Dez 2009 hastuUNI Nr. 30 0

Lichtblick für alle Studierenden?!

Ein Stipendium ist für Studierende ideal, wenn es um die Finanzierung ihres Studiums geht. Doch worauf legen die Stiftungen besonders viel Wert und welche Förderung sieht die Bundesregierung vor?

Arbeitskreis im Grünen: Stipendiaten der Heinrich-Böll-Stiftung beim Erfahrungsaustausch

Arbeitskreis im Grünen: Stipendiaten der Heinrich-Böll-Stiftung beim Erfahrungsaustausch

In Deutschland erhalten zwei Prozent aller Studierenden ein Stipendium. Das hat die jüngste Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks ergeben. In den kommenden vier Jahren will die Bundesregierung zehn Prozent erreichen. Dafür ist auf bundesweiter Ebene eine einkommens-unabhängige Förderung geplant. Diese finanzielle Förderung soll sich auf 300 Euro belaufen, davon sollen 150 Euro Bund und Land tragen, 150 Euro private Förderer. Um diese Landesmittel jedoch zu erhalten, ist es Aufgabe der Hochschulen, sich um private Förderer (wie Unternehmen, Stiftungen oder Privatpersonen) zu bemühen.

Carola Reimann (SPD), Mitglied des Bundestages und im Ausschuss für Bildung und Forschung, meint dazu: »Wirtschaftlich schwache Bundesländer werden damit jedoch benachteiligt, vor allem die neuen Bundesländer können nicht ausreichend Mittel aus der Privatwirtschaft generieren.« Zudem befürchten Studierende, dass die ohnehin unterfinanzierten Geisteswissenschaften nur wenig von dem Unternehmertopf profitieren, denn in der Wirtschaft seien eher mathematisch-technische Fächer gefragt. Eine weitere Erhöhung ist auch beim Büchergeld geplant, hier sollen statt 80 nun 300 Euro zur Verfügung stehen.

Von der Idee der einkommensunabhängigen Förderung halten auch die Stiftungen viel. Studierende, die knapp über der BaföG-Grenze liegen, könnten so eine finanzielle Unterstützung bekommen. Die Heinrich-Böll-Stiftung fördert derzeit zwölf Studierende der MLU Halle-Wittenberg. Bei der Friedrich-Naumann-Stiftung sind es acht Studierende – von 18 000 insgesamt. »Eine Breitenförderung ist mit den Stipendien nicht möglich«, so Oliver Paulsen, Geschäftsführer der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt. Die Mittel der Bundesregierung reichen bislang nicht für mehr Stipendien, da auch die Zuwendungen der Stiftungen bemessen sind.

In Deutschland gibt es elf große Begabtenförderwerke. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie erwarten vom zukünftigen Stipendiat sehr gute Leistungen während des Studiums, aber auch andere Auswahlkriterien sind entscheidend. »Stipendien sind nicht nur was für Überflieger mit 1,0 Durchschnitt. Viel wichtiger ist soziales Engagement in Vereinen oder in Organisationen der Hochschule. Wir wollen interessante Menschen – »Persönlichkeiten« – fördern«, betont Oliver Paulsen.

Doch gerade bei den sechs parteinahen Stiftungen bleibt die Frage der Parteizugehörigkeit. »Man muss nicht Mitglied der Partei sein, aber man sollte sich mit den Ideen der Partei identifizieren können«, erzählt Uwe Lühr, Leiter des Regionalbüros der Naumann-Stiftung. Eine Stiftung sei zwar kein »Sprachrohr« der Partei, die Inhalte dieser werden dennoch bei Pflichtveranstaltungen gemeinsam mit den Stipendiaten aufgearbeitet.

Des Weiteren haben viele Stiftungen noch immer nicht das Stipendiensystem dem Bachelor/Master–Programm angepasst. Bei sechs Semestern Regelstudienzeit werden die Studierenden meist erst ab dem dritten oder vierten Semester gefördert; quasi wenn die Hälfte des Studiums schon vorbei ist. Deswegen haben einige Stiftungen die Möglichkeit eines Probestipendiums konzipiert, bei der StudentInnen schon ab dem ersten Semester gefördert werden.

Foto: Heinrich-Böll-Stiftung

Am 14. Dezember stellen sich in den Frankeschen Stiftungen, Haus 31 ab 18.00 Uhr alle Stiftungen vor.

Über Caroline Lange

Erstellt: 10.12. 2009 | Bearbeitet: 23.12. 2009 15:20