Nov 2009 hastuUNI Nr. 29 0

Engagiert und schlüsselqualifiziert

Ein Blick auf eine »neue Generation« von ASQ.

Uni_Jugenduni_JuliaWeller_VorlageEs wird langsam dunkel an diesem 15. Oktober, als sich Annika Seidel auf den Weg zu ihren Schützlingen macht. Ihr Gesichtsausdruck verrät nicht, was gerade in ihrem Kopf vorgeht. Sie organisiert die »Jugenduni« mit und trifft gleich auf Bachelorstudierende verschiedenster Fachrichtungen. Sie alle erhalten als TeilnehmerInnen des ASQModuls »Studierende für Studierende« fünf Leistungspunkte für die Durchführung des Schnupperstudiums 2010, das im Rahmen dieses ASQ-Moduls realisiert wird.

»Ihr sucht gemäß eurer Erfahrung lohnenswerte Veranstaltungen in eurem Fachgebiet für die Schüler aus, begleitet sie, wenn möglich, dorthin und seid im Anschluss offen für ihre Fragen organisatorischer, aber auch fachlicher Art«, fasst Annika wenige Minuten später die Aufgaben der ASQ-TeilnehmerInnen zusammen. Verglichen mit den Inhalten herkömmlicher ASQ-Module wie »Einführung in Datenbanken« oder »Argumentation und Präsentation« klingt das, was Annika erzählt, lebendiger und irgendwie nicht besonders schwer.

Punkte für Engagement

An der MLU entsteht zunehmend eine »Neue Generation« von ASQ-Modulen, bei denen Studierende für ihr Engagement Credit-Points bekommen. Als Bachelor muss man also einfach nur schauen, wofür man sich am liebsten engagieren möchte oder schon engagiert hat, sucht sich dann ein entsprechendes ASQ-Modul heraus, schreibt am Ende einen drei- bis fünfseitigen Bericht und erhält dafür dann fünf Leistungspunkte. Damit erfüllt diese neue

Generation der sonst als mehr oder weniger sinnlos empfundenen Zeitfresser den Wunsch vieler Bachelorstudierenden nach einem sozialen Ausgleich im Seminaralltag. Auch Umair Bin Anwaar Qureshi, der beratend und organisatorisch für den gesamten ASQ-Bereich zuständig ist, spricht lobend von diesen neuen ASQ-Modulen. Die Studierenden profitierten von diesen, da sie trotz eines straffen Studienprogramms die Möglichkeit hätten, ihre ehrenamtlichen Aktivitäten mit Hilfe dieser Module in das Studienprogramm zu integrieren.

Studenten als Dozenten?

»Ich finde es schwierig, dass wir Studierende diese neuen ASQ-Module leiten sollen. Wir haben schließlich keinen Lehrauftrag und haben noch nicht so viel Fachwissen«, merkt Stefanie Sachsenröder an, in diesem Semester verantwortlich für die TeilnehmerInnen des ASQ-Moduls »Studierende schreiben für Studierende«. Tatsächlich stellt sich die Frage, wie viel man lernen kann, wenn niemand wirkliches Wissen vermittelt, sondern vielmehr studentisches Engagement koordiniert. Doch Qureshi kontert: »Die Idee hinter diesen Modulen ist, dass die Studierenden durch die Arbeit in den Gremien bzw. außeruniversitären Organisationen, Schlüsselqualifikationen wie interkulturelle Kompetenz, Organisations- und Konfliktfähigkeit erwerben können, die durchaus dem Grundsatz von ASQs entsprechen.«

Keine Spaßveranstaltung

Mehr als 20 Studierende wollen die Jugenduni dieses Jahr mitorganisieren. Eine Auswahl der TeilnehmerInnen erfolgte durch Selbstreflexion. Wer beim ersten Treffen mit dem Ziel da war, ganz nebenbei fünf Leistungspunkte abzustauben, der kam beim nächsten Mal nicht wieder. Denn schnell wurde klar, dass die studentischen Organisatoren doch gewisse Anforderungen stellen. »Die Leistungspunkte sind durchaus nicht leicht verdient. Aufgrund der Art der Veranstaltung ist ein hohes Maß an Eigeninitiative und Engagement notwendig.«, erklärt Michael Marz, der neben Annika Seidel und zwei weiteren Studierenden Ansprechpartner für die ASQ-TeilnehmerInnen ist. Denn genau so gestaltet sich auch das Konzept, das hinter dieser neuen Generation steckt: Studierende haben Interesse daran, ein Denkmal zu sanieren und erhalten dafür sogar fünf Leistungspunkte. Nicht umgekehrt.

Illustration: Julia Weller

Über Nicole Wächter

Erstellt: 12.11. 2009 | Bearbeitet: 23.12. 2009 15:22