Okt 2009 hastuUNI Nr. 28 0

Kein Geld, keine Lehre, kein Studium

Der AK Bildungspolitik hat einen Runden Tisch organisiert, um Politiker und Interessierte über die finanzielle Lage der Universität zu informieren.

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Foto: Enrico Seppelt (www.halleforum.de)

Was haben die folgenden Länder mit Deutschland gemeinsam: Türkei, Tschechien und Irland? Sie geben alle, gemessen an ihrem BIP, unterdurchschnittlich wenig Geld für Bildung aus. Das hat eine neue OECD-Studie im September ergeben. Also müsste man eigentlich mehr Geld für Bildung ausgeben, um international nicht den Anschluss zu verlieren. »Die Universitäten haben kein Recht, von Kürzungen verschont zu bleiben«, so Finanzminister Bullerjahn am 9. September im Gespräch mit insgesamt über 200 Studierenden und Mitarbeitern der MLU.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die Gesprächsrunde im September war dazu da, gemeinsam mit Vertretern des Landes Sachsen-Anhalt über die derzeitige finanzielle Lage der Universität zu diskutieren. Dazu hatte man Finanzminister Jens Bullerjahn und Thomas Neumann vom Kultusministerium eingeladen. Der geplante Landeshaushalt 2010/2011 sieht für die Uni Halle Kürzungen im Rahmen von zwölf Millionen Euro vor. Jede einzusparende Million würde die Uni circa 20 Stellen kosten, so Martin Hecht, Kanzler der MLU. Der Arbeitskreis (AK) Bildungspolitik, ein neuer AK des Stura, fordert in seinem Thesenpapier zwölf Millionen Euro »zusätzlich« für die MLU. Das Geld benötige man aber nicht für Neuanschaffungen, sondern dazu, um das derzeitige Niveau der Lehre aufrechtzuerhalten. Prorektor Bernd Six hatte von »Existenzsicherung der Universität« gesprochen. Die Organisatoren hatten sich intensiv auf die Debatte mit dem Finanzminister vorbereitet. Dass man seine Uni an einem Abend retten könne, daran hat niemand geglaubt. »Es geht nicht, dass Herr Bullerjahn kurz in sein Notizbuch schaut und sagt: Oh, da habe ich ja noch ein paar Millionen«, so Michael Seifert vom Stura. Ziel der Veranstaltung war es also nicht, konkrete Alternativen zu finden, sondern den Landespolitikern anschaulich darzustellen, was passieren wird, wenn sie nicht zur Räson kommen.

Die Sache mit der Prioritätengesellschaft

Bullerjahn machte von Anfang an klar: »Die Hochschulen haben kein Recht, von Kürzungen verschont zu bleiben.« Außerdem verstehe er nicht, wie man bisher von Kürzungen sprechen könne. Die Universitäten wären beim Kabinettsbeschluss bisher immer angeblich relativ gut weg gekommen. Darauf reagierte Bernd Six kritisch – er sei nun schon seit Jahren an der Universität, und es sei bisher nur gespart worden. Der Finanzminister betonte immer wieder, dass wir in einer Prioritätengesellschaft leben würden, in der es gelte, Schwerpunkte zu setzen. Demnach gäbe es noch viele andere Bereiche, wie den Bereich der Sozialausgaben, in denen sich die Vertreter ebenso stark dafür einsetzen würden, von Kürzungen verschont zu bleiben. Er forderte den »Mut der Universitäten«, konkret zu sagen, »wo man den Rotstift ansetzen solle«. Neue Schulden seien nämlich keine mögliche Alternative.

Unterm Strich – der Standort Halle

Nach einiger Zeit kam das Thema »Input vs. Output« zur Sprache. Der Finanzminister forderte, dass sich Investi-tionen in die Bildung mehr lohnen müssten. Die Absolventenquote sei viel zu gering, man müsse eine neue Qualitätsdiskussion mit den Universitäten führen. Dann könne man darüber sprechen, weitere Ausgaben für die Bildung zu planen. Leider hatte er nicht erklärt, wie diese neue Qualitätsdiskussion stattfinden soll. Rainer Herter vom Personalrat der MLU legte dem Finanzminister in einer Berechnung eindrucksvoll dar, weshalb sich die über 50 000 Studierenden und alle Mitarbeiter an den Universitäten des Landes doch rentieren würden: »Zusammengerechnet sorgen wir alle im Jahr für einen Umsatz von über 200 Millionen Euro.« Dabei würde einiges an Steuergeldern für das Land abfallen. »Das Ziel, unsere Probleme an die Politiker weiterzutragen, haben wir erreicht«, resümiert Michael. Jetzt bleibt es nur noch zu hoffen, dass sie auch darauf reagieren.

Weitere Informationen

www.bshalle.blogsport.de und www.stura.uni-halle.de

Über Tom Leonhardt

Tom Leonhardt
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Erstellt: 05.10. 2009 | Bearbeitet: 10.01. 2010 16:45