Dez 2009 hastuUNI Nr. 30 0

Das Fulbright-Programm

Eine Studienförderung für besonders engagierte Studierende

Stipendiat Philipp Behm im Gerat Sand Dunes National Park Colorado

Stipendiat Philipp Behm im Gerat Sand Dunes National Park Colorado

Am 28. April 2009 versammelte sich eine Handvoll Studierender im Hörsaal des psychologischen Institutes am Brandbergweg, um Susanne Göckeritz, Psychologiestudentin und Fulbrightstipendiatin, zu lauschen. Susanne hat es geschafft. Sie durfte zwei Semester Psychologie an der California State University San Marcos studieren, unterstützt durch ein Teilstipendium in Höhe von 21 500 US-Dollar von Fulbright. Begeistert berichtet sie an diesem Nachmittag von ihren Reisen quer durch die USA und ihrer akademischen Weiterentwicklung. Beispielsweise durfte sie dort selbst eine Sozialpsychologievorlesung halten und verfasste mit ihrem amerikanischen Professor einen Fachartikel.

Was ist Fulbright?

Das Deutsch-Amerikanische Fulbright-Programm versucht, das gegenseitige Verständnis von Amerikanern und Deutschen durch akademischen und kulturellen Austausch zu fördern. Jährlich werden 70 Stipendien an engagierte und leistungsstarke Studierende vergeben, die ihr Land in der Funktion eines Kulturbotschafters vertreten sollen.

Träger des Programms sind neben dem amerikanischen Department of State und dem deutschen Auswärtigen Amt auch private Investoren wie die Deutsche Bank AG, die Siemens AG, The Boston Consulting Group oder die Dow Olefinverbund GmbH. Diese Unternehmen werden angelockt mit der Aussicht auf einen Zugang zu einer mehrsprachigen, fachlich qualifizierten und kosmopolitischen Gruppe junger Studierender, die nach ihrem Universitätsabschluss leicht angeworben werden können.

Unter anderem werden von Fulbright Bewerbungskosten, die transatlantischen Reisekosten und die dortige Kranken- und Unfallversicherung übernommen. Die Höhe der Stipendien variiert, je nachdem ob man ein Teil- oder Vollstipendium erhält, zwischen 21 500 und 30 400 US-Dollar, davon müssen die Studiengebühren und die Lebenshaltungskosten bestritten werden.

Die Bewerbung

Die zentralen Voraussetzungen für ein Fulbrightstipendium neben guten Noten sind fundierte landeskundliche Kenntnisse über Deutschland und die USA, Engagement außerhalb des Studiums und gute englische Sprachkenntnisse (mindestens 89 Punkte im internetgestützten TOEFL). Des weiteren sollten die Studierenden bei Antritt des Stipendiums in den USA mindestens das fünfte Fachsemester abgeschlossen haben.

Bewerber der MLU werden zunächst zu einem persönlichen Gespräch ins akademische Auslandsamt eingeladen. Hier sollten sie sowohl ihr fachliches Vorhaben in den USA vorstellen als auch auf Fragen der Kommission antworten können. Der hiesige Fulbright-Vertrauensdozent Dieter Heyer fragt zum Beispiel gern: »Welchen Fachartikel haben Sie zuletzt gelesen, und erklären Sie doch kurz für nichtfachkundige Zuhörer, worum es dabei ging.« Auch muss jederzeit damit gerechnet werden, dass das Gespräch auf Englisch fortgeführt wird.

Nach dem Gespräch in Halle werden die Bewerbungsunterlagen mit einer Einschätzung der lokalen Kommission weiter nach Berlin geschickt. Die Bewerber müssen sich im weiteren Auswahlverfahren mit der nationalen Konkurrenz messen. Wer zum persönlichen Gespräch nach Berlin eingeladen wird und die dortige internationale Kommission von sich überzeugt, hat es geschafft.

Ein Jahr Politikwissenschaften in Colorado

Philipp Behm, ehemaliger Student der Politikwissenschaften und Soziologie an der MLU, hat das Auswahlverfahren 2005 erfolgreich absolviert. Die Idee vom Studium in den Staaten entstand bei Philipp während eines zweiwöchigen Urlaubs in Kalifornien. Dort faszinierte ihn neben der beeindruckenden Kulisse der Rocky Mountains vor allem die offene und freundliche Art der Einheimischen. Sein Entschluss stand fest, er wollte unbedingt länger dort leben. Durch ein Teilstipendium von Fulbright erhielt er die Chance, ab August 2006 für zwei Semester an der University of Colorado at Denver Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen zu studieren.

Obwohl das Auswahlverfahren lang und fordernd war, antwortet Philipp auf die Frage, ob er sich noch einmal für Fulbright bewerben würde, wenn er die Chance hätte, kurz und bestimmt: »Ja, unbedingt!«

Foto: Privat

Weitere Informationen für die Bewerbung 2011/2012 auf www.fulbright.de

Über Nicole Wächter

Erstellt: 09.12. 2009 | Bearbeitet: 23.12. 2009 15:20