Jul 2009 hastuPAUSE Nr. 27 0

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden…

…deshalb wollen wir Euch hier zeigen, wie es wirklich im Leben zweier Theologie-­Studentinnen aussieht.

Theologie StudentenFreitagabend, WG-Party. Mit dabei: eine Freundin unserer Mitbewohnerin – Nadja – und Ausgabe 26 der hastuzeit. Der Artikel über die typische Theologiestudentin macht die Runde und sorgt für Gelächter. »So sind sie, die Fans Gottes.« – »Sind sie nicht!« entgegnet uns Nadja. »Ich erkläre euch, wie es in der Theologie zugeht.«

Ein paar Tage später treffen wir sie im Theologischen Institut wieder. Sie ist gepierct, tätowiert, und wie wir wissen, kann sie auch feiern. Sie hat außerdem Julia mitgebracht, die zusammen mit ihr Theologie auf Lehramt studiert. Sie sieht gleichermaßen »unchristlich« aus. Kurzum: nicht wie die Studentinnen aus unserem Klischee. Und auch das Institut ist offen, neu und frisch. Ziemlich schick sogar. Die beiden führen uns an ihren Lieblingsplatz, ein altes Ledersofa, über dem eine Tafel mit den Fachrichtungen hängt.

»Wir haben hier auch Basis- und Aufbaumodule. Zum Beispiel in Bibelwissenschaften, wo man Neues und Altes Testament behandelt. Und Systematische und Praktische Theologie«, erklärt uns Nadja. »Ihr dürft euch das aber nicht so vorstellen, dass wir hier jeden Tag die Zehn Gebote runterbeten«, ergänzt Julia. Apropos! Wie halten es die beiden mit der Religion? Dazu sagt Julia: »Ich wurde getauft, als ich ein halbes Jahr alt war. Ich wurde streng gläubig erzogen. Mein Opa arbeitet zudem in der Kirche. Wir beten in der Familie zu feierlichen Anlässen und gehen dann auch gemeinsam in die Messe.« Studiert sie deswegen Theologie? »Nein, das war eher Zufall. Ich brauchte noch ein Nebenfach; da war es praktisch, dass Theologie NC-frei ist.«

Bei Nadja hat es sich ähnlich ergeben: »Ich brauchte auch noch ein Nebenfach. Als ich gesehen hab, dass hier Theologie angeboten wird, habe ich mich dafür eingeschrieben. Ich gehöre zwar keiner Kirche an, aber ich glaube, dass es so was wie eine höhere Macht gibt. Außerdem interessiere ich mich für die Kirchengeschichte.« Die Taufe steht ihr allerdings noch bevor: »Bevor man unterrichten darf, muss man noch eine Prüfung in der Kirche ablegen, um die Vokation (Kirchliche Berufung in ein geistliches Amt; Anm. d. Red.) zu erhalten. Das geht nur, wenn man getauft ist. Ich freue mich auf die Zeremonie. Aber eigentlich ist diese Verpflichtung etwas unwissenschaftlich, wenn man Lehrer werden will.«

Auch die Dozenten in der Theologie sind der Meinung, dass man Wissenschaft und eigenen Glauben trennen sollte. Julia erklärt uns: »Wir lesen und diskutieren kritische Kommentare. Auf Grund verschiedener Übersetzungen werden die Texte aus mehreren Blickwinkeln gelesen und wissenschaftlich beleuchtet.« Nadja ergänzt: »Und das, obwohl manche hier so wirken, als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht, als die Bibel zu lesen. Ich habe Respekt vor ihrem Wissen. Das passt einfach. Denn manche sehen mit ihren langen Haaren aus wie Jesus.«

Wir schauen uns um, ob es unter den Studenten andere biblische Gestalten gibt. »Eigentlich sind wir eine ausgeglichene Gesellschaft von SpoWis über Gothics bis hin zu Pfarrerstöchtern. Den meisten kann man nicht ansehen, dass sie Theologie studieren.« Ein Gemeinschaftsgefühl kommt trotzdem auf. Vor allem dank der Dozenten: »Man wird hier richtig an die Hand genommen. Modulanmeldungen werden zusammen ausgefüllt. Und auch die Sekretärinnen haben immer ein offenes Ohr, wenn man sich mal ausheulen will.« Eine herzliche, familiäre Atmosphäre. Auch unter den Studenten. Vorurteile sind wie ausgelöscht. Doch Klischees von außen kennen Julia und Nadja. »Man hört da schon mal Dinge wie ›Oh Gott, wie kann man so was überhaupt noch studieren?‹ oder ›Dürft ihr überhaupt Sex haben?‹« Wenn sie mit solchen Fragen konfrontiert werden, grinsen beide nur frech.

Über Julia Kloschkewitz

Erstellt: 06.07. 2009 | Bearbeitet: 05.10. 2009 01:00