Jun 2009 hastuUNI Nr. 26 0

Ihr hattet die Wahl, oder?

Es ist Mittwoch, der 13. Das Musikinstitut. Unzählige Studenten haben sich vor dem Gebäude versammelt. Einige haben es schon hinter sich, andere sind noch unschlüssig. Wo muss ich hin, und wen wähle ich eigentlich?

Die Entscheidung ist gefallen: 19 Prozent von Euch haben gewählt. Und zwar nicht irgendwas, sondern unsere studentischen Vertreter im Studierenden-, in den Fakultäts-, Fachschaftsräten und im Senat. Das sind ca. sechs Prozent mehr als in den vorherigen Jahren. Besonders auffällig ist dabei aber die Wahlbeteiligung in den einzelnen Fachbereichen: Während sich die Anhänger der Philosophischen Fakultät I (hierzu zählen auch die Politologen!) auf schlappen 9,8 Prozent ausruhen, trotzen die Mediziner, stellvertretend für alle Naturwissenschaftler, dem Vorurteil, politisch nicht interessiert zu sein: Satte 32 Prozent der künftigen Ärzte haben sich am Gang zur Urne beteiligt.

Aller Anfang ist schwer

»Wo muss ich denn jetzt mein Kreuz machen?« fragt mich eine Kommilitonin, die hinter mir steht. »Ich weiß es auch nicht«, entgegne ich. So erging es wohl vielen Studierenden am Tag der Hochschulwahl. All diejenigen, die zwischen Vorlesung und Hausarbeitsstress kurz Zeit fanden, zum Wahllokal zu gehen, mussten sich durch einen ganzen Berg von Zetteln kämpfen. Da gab es einen roten Zettel und noch einen und noch einen, zwischendurch einen gelben … es schien einfach kein Ende zu nehmen. Ganz schön viel für jemanden, der zum ersten Mal dabei war. Aber gut. Aller Anfang ist schwer. Wozu gibt es denn die kompetenten Wahlhelfer, dachten sich wohl viele Wähler und wendeten sich vertrauensvoll an diese. Doch weit gefehlt. Die Wahlhelfer mussten Daten sammeln: »Name, Fach, was willst du wählen? – Bitteschön, dankeschön – Nächster, bitte.« Da gab es nicht viel Zeit, um nachzufragen. Also ab ins kalte Wasser und einfach mal an jeder Stelle, die passend zu sein schien, ein Kreuz gemacht. Doch vielleicht schreckt gerade dieser Fakt potenzielle Wähler ab? Sollte man diese nicht an die Hand nehmen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen? (Julia)

»Sie haben zwei Stimmen …«

»Zur Wahl stehen für Ihren Fachbereich…« Wie jetzt? Ein Kandidat für den StuRa? Mann, da scheint ja echt was zu gehen. Na gut, kreuzeln wir los. Ob ich noch den Senat und Fachschaftsrat wählen möchte, werde ich gefragt. Verwirrt erwidere ich, dass ich den Zettel doch schon habe. »Hier kannst du aber auch noch wählen!« – strahlend hält man mir einen weiteren Zettel entgegen: Fakultätsrat – nicht Fachschaftsrat – kann ich darauf lesen. Spontan verwerfe ich meinen früheren Gedanken, dass es schön wäre, wenn die Wahlhelfer mehr Zeit für mich hätten. Nach dem nicht wirklich befriedigenden Akt, elegant zahlreiche Kreuze auf den vier Zetteln verteilt zu haben, will ich aus dem überfüllten Wahllokal verschwinden. »Hat mal jemand einen Stift für mich«, höre ich einen Wahlwilligen in der Wartereihe rufen. Genervt schaut er auf seine Uhr – die nächste Vorlesung hat bereits begonnen. Ich zücke meinen Kuli. Geheime Wahl hin oder her – er kreuzt vor den Augen aller scheinbar wahllos Namen an, faltet die Zettel und lässt sie in der Urne verschwinden. (Tom)

19 Prozent von Euch war es nicht scheißegal, wer für das nächste Jahr die Vertretung der Studierenden in der Öffentlichkeit übernimmt. Matthias Wellendorf, Öffentlichkeitsreferent des StuRa, ist mit der Zahl nicht ganz zufrieden: »Ich hätte mich über einen Wert jenseits der 20 Prozent gefreut.« Dennoch sei das Ergebnis akzeptabel: Immerhin fast jeder fünfte Student ist zur Wahl erschienen. Das sei ein Schritt in die richtige Richtung.

Wahlergebnisse der Studierendenschaft: www.hochschulwahl.info
Wahlergebnisse für die Uni-Gremien: www.wahlen.uni-halle.de

Über Tom Leonhardt

Tom Leonhardt
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Erstellt: 02.06. 2009 | Bearbeitet: 13.01. 2011 13:15