HRK-Demo und -Pressegespräch …
… in Bildern und mit ein wenig Text.

Die Studierenden versammeln sich auf dem Vorplatz des hallischen Hauptbahnhofs. Insgesamt sind es schätzungsweise 300 bis 400, die nach Leipzig fahren wollen.

Treffen um 11 Uhr. 53 Minuten später fuhr der Zug. Die Schlange am Bahnaufgang hielt sich in Grenzen.

Dann ging es los. Eroberung der Schnellbahn.

Im Zug wurde es eng (enger, als es auf diesem Bild aussieht). Auch Boden und 1. Klasse wurden von Studierenden okkupiert.

Nicht nur die Studierenden der Messestadt empfingen die hallischen Studenten, sondern auch ein erster Trupp Polizisten. Diese sollten die Studierenden den ganzen Tag begleiten.

In der Goethestraße (im Hintergrund noch der Bahnhof) sammelten sich die Demonstrierenden. Neben Leipzigern und Hallensern kamen Studierende aus Jena, Nürnberg, Dresden und vielen weiteren Hochschulstädten.

Langsam setzt sich der Demonstrationszug in Bewegung. Neben den vielen Polizisten war auch die Presse ständiger Begleiter der Studierenden.

»Keine Stimme ohne uns« – Motto der Demonstration und Aussage in Richtung der Hochschulrektorenkonferenz, die sich als »Stimme der Hochschulen« bezeichnet, allerdings nur aus Rektoren besteht.

Weitere Forderungen von Studierenden, die auf zahlreichen Transparenten festgehalten wurden.

Die Polizei gab den Demonstrationszug nicht frei, bevor die Verhaltensregeln für die Demo verlesen waren. Zeit, um …

… den Besetzern des Rektorats der Uni Leipzig zuzuwinken. Diese halten seit Montag die Räume von Prof. Häuser (Rektor Leipzig, gleich auch zu sehen) besetzt.

Zur Belustigung der Demonstrationsteilnehmer: Viele Luftballons mit Klarsichtfolie umwickeln und …

… einfach in die Menge werfen. Hilft bei längeren Wartezeiten während der Demonstration.

Das Gewandhaus – nicht, dass der Ostbau nicht schön wäre. Ein wenig verkleiden wollten ihn einige Studierende trotzdem. Bevor allerdings das Transparent entfaltet wurde, nahte das Pressegespräch im Neuen Rathaus mit Prof. Wintermantel.

Um 14 Uhr begann das Pressegespräch. Neben Margit Wintermantel (HRK-Präsidentin, Mitte) stand auch Franz Häuser (Rektor Uni Leipzig, rechts) für Fragen bereit. Zu Beginn wurden die Erfolge der HRK-Konferenz aufgezählt. Bologna geht voran und wird durch die Rektoren gestützt. 80 % der Studiengänge sind umgestellt, und alle in Bezug auf den Bologna-Prozess positiven Kennziffern (z.B. Zufriedenheit der Studierenden) steigen. Forderungen gehen in Richtung der Kultusminister, die dringend die Finanzierungslücke schließen müssten. Der Bologna-Prozess sei ohnehin ohne jegliche zusätzliche Zuwendungen gestemmt worden. Man sei hier aber im Gespräch mit den Politikern. Während Wintermantel und Häuser sprachen, wurde es plötzlich im Eingangsbereich (hinter der Holzwand, die man auf dem Bild sieht) laut.

Ein wenig Stimmengewirr, Schreie und ein überengagierter Wachmann – alles, was passiert, wenn Leute irgendwo rein wollen, wo sie nicht rein sollen. Sieben Protestierende hatten sich auch überlegt, zum Pressegespräch zu kommen, zu dem sie ja nicht eingeladen worden waren. Wintermantel meinte zwar, dass man den Leipziger StuRa auch zur Konferenz einlud, jedoch forderte dieser unter anderem, dass die HRK nicht mehr als »Stimme der Universitäten« auftritt.

Nachdem die ersten sechs Protestler schon im Raum waren, ließ der Wachmann auch vom siebten ab. Das Pflaster auf dem Mund soll die Bevormundung der Studierendenschaft durch ein loses Bündnis von Rektoren verdeutlichen. Geredet haben die Protestierenden allerdings trotzdem.

Orthographisch nicht ganz korrekt und leider unvollständig (der vierte Teil wurde beim Betreten des Raumes unbrauchbar gemacht). »Danke das ihr unser Vormund seid« – die Botschaft der sieben Demonstranten, die trotz ihrer Pflaster auf dem Mund in Disput mit der HRK-Präsidentin und Rektor Häuser traten. Vor allem sprachen sie der Rektorenkonferenz jegliche Legitimation ab. Eine Äußerung, der Wintermantel mit der Gegenfrage antwortete: »Durch wen sind Sie denn legitimiert?«

Es folgte ein Disput über Bologna, der auch von den anwesenden Pressevertretern gewünscht wurde. Dabei schmiss man sich kurz Statistiken um die Ohren, die konträr und damit unbrauchbar für ein Gespräch waren, das so recht nicht entstand, da man immer wieder schnell in Schuldzuweisungen verfiel.

Wintermantel verteidigte – auch gegenüber den sieben Demonstranten im Presseraum – vehement die HRK und Bologna. Fatal an der Situation (und daran war auch die Störung der Studierenden schuld) scheint die Aussage, dass die Protestierenden eine Minderheit innerhalb der Studierendenschaft darstellten, der Bildungsstreik also von den meisten nicht getragen werde. Auf die Frage an Wintermantel, wie sie sich denn zum Protest und der Demonstration positionieren würde, sagte sie, dass sie anfangs erfreut war über die Beteiligung, dass man aber mit gerade solchen Studierenden (gemeint waren die sieben »Störenfriede«) nicht konstruktiv zusammenarbeiten kann.

Deswegen blieben die Studierenden dann auch lieber unter sich, wie hier bei der Zwischenkundgebung vor dem Bundesverfassungsgericht. Die Teilnehmerzahl lag zwischen 4 000 und 5 000 Personen. In der Tat eine Minderheit, bedenkt man allein, dass an der Uni Leipzig 30 000 Studierende eingeschrieben sind. Die Forderungen betreffen jedoch unbestritten mehr, und die HRK sowie andere Institutionen, die am Bologna-Prozess tätig sind, würden es sich zu einfach machen, den Bildungsstreik als kleine Bewegung abzutun.
Über Julius Lukas
Erstellt: 24.11. 2009 | Bearbeitet: 23.12. 2009 12:40
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