Nov 2009 hastuUNI Nr. 29 0

Die Masterbolognese

Am 7. August wurde die »Master für alle«-Petition beim deutschem Bundestag eingereicht. Doch was ist daraus geworden?

Uni_Master-Petition_TherJedem Bachelorabsolventen solle ein Masterplatz zugesichert werden, »unabhängig von Note, Herkunft und sozialem Stand«.
Die Werbetrommel für die Sammelpetition wurde laut gerührt. In einschlägigen Foren wurde auf die Präsenz des Themas hingewiesen und darauf aufmerksam gemacht, dass jede Stimme zähle. Seitdem ist einige Zeit vergangen, und ein jeder fragt sich, was denn mit seiner Unterzeichnung passiert ist. Wie erfolgreich war die Unterschriftensammelei? Und wieso wird dieses Problem eigentlich so heiß diskutiert?

Die Kür geht, die Pflicht bleibt

In der Bologna-Reform wird ursprünglich davon ausgegangen, dass der berufsqualifizierende Bachelor völlig ausreicht, um Hochschulabsolventen für den Arbeitsmarkt fit zu machen. Der Master soll nur für eine Handvoll Studierende infrage kommen. Soweit die Theorie, praktisch muss sich der Bachelorabschluss aber erst einmal bei den Personalchefs dieses Landes als ausreichend durchsetzen. So tendieren viele Studierende dazu, den Master anzuschließen.

Ein schwieriges Unterfangen, wenn man weiß, dass ca. 80Prozent der universitären Kapazitäten für den Bachelor verbraucht werden. Für ein umfangreiches Masterprogramm fehlt in den meisten Hochschulen schlichtweg Geld und Personal. Das bedeutet, dass nur die Besten eines jeden Jahrgangs Zugang zu den Master-Studiengängen haben werden.

Die Kür geht, die Pflicht bleibt – so die Befürchtung. Die Petition hat Wellen geschlagen, 42. 740 Gleichgesinnte unterstützten den Antrag der Hauptpetentin Anna Hittmeyer. Eine enorme Zahl, doch für die Anhörung in einer öffentlichen Ausschusssitzung hätten 50. 000 Unterschriften gesammelt werden müssen. Seit dem Einreichdatum ist die Petition laut deutschem Bundestag »in parlamentarischer Bearbeitung«. Nicht nur, dass sich das Verfahren in die Länge zieht, höchstwahrscheinlich wird der Ausschuss des Bundestages auch keinen großen Umbruch vollbringen. Denn das Thema ist grundsätzlich Ländersache.

Großes Zugangs-Wirrwar

Dabei schreibt kein Bundesland eine Quotenregelung vor bzw. ist dies per Gesetz sogar verboten. Allerdings kann das Land der Hochschule eine Empfehlung geben, was wiederum zu einer »versteckten« Übergangsquote führt. In Berlin wurde so bereits eine rechnerische Quote von 70Prozent vereinbart. An der MLU Halle gibt es neben zulassungsfreien Masterangeboten, wie etwa Agrarwissenschaften, Chemie oder Geschichte, auch zulassungsbeschränkte Masterplätze. Für den BWL-Master etwa wird eine Examensnote von mindestens 2,5 verlangt. Bei der Bewerbung um einen Psychologiemaster wird sogar eine Rangliste mit jedem Bewerber erstellt, die Abschlussnote, praktische Erfahrungen und Motivationsschreiben einbezieht.

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Weitere individuelle Regelungen zwischen Land und Lehranstalt werden wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen, denn der große Schwung der Bachelorabsolventen steht noch bevor. Folge ist ein bundesweites Master-Zugangs-Wirrwarr. Nicht nur, dass man sich dann durch den Dschungel der einzelnen Zugangsvoraussetzungen hangeln muss: Ebenso werden, wie beim Bachelor, Mehrfachbewerbungen eine zusätzliche Belastung für die Hochschulen darstellen.

Doch die Unterschrift eines jeden Einzelnen für die Petition war nicht umsonst. Denn jetzt ist die Problematik der Öffentlichkeit bekannt und wird diskutiert. Effektiver wäre es aber, eine solche Petition in jedem einzelnen Bundesland einzureichen. Das erfordert aber neben einer guten Organisation eine beachtliche Menge an Zeit. Und letzteres haben Studierende ja bekanntlich nicht.

Illustration: Theresa Grieben

Über Yvette Hennig

Ehemaliger Mitarbeiter

Erstellt: 09.11. 2009 | Bearbeitet: 23.12. 2009 15:23