Okt 2009 hastuUNI Nr. 28 0

Chancen

Arbeiten an der Uni: Für viele Studenten ein Traum, für die meisten undurchschaubar. Wer darf und warum? Ein Überblick.

28_10_Uni_HiWi_HanneKujathWenn Studenten auf Arbeitssuche gehen müssen, denken sie an alles Mögliche, aber nicht an die Uni. Die meisten kennen sie als Wissens-, nicht als Arbeitgeber. Dabei wollen doch Computerräume beaufsichtigt und Bibliotheken geordnet sein. Professoren und Dozenten brauchen Helfer, die ihnen zuarbeiten. Die Martin-Luther-Universität kommt insgesamt auf über 1300 studentische Beschäftigte. Eine bedeutende Zahl. Nur: Wo findet man diese Stellen?Auf den Internetseiten der Uni? Im Career Center? Nein, es ist alles ganz anders. Man wird gefunden.

Der so genannte Grundsatz der Freiheit in Lehre und Forschung garantiert, dass jeder Professor selbst entscheiden kann, wozu er Mittel der Uni anfordert – um einen neuen Computer zu kaufen oder um eine studentische Hilfskraft (HiWi) einzustellen. Die Freiheit geht so weit, dass ein Professor jeden einstellen kann, der ihm gerade passt. Dazu muss die Stelle meist nicht ausgeschrieben werden. Es genügt, einfach die passende Person zu fragen. »Logisch ist das nicht«, findet Renate Federle. Sie muss es wissen. Als Vorsitzende des Personalrates ist sie bestens mit den Rechten und Pflichten aller an der Uni Beschäftigten vertraut. Sie engagiert sich in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, kurz GEW. Auch ohne das zu wissen, merkt man es im Gespräch schnell. »Eine öffentliche Stelle müsste allen zugänglich sein.« Denn das sind sie, die HiWi-Jobs: Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst. Allerdings solche ohne Tarifvertrag. In Halle hat das Rektorat totale Entscheidungsgewalt. »Wir haben da kaum Einflussmöglichkeiten«, gesteht Frau Federle – auch wenn es für die wissenschaftlichen Hilfskräfte keinen Tarifvertrag gibt.

Den Studenten der MLU jedoch scheint das ganz recht zu sein. Bei all den derzeit drohenden Kürzungen darf sich jeder privilegiert fühlen, der Arbeit hat. Über das Glücksgefühl des Arbeitendürfens werden Fragen der Chancengleichheit vergessen.  Als im vergangenen Semester eine Veranstaltung zum Thema »Arbeitsrecht der HiWis« stattfand, gab es elf Zuhörer. Im Personalrat resigniert man darüber. »Solange die Studenten uns, also dem Personalrat, nichts signalisieren, können und werden wir nicht handeln.« Von ihnen hängt es ab.

Ein Tarifvertrag würde bedeuten, dass für alle die gleichen Konzessionen gelten. Das Ausschreiben aller Stellen kann Vorteile, aber auch Nachteile bringen. Immerhin wären die Professoren dann in ihrer Freiheit beschnitten. Es würde alles bürokratischer ablaufen, mit Ausschreibungen, Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen. Wer schlecht arbeitet, würde eben soviel bekommen wie sein schuftender Kollege. »Gleichmacherei« wäre das Stichwort. Aber immerhin ist die MLU mit 17 000 Studierenden kein Kleinbetrieb. Welcher Professor kennt schon alle seine Studenten so gut, dass er die Bestqualifizierten allein heraus filtern könnte? Der einzelne würde einen stärkeren Standpunkt gegenüber seinem Arbeitgeber Uni bekommen. Viele würden so überhaupt erst die Chance auf diesen Arbeitgeber erhalten.

Illustration: Hanne Kujath

Über Julia Solinski

Erstellt: 05.10. 2009 | Bearbeitet: 13.10. 2009 16:00