Nov 2009 hastuUNI 0

Kultusminister Olbertz über Sachsen-Anhalts Bildungspolitik

Der Bildungsstreik hat an der MLU kaum etwas bewirkt. Weitere Kürzungen werden befürchtet. Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz sprach am Donnerstag, den 4. November, über alte und neue Probleme.

Olbertz beim RCDS am 05. November 2009Der Bildungsstreik hat an der MLU kaum etwas bewirkt. Weitere Kürzungen werden befürchtet. Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz sprach am Donnerstag, den 4. November, über alte und neue Probleme.

Während des Bildungsstreiks an der MLU hatten zahlreiche Studenten vor allem die Unterfinanzierung der MLU und die missglückte BA/MA-Umstellung kritisiert. Kultusminister Olbertz wandte sich bei seinem Besuch genau diesen Punkten zu und sprach über Defizite und Chancen der Hochschullandschaft Sachsen-Anhalts. Er sei auch deswegen gekommen, um Probleme rechtzeitig zu erkennen und Entscheidungen bezüglich der Bildungspolitik zu erklären.

Nicht mehr Geld werde es in Zukunft für die Universitäten geben, sondern weniger. Die Kürzungen werden die Exzellenzförderung betreffen, die nun höchst wahrscheinlich um 25 % zu Lasten der Unterstützung von Einzelprojekten eingeschränkt werde. Angesichts der hohen Neuverschuldung von Sachsen-Anhalt sei dies ein Vorschlag aus der puren Not heraus, wie Olbertz verlauten ließ. Er  betonte, dass so zumindest die Exzellenzentren weiterhin in gleichem Maße gefördert werden könnten. An überfüllten Hörsälen sei auch nicht unbedingt ein zu geringes Budget Schuld. Hier müssten seitens des Rektorats die gegebenen Mittel gerechter verteilt werden und die Nachfrage auf die verschiedenen Studiengänge besser voraus gesehen werden. Die Studierendenanzahl zu begrenzen, stelle keine Lösung dar. Im Gegenteil: Um die besorgniserregende demographische Situation in Sachsen-Anhalt auszugleichen, benötige man unbedingt Zuwanderung.

Die Forderung nach mehr Geld für die Universitäten sei illusorisch, teilte Olbertz den Studenten gleich zu Beginn mit. Demnach müsse dazu übergegangen werden, die begrenzten Ressourcen sinnvoll zu nutzen. Ein Gedanke, der hier nahe liege, sei die Schließung zweier Hochschulstandorte in Sachsen-Anhalt, um dafür die Verbleibenden richtig gut ausstatten zu können. Schließlich stehe in Hinblick auf die Standorte Halle und Merseburg auch die Frage zur Debatte, wie nah zwei Hochschulstandtorte eigentlich liegen dürften, damit es noch Sinn macht. Auch wenn es unter Olbertz» Amtszeit zu keiner Schließung kommen werde, fordere er in diesem Zusammenhang eine stärkere Profilierung der Hochschulen, damit es weiterhin Sinn mache, zahlreiche Hochschulstandorte zu halten. Die Hochschulen Harz und Stendal hätten sich beispielsweise erfolgreich spezialisiert. Im Durchschnitt seien die Hochschulen in Sachsen-Anhalt hingegen Mittelmaß, da kaum Schwerpunkte gesetzt würden, sondern überall einfach alles angeboten werde. Das zeige sich besonders bei den Ingeneurwissenschaften, die deshalb in Sachsen-Anhalt mittelmäßig statt exzellent seien.

Bezüglich der Bologna-Kritik gibt Olbertz zu: Der BA/MA-Umbauprozess sei nicht geglückt. Daran, dass eine Überfrachtung der BA-Studiengänge an Stelle von Praxisnähe und Bezug aufs Wesentliche eingetreten sei, müsse zukünftig  gearbeitet werden. Der vielfach geäußerten Kritik an der Begrenzung der MA-Plätze begegnete Olbertz mit Verständnis. Zumindest sprach er sich gegen eine willkürliche Quotierung für den Master aus.

Der Grundtenor von Olbertz» Rede war eindeutig. Das Jammern und Klagen der Martin-Luther-Universität – das der Minister von keiner anderen Hochschule in dieser Weise höre – sei sinnlos. Stattdessen müsse mehr Kraft darauf vewendet werden, sich mit den gegebenen Umständen zu arrangieren. Gegebene Mittel müssten besser verteilt, Schwerpunkte an der Universität gesetzt und die neuen Studiengänge besser konzipiert werden. Die Forderung nach mehr Geld sei hingegen nicht zeitgemäß und illusorisch.

Über Julia Glathe

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Erstellt: 08.11. 2009 | Bearbeitet: 25.11. 2009 08:15