, dass ich sie öfter besuche und solche Sachen«, sagt er und verweist trotzdem im Anschluss sofort auf das gute Verhältnis zu seinen Eltern.

Dass ihm Freunde und vor allem seine Familie besonders wichtig sind, bringt er auch in seinen Liedern immer wieder zum Ausdruck. Markus Samek geht es darum, »Musik, die ins Herz geht« zu produzieren. Rapper, die mit aggressiven und obszönen Texten auf sich aufmerksam machen müssen, findet er abstoßend. Sein Ziel ist es, »die Leute zum Nachdenken zu bewegen, aber auch zum Chillen einzuladen«. Ersteres erreicht er mit Liedern wie »Wenn ich sterbe« oder mit »Mein Leben«, einem der wenigen Songs, in dem er seine Krankheit thematisiert. »Wie ich gehört habe, dass ich behindert bin, wollte ich es nicht wahrhaben. Mittlerweile bin ich anderer Meinung, weil ich weiß, dass meine Familie hinter mir steht«, heißt es in dem Song. Dabei betont er immer wieder, dass es ihm schwer falle, über seine Behinderung Texte zu schreiben. Die Musik sei nicht nur seine große Leidenschaft, sondern stelle auch eine Form der Therapie für ihn dar.

Seine Musikkarriere hat er vor ungefähr zehn Jahren als Sänger in der integrativen Band »Echt Stoak« begonnen. Seit vier Jahren ist er jetzt als »Okma« unterwegs. Dabei wird er unterstützt durch den Musiktherapeuten Robert Duda alias »Relups«, der für die Beats verantwortlich ist. Die Texte für seine Lieder schreibt der Rapper alle selbst. Zusammen haben sie ihr erstes Album »Musikreise« aufgenommen und arbeiten bereits am zweiten Album »Multi Kulti«. »Der Name ist Programm«, verspricht Markus Samek und schließt auch, nachdem er im Juli diesen Jahres bereits als Vorband von »Frittenbude« hier gespielt hat, einen erneuten Auftritt in Halle nicht aus.

Aber auch im Ausland will er auf seine Musik aufmerksam machen und von anderen Künstlern Erfahrungen sammeln. Erfahrungen mit Menschen, die unterschiedlich mit seiner Behinderung umgehen, hat er zur Genüge gemacht. Hauptsächlich waren diese jedoch negativ. Dann entgegnet er ihnen immer: »Hey Leute, schaut uns an, wir sind Menschen, die anders, aber trotzdem Menschen sind«. Für die 90 Prozent der Schwangeren, die sich für eine Abtreibung entscheiden, sobald bei ihrem ungeborenem Kind Trisomie 21 diagnostiziert wird , kann er kein Verständnis aufbringen und findet es »einfach menschenverachtend«.

Über solche Dinge reden wir beide nun ganz offen und tabulos, denn wir sind fast angekommen bei ihm zu Hause und hatten eine Strecke quer durch die Hauptstadt Österreichs Zeit, uns kennenzulernen.

Foto: Okma

Weitere Informationen unter: http://www.myspace.com/okma66

Über Fabian Brenner

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Erstellt: 15.11. 2009 | Bearbeitet: 23.12. 2009 15:20