Mrz 2009 hastuUNI Nr. 24 1

»Mehr Geld kann ich als Kanzler nicht drucken.«

Seit sieben Jahren ist Dr. Martin Hecht Kanzler der MLU. Grund genug für die hastuzeit, ihn zu einem Gespräch zu bitten und über alte und neue Bauvorhaben, Effektivierungszwang in der Verwaltung und seine eigene Zukunft in Halle zu reden.

Martin Hecht in seinem Büro am Uniplatz

In einem Interview zu Beginn Ihrer Amtszeit sagten Sie: »Halle wird immer mehr zu einer attraktiven Stadt.« Wie gefällt es Ihnen sieben Jahre später hier?

Halle gefällt mir heute noch besser. Die Stadt hat sich wirklich weiter entwickelt, und das ist keine Floskel, sondern Realität, wenn man sich das Stadtbild anschaut, die Bevölkerung oder auch die kulturelle Szene, die mit dem Landesmuseum für Vorgeschichte und der Moritzburg echte Highlights bekommen hat. Natürlich hat auch die Universität einiges dazu beigetragen. Wenn ich zum Beispiel an die Kasernenanlage in Heide-Süd denke, bei der man hoffentlich bald von einer Universitätsanlage spricht, oder auch an das Geistes- und Sozialwissenschaftliche Zentrum (GSZ), das in der Mitte der Stadt verankert sein wird. Außerdem zeigt sich die Universität für viele Veranstaltungen, wie zum Beispiel die Aulakonzerte verantwortlich, die die Stadt noch attraktiver machen.

Sie haben gerade zwei der wichtigsten Bauten erwähnt, die die vergangene und wohl auch die zukünftige Dekade der MLU bestimmt haben und werden. Das Forschungsverfügungsgebäude in Heide-Süd ist zu guten Teilen fertig, beim GSZ ist man noch nicht so weit. Wie steht es um diesen lange geplanten Bau?

Der Landesbetrieb Bau hat den Bauauftrag vom Kultusministerium erhalten. Einer der wesentlichen ersten Schritte war die Abstimmung eines städtebaulichen Leitbildes mit der Stadt. Darin wird dargestellt, wie auf dem Gebiet Emil-Abderhalden-, Adam-Kuckhoff- und Ludwig-Wucherer-Straße gebaut werden kann. Nach Erledigung weiterer Vorarbeiten wird es in Kürze zur Ausschreibung für die Sanierungsarbeiten und die Neubauten kommen. Für den Bibliotheksneubau wird es einen Architektenwettbewerb geben, so dass ich denke, dass 2010 Baubeginn sein wird.

Im Gespräch ist auch das Areal auf der anderen Seite der Ludwig- Wucherer-Straße, wo heute zum Beispiel der Bauernclub ist. Was genau soll dort entstehen?

Das Konzept sieht vor, dass wir auf dem eigentlichen Campus keinen Autoverkehr haben werden. Deswegen wollen wir die Fläche auf der anderen Seite der Wucherer-Straße, wo heute das Kühn-Haus steht, nutzen, um dort Stellplätze zu errichten. Es ist geplant, dass wir mit einem privaten Betreiber das Parkhaus errichten, das dann entgeltlich zu nutzen ist. Man wird also aller Voraussicht nach für das Parken bezahlen müssen, weil die Landesregierung eine Parkraumbewirtschaftung fordert.

2013 soll dann das Meiste fertig sein und die Institute umziehen. Wie war deren Reaktion auf den Umzug?

Alle Institute, die im GSZ unterkommen, wollen dies auch. Davon gehe ich fest aus, denn es gibt ein ganz zentrales Argument für den Standort: die neue Bibliothek. Diese ist ja für den Geisteswissenschaftler quasi das Labor der Naturwissenschaftler. Ich denke, dass das Angebot so attraktiv sein wird, dass die Institute gerne umziehen werden.

Über das GSZ wurde in den vergangen Jahren vor allem wegen dessen Standort viel diskutiert und berichtet. Währenddessen entstand in Heide-Süd ein Objekt, das vom Umfang weit größer ist. Von welchen Dimensionen sprechen wir hier?

Es ist tatsächlich so, dass die Investitionssumme in Heide-Süd weit größer ist als beim GSZ. Sie beläuft sich auf 80 Millionen Euro und wurde aus Mitteln von Land, Bund und dem europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert. Im Verhältnis wird das GSZ rund 50 Millionen Euro kosten und mit 13 600 Quadratmeter Nutzfläche auch weniger groß sein als der Bereich des Forschungsverfügungsgebäudes mit über 18000 Quadratmetern. Der deutliche Unterschied hängt aber auch mit der technologischen Ausstattung zusammen, die teilweise sehr teuer ist. Insgesamt ist es aber schlicht und ergreifend ein größeres Projekt als das GSZ.

Einige Institute sind bereits nach Heide-Süd umgezogen, andere sollen folgen. Wie lange wird sich dieser Prozess noch hinstrecken?

Wir wollen den Umzug in den Sommersemesterferien 2009 weitgehend abschließen, und ich gehe davon aus, dass die Restarbeiten in diesem Zeitraum auch abgeschlossen werden können. Zwei ergänzende Bauten, das Gewächshaus und das Hörsaalgebäude, werden im Dezember diesen und Oktober nächsten Jahres arbeits- und funktionsfähig sein. Anfangs wird deswegen der Betrieb etwas eingeschränkt sein, aber viele Gebäudeteile können schon ab diesem Sommer benutzt werden. Wir kommen jedoch nicht umhin, so lange Kapazitäten in der Innenstadt zu nutzen, solange das Hörsaalgebäude noch nicht fertiggestellt ist.

Forschungsverfügungsgebäude und GSZ werden in Zukunft viele tausend Studenten beherbergen. Wird es dort auch Raum für studentische Interessenvertretungen wie Fachschaften oder Institutsgruppen geben?

Grundsätzlich dürfen wir in den formalen Bauanträgen solche Räume nicht vorsehen. Dafür gibt es kein Geld. Das Rektorat war jedoch trotzdem bemüht, die Nutzfläche in einem solchen Umfang zu beantragen, dass es vor Ort durchaus Spielräume gibt. Ich schlage vor, dass sich die entsprechenden Interessenvertretungen mit den Dekanen und der jeweiligen Institutsleitung in Verbindung setzen. Die Fakultäten werden daran interessiert sein, Interessenvertretungen zu etablieren.

Bis jetzt waren die vielen Institute der MLU weitestgehend über die Stadt verteilt.Mit Forschungsverfügungsgebäude und GSZ entstehen zwei große Zentren. Welche Vor- und Nachteile sehen Sie in dieser Konzentration?

In der heutigen Zeit des sehr begrenzten Ressourceneinsatzes ist eine Konzentration von verwandten Einrichtungen geboten. Da braucht man eigentlich gar nicht mehr darüber nachzudenken, ob es Nachteile gibt; sicherlich verschwinden die Naturwissenschaften ein wenig aus dem Bild der Innenstadt. Ansonsten spricht sehr vieles für eine Konzentration, insbesondere in inhaltlichen Fragen und Angelegenheiten der Ressourcenbewirtschaftung. Hier denke ich an Bibliotheksbestände oder den Gebäudebetrieb. Das Konzept der Konzentration wird von externen Wissenschaftlern sehr häufig als großer Vorteil am Standort Halle formuliert. Die Akzente der räumlichen Verteilung der Universität in der Stadt sind also gesetzt.

Eines Ihrer Ziele zu Beginn Ihrer Amtszeit lautete: »Wir müssen alle daran arbeiten, dass Verwaltung kein Gegensatz zur akademischen Welt ist, sondern als Ergänzung und Unterstützung die Erfolge in Forschung und Lehre vergrößert.« Wie erfolgreich war dieser Vorsatz bis jetzt?

Dieser Satz gilt natürlich immer noch und muss eine Arbeitsmaxime von mir und allen Mitarbeitern in der Administration sein. Ich denke, dass ich in der Amtszeit der Erfüllung dieser Maxime ein Stück näher gekommen bin. Wir haben zum Beispiel alle Angelegenheiten, die administrativ zu Forschungsfragen gehören, schon relativ früh zusammengelegt. Andererseits arbeiten wir gerade daran, den Studierendenservice zu verbessern, indem wir sehr viel stärker auf Transparenz und Information setzen. In allen Bereichen der Verwaltung ist in den vergangenen Jahren sehr hart gearbeitet worden. Ob es der Service für den Lehr- und Forschungsbetrieb oder die DV-Infrastruktur, das Bauen, die Personalverwaltung oder die Haushaltsabteilung ist, wo zum Beispiel die Budgetierung der Fakultäten eingeführt worden ist. Im Vergleich zu vor sieben Jahren sind wir besser geworden. Nur mehr Geld kann ich als Kanzler nicht drucken. Da sind wir insgesamt als Universität gefordert, dies im politischen Raum deutlich zu machen.

Sie erwähnten bereits, dass die Hochschule gnadenlos unterfinanziert ist. Stehen Sie unter großem Effektivierungszwang, oder sehen Sie die ganze Situation eher locker?

Locker ist da nichts zu sehen. Wir müssen uns natürlich genau überlegen, wie wir den Einsatz des Personals in der Lehre optimieren können, ohne dass die Vielfalt der Fächer verloren geht. Außerdem müssen forschungsstarke Einrichtungen, die vielleicht nicht voll ausgelastet sind, ihre Existenzberechtigung behalten. Da liegt ein anspruchsvoller Optimierungszwang vor. Seitens der administrativen Einheiten ist zu jedem Zeitpunkt zu rechtfertigen, für welchen Preis welche Leistung abgegeben wird. Im Zweifel ist die eigene Existenz zu hinterfragen. Administrativer Service muss so ausgelegt sein, dass die wissenschaftlichen Einheiten bestmögliche Erfolge erzielen können. Dazu gehört aber auch, dass die Serviceeinheiten so ausgestattet sein müssen, dass die erwartete Hilfestellung und Unterstützung erfolgen kann.

Denken Sie, dass auch Studenten zukünftig noch mehr zur Kasse gebeten werden, um der Unterfinanzierung entgegen zu steuern?

Aus meiner Sicht sollte man die Diskussion um Studiengebühren nicht verbieten, solange wir über relativ geringe Beiträge sprechen. Sie ist aber ergebnisoffen zu führen. Folgende Aspekte gehen mir dazu sofort durch den Kopf: Studiengebühren müssen sozial abgefedert sein. Ist der zu erzielende Ergänzungsbeitrag so hoch, dass der Lehr- und Forschungsbetrieb sichtbar gestärkt werden würde? Können Servicebereiche deutlich besser ausgestattet werden, um den durch Studiengebühren gestiegenen Ansprüchen seitens der Studierenden gerecht zu werden? Wie attraktiv ist der Studienstandort Halle mit Studiengebühren im Vergleich zu anderen Standorten? Viele Fragen wären noch aufzuwerfen.

Herr Kanzler, 2010 endet Ihre Amtszeit. Ihr Vorgänger Wolfgang Matschke hörte nach 8 Jahren auf. Haben Sie diesbezüglich schon feste Pläne?

Klar. Zunächst einmal versteht es sich bei dem attraktiven Tätigkeitsfeld, dass ich weiter in der Wissenschaftsadministration tätig sein möchte und werde. Ich habe angekündigt, dass ich mich für eine weitere Amtszeit bewerben werde, und das ist ja auch möglich. Bis vor wenigen Jahren war es noch so, dass die Kanzlertätigkeit unbefristet war. Damit konnte im Rektorat ein Teil der Kontinuität sichergestellt werden, die für eine langfristig ausgerichtete Hochschulentwicklung notwendig ist. Die Arbeit ist dermaßen vielschichtig und interessant, dass ich nicht wüsste, warum ich mich da nicht bewerben soll.

Über Julius Lukas

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Erstellt: 01.03. 2009 | Bearbeitet: 26.03. 2015 02:45